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Germany___Austria___Switzerland_652669_Oldenburg-Tourismus-und-Marketing-GmbH_Joerg_Hemmen_Kulinarik.jpgGrünkohl-Kult

Es ist schon ein norddeutsches Kultgericht: Grünkohl – oder wie die Braunschweiger sagen, brauner Kohl. Auch für die Harzer bleibt es beim Grünkohl. Doch, egal wohin der Besucher nördlich der Weißwurstgrenze kommt: zu Grünkohl gehört eine echte Bregenwurst, geräuchert oder nicht. Da sind die Geschmäcker verschieden. Bei den Oldenburger wird aus der Bregenwurst „Pinkel“. In Bremen ist auch eine vegetarische Variante erhältlich. Sobald der erste Frost den Grünkohl erreicht hat, kann den geerntet werden. So startet Oldenburg nun mit viel Kohldampf in das neue Jahr: Eigentlich sollte man sich gesünder ernähren, vielleicht sogar vegetarisch, sinnierte einst Komiker Herbert Knebel. „Aber imma bloß Pommes ohne Currywurst – dat is doch auch nix.“ Einen dritten Weg gehen die Oldenburger. Denn zu ihrer Wurst-Spezialität, der „Pinkel“, genießen sie am liebsten leckeren und urgesunden Grünkohl, der mundartlich auch Oldenburger Palme genannt wird. Man sollte die rustikale Note aber nicht mit fehlender Finesse verwechseln. Denn, das kulinarische Abenteuer Grünkohl liefert überraschende, ungewöhnliche, innovative und kreative Erlebnisse.

Dass es in der 165.000 Einwohnerstarken Stadt auch viele Majestäten gibt, hängt ebenfalls mit dem Grünkohl zusammen. Von Januar bis März nimmt er für die Menschen der Region einen besonderen Platz ein. Wenn es draußen frostig und kalt wird, ziehen sich die Oldenburger warm an und machen sich mit einem mit Schnaps und allerlei Spielkram gefüllten Bollerwagen hinaus aufs Land. Es geht auf Kohltour. Das Ziel: ein Gasthaus, wo deftiger Grünkohl mit Kartoffeln und Pinkel, einer geräucherten Grützwurst, angeboten wird. Der trinkfreudige Abend in einem Landgasthaus nimmt einen krönenden Abschluss: Das Grünkohlkönigspaar wird auserkoren. Ihnen wird die Aufgabe zuteil, die nächste Kohlfahrt zu organisieren und zu führen. So lebt eine alte Tradition weiter. Bei der Kohltour als solchen, wird häufig auch der traditionelle Kugelsport Boßeln zum festen Programmpunkt. Dass die einzelnen Teile der Kohlfahrt noch eine wesentlich längere Geschichte haben, lehrt das Online-Studium der Oldenburger Grünkohl-Akademie, etwa im Kohloqium zum "Boßeln": Die älteste bisher gefundene Kugel ist rund 2000 Jahre alt. Und das Kohloqium "Plattdüütsch" leistet einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung, denn es gibt nicht nur Antwort auf die Frage: "Wat is Platt?" Es bietet auch ganz lebensnahe Kurse etwa für die Konversation bei Tisch.

Aber auch die Oldenburger Kaufleute ziehen mit. In den Geschäften der Innenstadt werden allerlei Kohlartikel angeboten – von Rezeptbüchern über Bekleidung bis hin zu den würzig-süßen Grünkohlpralinen, die Chocolatier Christian Klinge kreiert hat. Auf der Internetseite der Grünkohl-Akademie können Einheimische und Auswertige einen Expertenstatus erlangen. Im Botanischen Garten können Gäste etwas über alte Grünkohlsorten und die dortige Grünkohlforschung lernen und ab 2018 rundet ein neues Bier, das „Oldenburger Palmenbräu“ das Angebot ab. Diplombraumeister Josef Herzog der OLs Oldenburger Brauerei hat es unter anderem mit Grünkohl gebraut.

Seit vielen Jahrzehnten setzt Oldenburg den Grünkohl auch in der politischen Lobbyarbeit ein. Ganz unverhohlen nutzen die Oldenburger das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ seit 1956, um bei den Regierenden kräftig Stimmung für Stadt und Region Oldenburg zu machen. Über hundert Kilogramm Kohl und Pinkelwürste werden dafür nach Berlin gekarrt. Und natürlich gibt es auch hier einen Grünkohlkönig zu ehren – Helmut Schmidt trug den Titel, Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel ebenso. Amtierende Monarchin ist Andrea Nahles.

Weitere Infos: www.kohltourhauptstadt.de