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Landflucht_22-10-18.jpgVölkerwanderung

Noch ist es nicht soweit, dass Familien mit Sack und Pack in die deutschen Städte drängen und ihr angestammtes Zuhause einfach verlassen. Jedenfalls nicht offensichtlich. Denn der Prozess der Urbanisierung findet kontinuierlich statt. Dabei ist es auch nicht so, dass gerade das Stadtzentrum überrannt wird. Eher sind es die Randbereiche. Schon heute versuchen die Kommunen verzweifelt Bauland auszuweisen, um den ständig steigenden Bedarf zu erfüllen. Denn gut bezahlte Arbeitsplätze finden sich nun mal eher in Ballungszentren.

So wird die Großstadt zum Mietermagnet. Aber nicht nur die Landflucht sorgt dann für steigende Mieten. Auch steigende Studentenzahlen lassen Mieten in Leipzig, Dresden und Erfurt um mehr als ein Drittel in die Höhe schnellen. Während die Mietpreise in den Ballungszentren seit 2008 kräftig steigen, bleiben sie in ländlichen Regionen weitestgehend auf unverändertem Niveau. Im 10-Jahresvergleich wurden die Kaltmieten in allen Stadt- und Landkreisen der ostdeutschen Bundesländer analysiert. Die stärkste Preisentwicklung verzeichnet Berlin. Wer in der Hauptstadt wohnt, muss mittlerweile mehr als doppelt so viel Miete (+104 Prozent) zahlen als vor 10 Jahren. Der Quadratmeter kostet aktuell im Median 11,40 Euro. Die Strahlkraft der Bundeshauptstadt reicht bis in den umliegenden Speckgürtel: In den Landkreisen Dahme-Spreewald (+50 Prozent) und Oberhavel (+48 Prozent) haben die Mietpreise ebenfalls kräftig angezogen. Nach Berlin verzeichnen diese beiden Landkreise die zweit- und drittgrößte Steigerung in Ostdeutschland. Mieter müssen für ihre Wohnung in Dahme-Spreewald 9,00 Euro pro Quadratmeter bezahlen, in Oberhavel 8,90 Euro. Damit lebt es sich dort noch deutlich günstiger als in der Hauptstadt. Viele Jobs und das positive Image der Stadt wirken wie ein Magnet auf jährlich tausende Berliner Zuzügler, die den Kampf um bezahlbare Wohnungen zunehmend verschärfen. Grund für viele, sich in den naheliegenden Landkreisen niederzulassen und für den Job in die Großstadt zu pendeln.

Günstige Mieten locken Studenten in den Osten

Neben Berlin erleben derzeit auch weitere Großstädte in Ostdeutschland einen regelrechten Boom. Doch nicht alleine die Zuzügler aus den ländlichen Regionen treiben die Preise in den Ballungszentren in die Höhe. Die vergleichsweise günstigen Mieten und modernen Universitäten lockten in den vergangenen 10 Jahren viele Studenten in den Osten. Mittlerweile macht sich dies auf dem Wohnungsmarkt deutlich bemerkbar: Am stärksten ist die Preissteigerung in Leipzig. Der Quadratmeter kostet aktuell 6,50 Euro - das sind 35 Prozent mehr als 2008. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich in Dresden, Erfurt oder Jena beobachten: Dort sind die Mieten ebenfalls um rund ein Drittel angestiegen. In Jena ist das Preisniveau mittlerweile deutlich erhöht: Eine Wohnung kostet dort 9,00 Euro pro Quadratmeter, was die Stadt zur drittteuersten Ostdeutschlands macht.

Landflucht und Strukturprobleme: kaum Mietpreissteigerung in Sachsen

Das Wohnen, Arbeiten und Leben zentralisiert sich in Ostdeutschland auf die größeren Städte mit guter Infrastruktur, Bildungsangeboten und Jobs. Seit vielen Jahren kämpft besonders das Bundesland Sachsen mit starken Strukturproblemen. Sachsens ländliche Regionen vereinsamen und altern. Die jungen Menschen zieht es wegen der guten Arbeitsmarktsituation in die Großstädte. Die Analyse bestätigt diesen Trend. Während die Städte Leipzig und Dresden steigende Mieten verzeichnen, bleibt die Preisentwicklung in den umliegenden Kreisen fast ganz aus. In 7 sächsischen Stadt- und Landkreisen sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um maximal 10 Prozent gestiegen - ein Wert, der sogar deutlich unter der Inflation von 15 Prozent seit 2008 liegt.

Nicht alle Großstädte vom Preisanstieg betroffen

Während die Mieten in den meisten Großstädten seit 2008 deutlich teurer geworden sind, gibt es Orte, die von dieser Entwicklung ausgenommen sind. In Chemnitz sind die Mietpreise lediglich um 6 Prozent angestiegen. In Rostock lässt sich im 10-Jahresvergleich sogar eine Stagnation der Mietpreise erkennen. Dort zahlen die Mieter 6,80 Euro pro Quadratmeter - und damit genauso viel wie 2008. Trotz guter wirtschaftlicher Lage und einer großen Universität blieb eine Preissteigerung in der Hansestadt aus. Grund könnte die schwankende Bevölkerungsentwicklung sein. Denn lange hatte die Stadt an der Ostsee mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen. Erst seit kurzem erlebt sie wieder einen Aufschwung - der die Mietpreisspirale künftig wieder ankurbeln könnte. Das zeigt sich auch daran, dass neben Plattenbauten vermehrt Neubauten in Warnemünde auf den Markt kommen.

Berechnungsgrundlage

Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in 67 ausgewählten Stadt- und Landkreisen Ostdeutschlands waren alle auf immowelt.de inserierten Angebote. Dabei wurden ausschließlich die Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den Median der jeweils in den ersten Halbjahren 2008 und 2018 angebotenen Mietwohnungen und -häuser wieder. Die Mietpreise spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise.