Strom auf dem Wasser

Auf dem Land ist die Elektromobilität schon etwas voran gekommen. Auch auf dem Wasser bei Motor- und Segelbooten versucht die Bootsbranche den nächsten Schritt nach vorn wie während der Cannes Yachting Festival präsentiert wurde.

Elektrischer Antrieb

Axopar, Frauscher und einige andere Anbieter von Motorsportbooten haben ihre Lösungen schon während verschiedener anderer Messen vorgestellt. Das Thema ist wohl weiter aktuell, wird aber nicht so sehr in den Focus gestellt. Die Herausforderung bei Sportbooten sind so massiv, dass das Thema erst einmal für den reibungslosen täglichen Gebrauch audgearbeitet werden muss. Bei Segelbooten scheint es nun zu einer Allianz gekommen zu sein. Die Groupe Beneteau und die Groupe Fountaine Pajot präsentieren auf dem Cannes Yachting Festival eine neue Etappe ihrer strategischen Partnerschaft zur Elektrifizierung des Bootssports. Ihr im April angekündigtes 50/50-Joint-Venture zielt darauf ab, Fachwissen, Entwicklungsbemühungen und Produktionsvolumina zu bündeln, um standardisierte, wettbewerbsfähige Elektrifizierungslösungen anzubieten, die der gesamten Bootsbranche offenstehen. Ziel ist es, bis 2030 zur Elektrifizierung von 10 bis 15 Prozent des globalen Segelbootsmarktes beizutragen. Auf Nachfragen schränkten sie ein, dass sie diese Zahlen auf den Markt von neuen Booten beziehen. In Cannes gaben die beiden Partner einen Überblick über den aktuellen Stand des Projekts und heben dabei drei wesentliche Entwicklungen hervor: eine eigene Führungsstruktur, die Bestätigung von JOOOL als Marke für technische Lösungen sowie die Ausweitung der Anzahl der beteiligten Boote und Werften.

Präsident des neuen Unternehmens ernannt

Die Groupe Beneteau und die Groupe Fountaine Pajot geben die Ernennung von Philippe Hamon zum Vorsitzenden ihres gemeinsamen Unternehmens bekannt. Mit fast dreißig Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie, insbesondere bei Valeo, war er in einer Branche tätig, die durch Elektrifizierung, Standardisierung von Komponenten, gemeinsame Plattformen und groß angelegte Industrialisierung geprägt ist. Seine Aufgabe wird es sein, das Wachstum des Unternehmens, die Strukturierung des Produktangebots und dessen Einführung bei einer wachsenden Zahl von Marken und Modellen voranzutreiben. Die beiden Partner haben JOOOL als einheitliche Marke für die von Elektra Marine vermarkteten Lösungen bestätigt. JOOOL vereint Antrieb, Energiespeicherung, -umwandlung und -management sowie Schnittstellen und Dienstleistungen in einer Plattform, die sich an unterschiedliche Bootsgrößen und Einsatzzwecke anpassen lässt. Dieses Angebot baut auf einer soliden technologischen und betrieblichen Grundlage auf: 28 Jahre Erfahrung in der Elektrifizierung von Booten, über eine Million Betriebsstunden auf See, 44 Hybridsegelboote, die auf fünf Kontinenten unterwegs sind, und mehrere Werften, die die Technologie bereits einsetzen. „Mit JOOOL fangen wir nicht bei Null an. Wir bauen auf bewährten Lösungen auf, um ein robustes, standardisiertes und skalierbares Angebot zu schaffen. Fünf Monate nach der Bekanntgabe unserer Partnerschaft mit der Groupe Fountaine Pajot legen wir nun einen Gang zu: eine eigene Führungsstruktur, eine einheitliche Marke und eine gemeinsame Plattform für elektrischen Antrieb und Energieautarkie an Bord. Die Herausforderung besteht nun darin, die Voraussetzungen für die Ausweitung der Elektrifizierung im Schiffsbau zu schaffen“, stellte Bruno Thivoyon, Vorstandsvorsitzender der Groupe Beneteau fest. Und weiter führte Mathieu Fountaine, stellvertretender Geschäftsführer der Groupe Fountaine Pajot aus: „Unsere Überzeugung ist klar: Die Dekarbonisierung des Bootssports kann nur dann in großem Maßstab umgesetzt werden, wenn wir über einzelne Initiativen hinausgehen. Wir haben mit der Elektrifizierung unserer eigenen Boote praktische Erfahrungen gesammelt; die Herausforderung besteht nun darin, diese Erfahrungen für ein gemeinsames Ziel zu nutzen. Gemeinsam mit Elektra Marine und Joool wollen wir dazu beitragen, eine neue Generation von Lösungen mitzugestalten, die Maßstäbe für die gesamte Bootsbranche setzen können.“

Offene Plattform

Sicherlich ist es der richtige Ansatz und Weg, für die gesamte Branche den Zuggang zur elektrischen Plattform zu schaffen, weil die Anzahl der Boot im Vergleich zur Automobilbranche eher übersichtlich ist. Mit der Etablierung ihrer Führungsstruktur, der Stärkung ihrer Marke und der schrittweisen Erweiterung ihrer Anwendungsbereiche tritt die Partnerschaft nun in eine Phase der operativen Umsetzung ein. Joool hat sich zum Ziel gesetzt, den Herstellern eine gemeinsame technische Grundlage zu bieten, die an ihre Modelle und Anwendungsbereiche angepasst werden kann, und dabei zu helfen, die Entwicklung der Elektrifizierung im Schiffsbau zu strukturieren. In Cannes präsentieren die Groupe Beneteau und die Groupe Fountaine Pajot zudem aktuelle Informationen zu ihren jeweiligen Roadmaps. Die Lösungen von Joool decken verschiedene Elektrifizierungskonfigurationen ab – sowohl im Nieder- als auch im  Hochspannungsbereich – auf der Grundlage gemeinsamer technischer Bausteine.

Joool stützt sich bereits auf 19 Kundendienstzentren weltweit, um Bootsbauer und Nutzer langfristig zu unterstützen. Dank der Konnektivität an Bord, die Satelliten- und Mobilfunknetze über ein sicheres Gateway kombiniert, kann das System aus der Ferne überwacht werden, sobald das Boot über eine Verbindung verfügt. Der Kundendienst kann Statusberichte und Alarme einsehen, Parameter und historische Daten analysieren,
bestimmte Einstellungen ändern und Software-Updates bereitstellen – so kann er die Besatzung oder einen lokalen Partner unterstützen und, sofern es die Situation zulässt, das System wieder in Betrieb nehmen, ohne dass ein Vor-Ort-Einsatz erforderlich ist.