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Schneider_Fibromyalgie 30-04-19.jpgFibro-myalgie

Auf einmal war er da. Mal hier, mal da. Ein Schmerz. Irgendwo im Körper. Nicht immer an der gleichen Stelle. Dann ist er wieder weg. So, wie er gekommen ist. Doch dann kommt es hammerhart. Der Schmerz wird immer stärker.

Der Kopf schmerzt, der Bauch, der Arm, das Bein. Doch eine organische Ursache gibt es nicht. Vielleicht Rheuma? Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom hasten häufig jahrelang von einem Arzt zum nächsten, bis ihre Diagnose feststeht. Heilen lässt sich die Krankheit nicht. Sport kann aber helfen.

Sie sind nicht verrückt. Und sie bilden sich ihren Schmerz nicht ein. Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom (FMS) sind zwar organisch gesund. Dennoch schmerzt ihr Körper an den verschiedensten Stellen: am Rücken, den Armen und Beinen, am Bauch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt das FMS als Krankheit auf. Heilen lässt es sich nicht. Stattdessen müssen die Betroffenen lernen, mit den Schmerzen umzugehen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Bewegung.

In den westlichen Industrieländern leiden rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an dem Syndrom. Meistens trifft es Frauen im mittleren Alter, heißt es in der kürzlich aktualisierten Leitlinie zum FMS, die Ärzten Behandlungsempfehlungen gibt. Die Krankheit setzt in der Regel schleichend ein. „Manche Betroffene hatten schon als Kinder häufiger Schmerzen", sagt Winfried Häuser von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie. Häufig tue am Anfang nur ein Körperteil weh. Nach und nach aber breite sich der Schmerz über den Körper aus.

Der schleichende Verlauf ist ein Grund dafür, dass das Fibromyalgiesyndrom häufig erst nach Jahren diagnostiziert wird. „Bei vielen Betroffenen schmerzt am Anfang das untere Kreuzbein. Dann geht man zum Arzt, bekommt eine Spritze, und das hilft erstmal", sagt Margit Settan, Vorsitzende der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) in Seckach. „Irgendwann werden die Schmerzabstände geringer, die Spritze hilft nicht mehr, und der Schmerz tritt an mehr Körperstellen auf."

Diagnose im Schnitt nach drei bis fünf Jahren

In der Vergangenheit habe es im Schnitt sieben bis neun Jahre gedauert, bis Patienten die Diagnose Fibromyalgiesyndrom bekamen, erklärt Settan. Jahre, in denen sie von einem Facharzt zum nächsten gingen, weil ihnen keiner die Schmerzen nehmen konnte. Heute bekämen Betroffene im Schnitt nach drei bis fünf Jahren die richtige Diagnose.

Damit das noch schneller geht, müssen sich Patienten öffnen. „Beim Fibromyalgiesyndrom ist es besonders wichtig, dass der Patient beim Arzt alle Beschwerden schildert", erklärt Häuser, der am Klinikum Saarbrücken arbeitet. Dazu gehören neben den Schmerzen zum Beispiel auch Schlafstörungen, Erschöpfung oder seelische Beschwerden wie Unruhe und Niedergeschlagenheit.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte den Arzt darauf hinweisen. Die diffusen Schmerzen können eine Nebenwirkung bestimmter Arzneien sein, etwa der weit verbreiteten Cholesterinsenker, sagt Bernhard Arnold von der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Über eine Laboruntersuchung des Blutes lässt sich klären, ob der Schmerz körperliche Ursachen hat und zum Beispiel auf eine rheumatische Erkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion zurückzuführen ist. Das FMS lässt sich durch solche Untersuchungen nicht nachweisen. Der Arzt schließt lediglich aus, dass die Schmerzen andere Ursachen haben.

