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Waldbaden_11-05-18.jpgKennen Sie Waldbaden?

Wenn Sie jetzt denken, Sie müssen durch Tannennadeln durch den Wald schwimmen, so ist das zum Glück falsch. Eher ist es die Umgebung Luft in der gebadet wird. „Baden in der Waldluft“ – so in etwa lautet die Übersetzung des japanischen „Shirin Yoku“. Es ist also nicht ein erfrischenden Bad im Wasser, sondern viel mehr das Erleben des Waldes mit allen Sinnen. Dabei ist der positive Effekt keineswegs reiner Aberglaube, sondern sogar wissenschaftlich belegt.

Was ist Waldbaden?

In Japan ist Waldbaden bereits fester Teil der Gesundheitsvorsorge. Nun schwappt der Trend des „Shirin Yoku“ auch zu uns herüber. Dabei ist der Hintergrund des Waldbadens auch für uns Europäer nichts Neues: Wir alle kennen die beruhigende Wirkung des Waldes auf Körper und Geist. Beim Waldbaden ist diese positive Wirkung das erklärte Ziel. Der Unterschied zwischen Spaziergang und Waldbaden ist Achtsamkeit - Der Wald soll bewusst und mit allen Sinnen erlebt werden.

Bewegen Sie sich achtsam durch den Wald, öffnen Sie Ihre Sinne und riechen, schmecken und fühlen Sie den Wald. Dabei ist es ganz egal, wie Sie dies tun: Entschleunigen Sie bei einer Gehmeditation, setzen Sie sich an einen Baum oder nutzen Sie eine der bereitgestellten Liegen, um den Wald liegend und mit geschlossenen Augen wahrnehmen zu können.

Waldbaden bringt die Seele ins Gleichgewicht

Allein das beruhigende Grün und die Stille des Waldes lassen innerhalb kürzester Zeit die Stresshormone sinken und bringen unsere Seele ins Gleichgewicht. Während eines Waldspaziergangs schlägt unser Herz messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt und auch unsere angespannten Muskeln lockern sich.

Das Waldinnenklima ist von besonderer Bedeutung: Die Baumkronen halten die Sonnenstrahlen ab, gleichzeitig verdunsten Bäume Wasser. So entstehen auch an warmen Tagen angenehm kühle Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit als an anderen Orten. Je nach Baumart produzieren die Bäume ätherische Öle, die sich positiv auf unsere Stimmung, unser Immunsystem und auch unser Selbstwertgefühl auswirken. Auch Personen mit Lungenerkrankungen profitieren vom dem besonderen Klima.

Achtsamkeit statt Action

Waldbaden hilft uns, die „Batterien wieder aufzuladen“, die der Alltag oft viel zu schnell leert. Für einen positiven Effekt müssen Sie nicht stundenlang im Wald sitzen. Forscher haben herausgefunden, dass die positiven Effekte bereits nach kurzer Zeit einsetzen. Also probieren Sie es doch einfach mal aus und entscheiden Sie sich für Achtsamkeit statt Action und entschleunigen beim Waldbaden im Hochschwarzwald.

Die therapeutische Wirkung des Waldbadens

Wir alle kennen die beruhigende, ja fast meditative Wirkung eines Waldspaziergangs. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der Wald so einen besonderen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Stimmung hat?

Bereits seit den 80er Jahren forschen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen zu diesem Phänomen und sind dabei mehrfach fündig geworden. Der schwedische Arzt Roger Ulrich konnte Anfang der 80er Jahre nachweisen, dass Patienten, die einen Baum vor ihrem Krankenzimmer hatten, schneller gesund wurden, als andere denen dieser Ausblick fehlte. Der Umweltpsychologe Marc Berman von der University of Chicago verglich in einer Untersuchung die Baumdichte innerhalb Torontos mit dem Gesundheitszustand der Bewohner. Das Ergebnis war erstaunlich: Je mehr Bäume in der Umgebung, desto geringer war das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter den Bewohnern.

Waldbaden lindert Stress und depressive Stimmungen

Der Aufenthalt im Wald aktiviert den Parasympathikus und reduziert dadurch die Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Depressive Stimmungen, Stress und Erschöpfung können so gelindert werden. Positive Gefühle werden gestärkt und so hat Waldbaden auch einen bestärkenden Effekt auf das Selbstwertgefühl.

In Japan gehört Waldbaden daher ganz offiziell zur Gesundheitsvorsorge, denn neben den positiven Auswirkungen auf unser Gemüt kann Waldbaden auch den Blutdruck senken und das Immunsystem stärken. Im grünen Wald schüttet unser Körper vermehrt das Hormon DHEA aus, was unser Herz und unsere Gefäße stärkt. Um die Wirkung des Waldes weiter zu erforschen, gibt es in Japan seit 2012 sogar einen eigenen Forschungszweig, die „Forest Medicine“ - Erholung finden gestresste japanische Großstädter in speziell errichteten Wald-Erholungszentren.

