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Weihnachtsbaum_2016_24-12-16.jpgWeihnachten 2016 

Wohlbedachte Worte in dieser durch Terror und politische Verwerfungen gebeutelte Zeit zu finden, ist schwer. Nahe dieses Weihnachtsbaum sind in Berlin Menschen gestorben, die sich wie wir alle auf die heutige Weihnacht gefreut haben. - Lassen Sie uns, falls Sie heute Andachten in Kirchen besuchen, der durch Mord und Terror Getöteten in den Gebeten gedenken. Hoffen wir alle auf eine friedliche Weihnacht. Uns allen bleibt die Hoffnung, dass im nächsten Jahr unsere Welt wieder ein Stück friedlicher wird.


Knecht Ruprecht

Von drauss’ vom Walde komm ich her;

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor

Sah mit grossen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,

Da rief’s mich mit heller Stimme an:

 

Knecht Ruprecht“, rief es, "alter Gesell,

Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,

Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt’ und Junge sollen nun

Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,

Denn es soll wieder Weihnachten werden!

 

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,

Meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,

Wo’s eitel gute Kinder hat.“ -

 

Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

 

Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern

Fressen fromme Kinder gern.“ -

 

Hast denn die Rute auch bei dir?“

 

Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:

Doch für die Kinder nur, die schlechten,

Die trifft sie auf den Teil den rechten.“

 

Christkindlein sprach:„So ist es recht;

So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

 

Von drauss’ vom Walde komm ich her;

Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!

Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

 

(Theodor Storm 1817-1888, deutscher Schriftsteller)