Ob Samba tanzen oder Walken: Bewegung hilft

Das Fibromyalgiesyndrom ist nicht heilbar. Treten die Schmerzen auf, bleiben sie in der Regel ein Leben lang. Angst vor Invalidität oder einem vorzeitigen Tod müssen Betroffene aber nicht haben. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern: Menschen mit einer leichten Form des FMS empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Bewegung. „Es ist egal, ob die Patienten Samba tanzen, an Fitnessgeräten trainieren oder walken. Wichtig ist, dass sie Spaß dabei haben", sagt Arnold, der an der Schmerztagesklinik am Klinikum Dachau tätig ist. Nur so bleiben sie regelmäßig dabei. Um einen Trainingseffekt zu haben, sollten sich die Betroffenen dauerhaft zwei- bis dreimal pro Woche bewegen.

Bei schweren Formen des FMS rät die Leitlinie ebenfalls zu leichtem Ausdauer-, Funktions- oder Krafttraining und Sportarten wie Tai Chi oder Yoga. Empfehlenswert sei außerdem eine Kombination aus Entspannungstherapie, Ausdauertraining und Verhaltenstherapie. Denn oft hängen körperliche und seelische Beschwerden zusammen. Medikamente werden inzwischen kritischer gesehen. Sie sollen nur zeitlich befristet eingenommen werden.

Die Leitlinie empfiehlt einige physikalische Therapien, etwa Thermalbäder, Fango und Lymphdrainage. Gleiches gilt für eine zeitlich befristete Akupunktur. Andere Behandlungsansätze wie die Laser- und Magnetfeldtherapie, Reiki und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erhalten keine Empfehlung, weil die Wirksamkeit unklar ist oder unerwünschte Nebenwirkungen drohen.

Leitlinien-Empfehlungen beruhen auf den Ergebnissen großangelegter internationaler Studien. Doch nicht zu jeder Therapie liegen aussagekräftige Untersuchungen vor. Winfried Häuser hat deshalb gemeinsam mit Kollegen FMS-Patienten zu Nutzen und Schaden bestimmter Behandlungen befragt. Besonders hilfreich empfanden die Befragten Wärmeanwendungen, Thermalbäder und Schulungsprogramme zum FMS. Als schädlichste Therapie beziehungsweise mit besonders vielen unerwünschten Nebenwirkungen nannten sie Medikamente wie Opioide, Antiepileptika und Antidepressiva sowie die Kältetherapie.

Thomas Schneider konnte es nicht aushalten. Er suchte nach Lösungen. Und ging radikal vor. Frei nach Hypokrates und anderen suchte er die Ursache in seiner Ernährung. Kriminologisch ging er vor und stellte seine Ernährung planvoll um. Zuerst alle möglichen Krankheitserreger entfernen. Dann langsam wieder aufbauen. Ein langwieriger Prozess. Das bedeutet Geduld und Disziplin. Immer mit der Hoffnung verbunden, es könnte gelingen. Und wenn nicht: dann hatte er es wenigsten versucht. Mit seinem Buch „Ich hatte Fibromyalgie“ möchte er vielen kranken Menschen Mut machen, sich ihrer Krankheit zu widmen, um sie zu heilen. Er selber hat es geschafft, seine angeblich nicht heilbare Krankheit zu heilen. Dies ist ohne Wunder geschehen, sondern einfach der Tatsache geschuldet: „Du bist, was du isst.“ Es gibt bei vielen Krankheiten keine Antwort auf die Fragen, woher genau diese kommen, oder „warum gerade ich“. Vielmehr geht es darum, sich bewusst zu werden, was alles falsch gelaufen ist. Dieses Buch zeigt einen Lösungsweg, damit fertig zu werden und diese Krankheiten aus seinem Leben zu verbannen. Es liegt nur an jedem selbst: Der Körper kann sich nur alleine heilen, niemand anderes sonst. Von Sofa runter und raus aus der Komfortzone. Wie so oft im Leben, liegt alles nur an einem selbst. Geht nicht, gib´s nicht.

Thomas Schneider: Ich hatte Fibromyalgie, erschienen im Selbstverlag.