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Welterbe_20-02-17.jpgDeutschland - ein starkes Stück Weltkultur 

Deutschland gilt in der Welt als Industrienation. Mit der Völklinger Hütte und der Zeche Zollverein in Essen dokumentieren zwei monumentale Anlagen Stahlgewinnung und Kohleförderung, Wirtschaftszweige, die einst Arbeit und Wohlstand garantierten. Die museale Aufarbeitung der jahrhundertealten Bergbautradition ist im Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar auf beeindruckende Weise gelungen. 1992 wurde das Erzbergwerk mit der Altstadt von Goslar zum Welterbe erhoben. Finanzielle Zwänge, Neid und Missgunst haben in der ehemaligen Kaiserstadt immer wieder verhindert, dass dieses Welterbe entsprechend gewürdigt und entwickelt wurde. Nun ist zu allem Überfluß aufgrund der Idee des zu früh verstorbenen Initiators Reinhard Roseneck auch die Oberharzer Wasserwirtschaft 2010 zum Welterbe ernannt worden. Die Kaiserstädter und die Oberharzer wollten nicht so richtig zusammen finden. Die dörflichen Querelen gingen weiter und weiter; nicht unbedingt zum Nutzen des Welterbes. Denn das stand zwischendurch auch auf der Kippe. Dem jetzigen Stiftungsleiter Gerhard Lenz ist es schon teilweise gelungen, die dörfliche Streitkultur um das Welterbe zu beseitigen. Dabei ging es um Dinge, die kein Mensch braucht: Diskussionen um Dinge, die zum Tagesgeschäft der Stiftung gehören, was wann und wie mit Fördermitteln ausgestattet wird. Sei es drum. Im Schneckentempo bewegt sich das flächenmäßig große Welterbe langsam in eine auch touristisch vermarktbare Richtung. Denn die wahrsten Sinne des Wortes weltbewegenden Entwicklungen wie z.B. das Drahtseil an der Bergakademie (jetzt TU) Clausthal sowie die verschiedenen Zwischenstadien dorthin, die Nutzung der Wasserkraft und vieles mehr sind eine Reise zu den Oberharzern wert.

Aber auch andere Welterbestätten laden ein. Rund 6000 Jahre liegen zwischen den Pfahlbauten am Bodensee und den Siedlungen der Berliner Moderne. Und doch sind beide eng verknüpft – in einem Netz von 41 UNESCO-Welterbestätten, das sich über ganz Deutschland spannt.

Vom Kölner Dom über die Essener Zeche Zollverein bis zur Lutherstadt Wittenberg. Die deutschen Welterbestätten stehen für kulturelle Vielfalt. Sie alle sind auf ihre Art einmalig – so einzigartig und bedeutsam, dass die UNESCO sie wie die Pyramiden von Gizeh oder die Chinesische Mauer zum Erbe der Menschheit zählt. Dabei sind es nicht nur herausragende Bauten, die ein beredtes Zeugnis von der Vergangenheit ablegen. Naturdenkmäler wie die Fossilienlagerstätte Grube Messel, das Wattenmeer oder die Alten Buchenwälder gewähren tiefe Einblicke in die Erdgeschichte oder beleuchten beeindruckende Naturphänomene.

Andere Landschaften verdanken ihr Gepräge dem gestalterischen Eingriff des Menschen. Dafür steht das obere Mittelrheintal mit seinen Burgen und den terrassenförmig angelegten Weinbergen ebenso wie der Muskauer Park an der Grenze zu Polen oder das im Rokoko entstandene Gartenreich des Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Gartenbau und Architektur harmonieren ebenso prächtig bei dem Ensemble in Sanssouci und den Schlössern Augustusburg und Falkenlust in Brühl.

Die prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen dokumentieren eine Siedlungsform, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Die Römer haben mit Amphitheater und Thermen nicht nur in Trier ihre Spuren hinterlassen, ihr Limes zieht sich auf einer Strecke von rund 550 Kilometern Länge vom Rhein bis Bayern. An rund 80 Stationen wird heute für Besucher die Grenze des Imperium Romanum auf packende Weise inszeniert. Die Ambition Karls des Großen, der ein neues Rom realisieren wollte, spiegelt sich wiederum im Aachener Dom mit seiner fast 1000-jährigen Baugeschichte. In der Karolingerzeit entstand die Königshalle in Lorsch, wo sich eines der bedeutendsten Klöster Europas befand. Dass der Glaube nicht nur Berge versetzt, sondern im Mittelalter Monumentales schuf, zeigt gleich eine Fülle von Sakralbauten. Die Klosteranlagen auf der Insel Reichenau und in Maulbronn stehen dafür ebenso wie die Dome in Speyer, Hildesheim und Köln. Als jüngste Welterbestätte hat sich die Reichsabtei Corvey seit 2014 in diese Runde dazugesellt.

Bamberg, Regensburg, und Quedlinburg erlangten im Mittelalter als politische Zentren große Bedeutung. Noch immer präsentiert sich in ihren Altstädten historischer Bestand als geschlossenes Ensemble. Das gilt auch für Bremen, Lübeck, Wismar und Stralsund, die der Handel reich machte. Bürgerstolz und die Blüte der Hanse zeigt sich dort an historischen Rathäusern und glanzvollen Fassaden.

Der Geist des Reformators Martin Luthers ist in Wittenberg, Eisleben und auf der Wartburg lebendig. Vom Geburtshaus bis zur Schlosskirche, wo der Anschlag der Thesen erfolgte, lassen sich Stationen eines Lebens, das die Welt veränderte, nachvollziehen.

Weltliche Macht inszeniert sich im Absolutismus und im Barock besonders prunkvoll in Residenzen und prächtigen Gärten. Dabei zeigen der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe, die Preußischen Schlösser in Potsdam, die Fürstbischöfliche Residenz in Würzburg oder das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wie unterschiedlich die Spielarten sein können. Sakrale Kunst jener Epoche versammelt die Wieskirche im Pfaffenwinkel in verschwenderischer Fülle.

Die Weimarer Klassik machte Epoche. An den Wirkungsstätten von Goethe, Schiller und Herder bleibt die Erinnerung an ein herausragendes Kapitel der Geistesgeschichte lebendig, auf den die Kulturnation ihr Selbstverständnis als Land der Dichter und Denker gründet.

Weitere Infos unter www.unesco-welterbe.de