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Wolf_Welpe_SebastianKoerner_copyright.jpgNiedersachsen unter Wölfen

Alpträume braucht kein Mensch zu haben, wenn einige Wölfe durchs Land streichen. Auch ist nicht zu erwarten, dass Wölfe in Rudeln Menschen durch die Stadt jagen. Das sind immer wieder Filmfantasien aus Abenteuerfilmen, die bei uns Menschen zu Bedenken gegenüber Wildtieren führen. Vor einigen Jahren haben schon Problem-Bären eher bei Politikern zum Stottern geführt als echten Schaden anzurichten. Nun sind aktuell in Deutschland 60 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus den Ergebnissen des vergangenen Monitoringjahr hervor. Bürgerwissenschaflter/innen aus der ganzen Welt haben zum ersten Mal in Deutschland einen Beitrag zu dieser Erkenntnis geliefert.

Im niedersächsischen Untersuchungsgebiet der gemeinnützigen Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions konnte ein Wolfsrudel im Raum Walle jetzt durch genetische Proben erstmals nachgewiesen werden. Gesammelt wurden diese Proben im Sommer 2017 im Rahmen einer einmonatigen Bürgerwissenschaflter-Expedition der Organisation, in Zusammenarbeit mit dem Wolfsbüro des Gut Sunder.

Dabei haben die 49 Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt über 1.100 km Wegstrecke zurückgelegt und sechs Individuen per DNA nachgewiesen; vier davon zum ersten Mal überhaupt. Ferner wurden insgesamt 72 Losungsproben für weitere Analysen gesammelt. Eine dieser Proben lieferte nun den eindeutigen genetischen Beweis für ein Rudel in Walle. Durch die Analysen im Labor wurden außerdem zwei Elterntiere, sowie vier Welpen bestätigt.

Laut Landesjägerschaft, die in Niedersachsen für die Sammlung der Monitoringdaten zuständig ist, sind somit aktuell 19 Wolfsterritorien in Niedersachsen bekannt: Fünfzehn Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und zwei residente Einzelwölfe.

Wolfsberater Peter Schütte und Mitbegründer der Expedition nennt die Ergebnisse „hervorragend“ und ist „sehr positiv überrascht, wie viele Daten die Bürgerwissenschaflter zusammentragen konnten. 72 von rund 400 in im Jahr in ganz Niedersachsen gesammelten Losungsproben ist ein Pfund und zeigt, was man mit motivierten Bürgerwissenschaftlern alles in einem Monat erreichen kann. Dass wir dabei die Probe sammeln, die das Rudel in Walle eindeutig bestätigt, ist natürlich das Tüpfelchen auf dem i“.

Dr. Matthias Hammer, Naturschützer, Biologe und Gründer von Biosphere Expeditions, sagt „das ist genau, das was wir erreichen wollen. Die Zivilgesellschaft einbinden und sensibilisieren und wissenschaftlich belastbare Daten gewinnen, auf deren Basis rationale, nicht emotionale, Entscheidungen im Wolfsschutz in Deutschland getroffen werden können. Gerade in Zeiten von hitzig und emotional geführten Debatten über den Wolf ist es sehr wichtig auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und nicht in Populismus zu verfallen – nicht nur beim Thema Wolf“.

Der Großteil der Teilnehmer kam aus Deutschland, seinen Nachbarländern und Großbritannien. Weitere Teilnehmer kamen aus Nordamerika, Australien und Singapur. Die nächste Wolf-Bürgerwissenschaftler-Expedition findet im Juni/Juli 2018 statt und Menschen aus aller Welt sind wieder zur Teilnahme und Teilhabe eingeladen.