Waldbaden stärkt unser Immunsystem

Einen ganz besonders faszinierenden Effekt des Waldbadens beschreibt der Biologe Clemens Arvay in seinem Buch "Der Biophilia-Effekt": Die Pflanzen im Wald geben chemische Verbindungen, sogenannte Terpene, an die Luft ab, um andere Pflanzen vor Schädlingen und Angreifern zu warnen. Die Terpene sind jedoch nicht nur ein Warnsystem, sondern bewirken zusätzlich, dass das Immunsystem der Pflanzen hochgefahren wird.

Auch der Mensch empfängt diese Pflanzensignale und auch unser Immunsystem reagiert auf die chemischen Verbindungen. So kommt es, dass unser Blut nach einem Waldspaziergang über etwa 50% mehr weiße Blutkörperchen aufweisen kann, als vor dem Spaziergang. Die Nippon Medical School in Tokyo hat dies in Untersuchungen belegen können und darüber hinaus feststellen können: Die weißen Blutkörperchen sind nicht nur deutlich mehr, sondern auch länger aktiv und bekämpfen neben körperfremden Keimen auch körpereigene Krebszellen. Das erklärt die Beobachtung, dass Menschen, die in der Nähe eines Waldes leben, deutlich seltener an Krebs erkranken als Personen, die keinen Wald in der Nähe haben.

Der Wald hat also mehr als einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit und für einen positiven Effekt reicht bereits ein kürzerer Spaziergang, wie Forscher der University of Essex herausfanden.

Entdecken Sie die einzigartige Heilkraft des Waldes:

Waldbaden - So geht´s

Die erste Regel beim Waldbaden lautet: Es gibt keine Regeln! Jeder „badet“ wie es ihm gefällt. Beim Waldbaden geht es schließlich darum, den Wald mit allen Sinnen zu erfahren und die Umgebung und sich selbst intensiv zu spüren – dabei kann jedem Menschen etwas anderes guttun.

Trotzdem können Sie einige Vorkehrungen für ein erfolgreiches Waldbad treffen:

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit

Stress möchten wir beim Waldbaden schließlich reduzieren und nicht produzieren. Auch wenn Waldbaden bereits nach 20 Minuten positive Effekte auf den Körper hat, kann unser Körper nur ohne Zeitdruck richtig entspannen und so die positive Energie des Waldes nutzen.

Nehmen Sie sich nicht zu viel vor

Waldwandern ist kein Leistungssport, es geht nicht um körperliche Ertüchtigung. Ermüdende Waldausflüge sind da kontraproduktiv. Ihr Waldbad sollte genau so lange andauern, wie es Ihnen guttut.

Oft werden mehrstündige Aufenthalte im Wald empfohlen. Natürlich kann sich der positive Effekt auf Ihre Gesundheit intensiver entfalten, je länger Sie sich im Wald aufhalten. Das bedeutet aber nicht, dass Sie dabei möglichst viele Kilometer zurücklegen müssen. Für einen Tagesausflug werden Strecken von bis zu 5km empfohlen – Es geht also nicht darum möglichst viel Strecke hinter sich zu lassen, sondern die Zeit im Wald achtsam und bewusst zu erleben.

Wenn Sie sich für einen längeren Spaziergang im Wald entscheiden, legen Sie regelmäßig Pausen zur Erholung oder für Meditationen ein. Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Proviant bei sich haben, denn mit knurrendem Magen können wir uns nur schlecht entspannen.

Versuchen Sie alle Sinne bewusst einzusetzen

Waldbaden soll die Sinne öffnen – Durch unseren Alltag laufen wir oft mit einem Tunnelblick, doch im Wald soll unser Blick sich weiten. Gehen Sie aufmerksam durch den Wald: Lauschen Sie den beruhigenden Tönen des Waldes und seiner Bewohner, spüren Sie den Wind auf Ihrer Haut oder fühlen Sie die Beschaffenheit der verschiedenen Baumrinden. Riechen und schmecken Sie das einzigartige Aroma des Waldes.

Nehmen Sie nicht nur die Bäume, sondern auch die Tiere und andere Pflanzen bewusst wahr. Lehnen oder setzen Sie sich doch einfach zwischendurch an einen Baum und schließen Sie die Augen, um Ihre anderen Sinne zu schärfen. Wenden Sie einfache Atemübungen an, indem Sie bewusst besonders tief einatmen oder lang ausatmen.

Schalten Sie ab – Auch die Elektronik

Für ein ungestörtes und bewusstes Erleben des Waldes brauchen wir die Stille. Wir sind daran gewöhnt unsere Handys immer bei uns zu tragen, aber Waldbaden kann nur funktionieren, wenn wir möglichst wenig abgelenkt werden. Also lassen Sie das Handy zuhause oder schalten Sie es mindestens aus. Gleiches gilt für Musik auf den Ohren. Ihre Aufmerksamkeit sollte ungeteilt auf den Wald um Sie herum gerichtet sein, also wagen Sie das digitale Detox.