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Walldbaden_05-08-18.jpgWaldbaden

Haben Sie schon einmal im Wald gebadet? Damit ist jetzt nicht gemeint in einem kuscheligen Teich mitten im Wald zu schwimmen. Es ist eher das Baden in der Waldluft, das Aroma, einzuatmen. Doch schauen wir uns einmal an woher diese Idee eigentlich kommt.

Schon immer war es so, dass der Aufenthalt im Wald bei uns Menschen für Ruhe und Entspannung sorgte. Sei es das Gehen und Laufen auf dem weichen Waldboden und Moos, das Zwitschern der Vögel; alles trägt zur Erholung bei. Sogar wissenschaftlich wurde der Aufenthalt im Wald untersucht. Seit 1982 – angeregt durch die japanische Waldbehörde – haben japanische Wissenschaftler anhand verschiedener Studien entdeckt, dass der Aufenthalt im Wald wie eine Art Aromatherapie wirkt, die für die Gesundheit förderlich ist. Daraus entwickelte sich eine in Japan anerkannten Stress-Management-Methode, die vom japanischen Gesundheitswesen gefördert wird.

Durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, wird unser Immunsystem gestärkt. Unser Körper produziert aufgrund der in der Waldluft enthaltenen Terpene verstärkt so genannte Killerzellen, die gegen Krebs wirken. Studien haben ferner ergeben, dass sich durch den Aufenthalt im Wald Angstzustände, Depressionen und Wut verringern, Stresshormone abgebaut werden und die Vitalität steigt.

Dabei ist es nicht notwendig, sich beim Aufenthalt im Wald körperlich sehr anzustrengen, sportlich zu wandern etc. Bereits ein gemütlicher Spaziergang im Wald wird als "Waldbaden" bezeichnet. Das ist eigentlich nichts anderes als die bei uns bekannten Waldspaziergänge. Aber anscheinend bedarf es immer einer neuen/anderen Wortkreation um Wirkung auf uns Menschen zu erzielen. Wenn das so ist, soll es so sein.

Seit 2012 existiert an japanischen Universitäten ein eigener Forschungszweig. Die "Forest Medicine" bzw. "Waldmedizin" zieht mittlerweile Wissenschaftler auf der ganzen Welt in ihren Bann. Vor allem Großstadtmenschen wird der Aufenthalt im Wald regelrecht "verordnet". Dazu hat man spezielle Waldgebiete zu Wald-Therapiezentren ernannt.

Waldbaden ist wie Wellness zwischen Bäumen. Nun gewinnt auch in Europa das Waldbaden immer mehr Anhänger. Das angeleitete Eintauchen in die Natur wird von immer mehr Fans geschätzt. In der Olympiaregion Seefeld wird Waldbaden fernab der städtischen (Umwelt-)Belastung auf 1.200 Metern Seehöhe praktiziert. Angeleitet von Naturcoachwerden Interessierte durch die Nadel- und Mischwälder der Region geführt. So kann bewusst die heilsame Luft eingeatmet und die Natur erlebt werden. Ein Mischwald beruhigt den Geist noch mehr als ein Nadelwald. So jedenfalls erleben es die Waldbadenden. Hier sind Blätterdichte und -struktur entscheidend, vor allem im Sommer: Das Laub im Mischwald spendet Schatten und erzeugt ein angenehmeres Klima.

Waldbaden ist ein meditativer Gang durch Forstgebiete. Er soll die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, indem er den Mensch zurück zur Natur führt. Spezielle Übungen - wie bewusst ein- und ausatmen, dem Blätterrauschen lauschen oder die Baumrinde berühren - sprechen alle Sinne an: Waldbaden soll die Atemwege entlasten, die Stimmung heben und für ein allgemeines Wohlbefinden sorgen. Das friedliche, achtsame Eintauchen in den Wald schafft gerade für Großstädter eine erholsame Auszeit vom urbanen Leben und macht mit einfachen Mitteln die heilsame Kraft der Natur verfügbar. Der Geist schaltet ab, man kommt zur Ruhe und findet zu sich selbst. Körperlich werden beispielsweise durch die Atemübungen die gesundheitsfördernden, sekundären Pflanzenstoffe möglichst tief im Körper aufgenommen.