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ASC_5796.JPGWanderschuhe

Wer wandert, braucht Schuhe. Wer viel wandert, legt sehr viel wert auf gute Schuhe. Was nicht heißen soll, dass der, der wenig wandert, nicht wert auf gutes Schuhwerk legt. Da die Deutschen ein Wandervolk sind, so zeigt sich auch der Outdoor-, Sport- und Schuhhandel begeistert vom Wandern. So sind Outdoor Schuhe mit einem Anteil von rund 25% des Outdoor-Branchenumsatzes ein erfolgreiches Sortiment und machen Handel und Herstellern sehr viel Freude. Sowohl der Komfort als auch die Qualität der Produkte werden hoch eingeschätzt. Werden die führenden Hersteller gefragt, so ist allgemeine Zuriedenheit vorhanden. "Wir sind zufrieden, hochwertige, funktionelle Schuhe sind gefragt," so der deutsche Schuster Meindl und schaut optimistisch in die Verkaufssaison 2019. Auch Thomas Gröger, Geschäftsführer beim Wettbewerber Hanwag, sagt: "Wir freuen uns über ein gesundes und ganzheitliches Wachstum."

Dass es bei den beiden Bergschuhspezialisten aus der Branche gut läuft, ist angesichts des fortlaufenden Wandertrends in Deutschland nicht überraschend. Gute Geschäfte vermeldet auch die ausländische Konkurrenz, die es auf dem deutschen Markt nicht immer leicht hat. Scarpa Verkaufsleiter Jonas Gerhäusser ist mit dem Geschäftsjahr 2018 "sehr zufrieden", auch für Dr. Oliver Wieser, Geschäftsführer des Österreichischen Hersteller Dachstein, ist die "Saison gut gelaufen".

Der deutsche Schuh-Hersteller Lowa verzeichnet bei "sportlichen Multifunktionsschuhen sehr starke Zuwachsraten", meint Entwicklungsleiter Alex Nicolai. Keen Key Account Manager Selim Say spricht von "Nachbestellungen in Rekordhöhe für Sandalen in allen Kategorien", während Scarpa bei Kletterschuhen und im Approach-Segment "signifikante Umsatzsteigerungen" verzeichnet, so Jonas Gerhäusser. "Der Schuhbereich ist ein hart umkämpftes Feld", stellt Mathias Basedow, Country Manager Deutschland der schwedischen Marke IceBug, fest: "Grundsätzlich ist die Nachfrage gesund, aber es besteht die Gefahr, dass zuviel Ware in den Markt gepumpt wird."

Um es den branchenfremden Mitbewerbern möglichst schwer zu machen, setzen die Outdoor-Schuster mit Innovationen weiter auf Komfort und Qualität. AKU aus Italien baut 2019 stark auf ihre Komfortinnovation ‚Elica’, eine Technologie, die den Schuh "im Gebrauch noch komfortabler werden lässt", sagt Exportmanager Fabio Miotto. Wettbewerber Tecnica zeigt auf der OutDoor den ersten Customized-Fit Low Cut Hiking-Schuh. Mit der Technologie, die Tecnica auf der vergangenen Leitmesse bei klassischen Wanderschuhen eingeführt hatte, habe die Firma ihren Umsatz 2018 um 35 Prozent steigern können, so Marketing Manager Federico Sbrissa. Hanwag-Chef Thomas Gröger spricht gerne über Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit, statt über neue Trends. Er sieht den eigentlichen Antrieb darin, die Modelle dank innovativer Technologien weiterzuentwickeln.

"Urban Outdoor" ist ein Trend und Selim Say findet, dass dies super zur Markenphilosophie von Keen passe. Dachstein interpretiert "Urban Outdoor" als "Fusion von Mode und Sport". Die Firma Meindl dagegen zeigt sich bewusst traditionell. "Der Berg- und Trekkingschuh ist unsere Kernkompetenz", stellt Verkaufsleiter Stefan Müller fest und ergänzt: "hochwertiges Leder ist Trend". Dem pflichtet Gröger bei: Hanwag setze, bis auf ihr Yakleder, das die Bayern aus einem Entwicklungsprojekt aus Tibet bekommen, ausschließlich auf Leder aus Gerbereien innerhalb der EU.

Aber auch das Luxus-Segment wird bedient, nur kann es von den Schuhherstellern nicht sonderlich beworben werden. So berichtete Lukas Meindl, Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers, dass sie mit einen Schuh im Segment oberhalb ihre Identity Produkte schon nach sehr kurzer Zeit ausverkauft waren. Aber auch das Luxus-Segment Identity lässt sich nicht so schnell produzieren wie es nachgefragt wird. So kann aufgrund der geringen Menge nur eine geringe Zahl von Händlern bedient werden. Dass selbstverständlich Meindl Schuhe auch nach vielen Jahren beim Hersteller zur Reparatur eingeschickt werden, zeigt, wie stark sich ein Kunde mit seinem Schuh identifiziert. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Nachhaltigkeit, das im Handel iimmer wichtiger wird. AKU habe den ersten und bislang einzigen Schuh weltweit mit einer Environmental Product Declaration (EPD): Chromefreies, regionales Leder, Zero-Impact Futter und einem Fußbett aus Bambus mit Kokosaktivkohle. Hanwag baut die Kollektion mit der PFCfreien Eco-Shell Membran Technologie aus. Auch Icebug setzt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus.

Dem Outdoor-Handel werden die Produkte für 2019 auf der kommenden Messe OutDoor in Friedrichshafen von Sonntag, 17. bis Mittwoch, 20. Juni 2018 präsentiert. Die Messe ist nur für den Fachhandel geöffnet.