Die Digitalisierung ist in unserem Alltag angekommen. Doch immer noch gibt es Old School. Beim Erlangen des Führerscheins wäre das im Vergleich zum heutigen Procedere ein riesiger Vorteil, meint luckx – das magazin.
Führerscheinklassen
Es liegt schon lange Zeit zurück, wo die deutschen Führerscheinklassen gerade einmal 5 waren. Überschaubar einfach: Moped, Trecker, Auto, Motorrad und LKW. Dazu gab es dann noch eine Sonderprüfung für Omnibusse. Heute sind es 16 bzw. 17. Darüber hinaus gab es 440 Fragen zum Verkehrsgeschehen für die theoretische Prüfung. Heute sind es 1.170; also fast das dreifache. Das macht die Prüfung und vor allem das Verkehrsverständnis nicht einfacher. Außerdem hat diese Klassenzersplitterung auch dazu geführt, dass es beispielsweise erheblichen Mangel an Berufskraftfahrer gibt. Denn wer will schon tausende Euro für jeweils drei verschiedene Führerscheine ausgeben, um dann den spannenden, aber wenig angesehen und minder ertragreichen Beruf zu erlernen.
Jetzt wird zusätzlich nach einer Lösung für 3,5 Tonnen Fahrzeuge gesucht, um diese mit Elektroantrieb auszustatten. Denn wie wir alle wissen, benötigt so ein Fahrzeug etwa eine Tonne Batterien, um überhaupt vom Fleck weg zu kommen. Das schränkt das Transportvolumen dramatisch ein. Mit der früheren Klasse 3 für PKW können diese Führerscheininhaber Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren. Mit dem heutigen Führerschein nur bis 3,5 Tonnen. Weitsicht und Bürgernähe sieht anders aus.
Fahrschulen und Automobilverbände sind gegen Veränderungen
Fahrschulen und Prüforganisationen sprechen sich strikt gegen eine Vereinfachung der Führerscheinprüfungen aus. Mit der Reform sollen die Pflichtfahrten und die Prüfungsdauer reduziert werden. Das kommt nicht gut an, weil damit auch die Einnahmen geringer ausfallen. Zwar wird mehr Transparenz und digitale Modernisierung begrüßt. Doch die Forderungen nach Erhalt der Qualitätsstandards bei Theorieunterricht, einer möglichen Reduzierung der Sonderfahrten sowie die Unterstützung von Mama und Papa bei privaten Übungsfahrten wird nicht gern gesehen. Das Ziel der Reform wird nicht in Abrede gestellt und sich einem moderneren, digitaleren und bezahlbareren Erwerb des Pkw-Führerscheins positiv betrachtet. Mehr Transparenz bei Fahrschulpreisen und Bestehensquoten, digitale Lernangebote in der Theorieausbildung, eine Flexibilisierung der Sonderfahrten, kürzere praktische Prüfungen sowie eine Experimentierklausel für private Übungsfahrten mit nahestehenden Personen sollen verankert werden. Zwar wird das Ziel, die Kosten für den Führerscheinerwerb zu senken unterstützt. Denn für junge Menschen, Auszubildende und Menschen im ländlichen Raum ist der Führerschein häufig Voraussetzung für Mobilität, Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig wird davor gewarnt, notwendige Ausbildungsqualität zugunsten kurzfristiger Kostensenkungen zu schwächen. Häh? Heute ist der Führerschein ein Luxusgut, der schon den Start bei der Teilhabe am Verkehrsgeschehen erheblich reduziert. Wenn 3 und mehr tausende von Euro schon in die Voraussetzung investiert werden müssen, bleibt kaum noch Geld für die Anschaffung eines Fahrzeuges. Oder, es kommt ein günstiges, zwar oberflächlich verkehrstüchtiges Exemplar vor die Haustür. Doch besonders bei diesen Fahrzeugen in einem gesegneten Alter bleibt meist wenig mit Verkehrstauglichkeit übrig. Hier wird wieder einmal zu kurz gesprungen. Und ein Neuwagen, der vielleicht auch der Automobilindustrie gut beim Absatz helfen würde, ist ganz zu schweigen.
Preistransparenz wie im Einzelhandel?
Schon seit Jahren besteht Auszeichnungspflicht bei Lebensmittel. Nicht nur der Preis pro Kilogramm muss angegeben werden. Auch die Inhaltsstoffe sind Pflicht. Und bei Fahrschulen sucht man heute immer noch nach Transparenz. Die vorgesehene Veröffentlichung von Fahrschulpreisen und Bestehensquoten sowie transparente Darstellung der Kostenbestandteile kann Fahrschülern helfen, Angebote besser zu vergleichen und realistische Gesamtkosten einzuschätzen. Auch statistische Angaben zu Erfolgsquoten können eine sinnvolle Orientierung bieten.
Schülerinnen und Schüler haben trotz Corona und mangelnder Lehrerqualifikation gelernt, mit digitalen Medien umzugehen. So ist der Theorieunterricht künftig weitgehend oder vollständig digital zu absolvieren für sie überhaupt kein Nachteil. Auch digitale Medien zeigen mit gut gemachten Videos von Fahrlehrern, dass der Spaß beim Lernen nicht zu kurz kommt. Digitale Lernangebote ergänzen als die Fahrausbildung sinnvoll und machen sie flexibler. Ob das reicht, wird spätestens in der theoretischen und praktischen Prüfung abgefragt. Doch gute Fahrlehrer schaffen es bei den Übungsfahrten, fehlende Kompetenzen zu vermitteln. Ob überhaupt Sonderfahrten bei Nacht, (Regen, Sonnenschein), Autobahnen und Landstraßen sinnvoll sind, bleibt wohl weiterhin ein Geheimnis der Fahrlehrer.
Im Übrigen sollten wir nun erst einmal starten. Wenn es dann nicht funktioniert, lässt sich immer noch nach einiger Zeit nachsteuern.