Wurde geliefert?

Mit „We Deliver“ wollte die Nutzfahrzeugindustrie ihre Leistungs- und Innovationsfähigkeit in Hannover beweisen. Doch konnte sie auch liefern? Luckx – das magazin war in Hannover vor Ort.

Elektromobilität auf dem Vormarsch?

Mit extrem teuren Elektrofahrzeugen möchten die Nutzfahrzeugherstellern die Branche revolutionieren. Doch es fehlt weiterhin an der notwendigen Ladeinfrastruktur. Zwar hat die Bundesregierung über die NOW GmbH den Versuch gestartet, mehr Ladesäulen an den Autobahnen zu installieren. Doch bisher ist es nur eine Ausschreibung und ein Plan. Einige tausend E-Zapfsäulen sollen demnächst gebaut werden. Doch die Branche benötigt mehrere zehntausend dieser Ladeinfrastruktur. Dabei ist mit heute nicht geklärt, wie der Strom an die Zapfsäule kommt. Allein wenige LKWs benötigen einen Strombedarf einer Kleinstadt, um nach einer kurzen, oder längeren Pause beispielsweise über Nacht, den Transport fortzusetzen. Und wer darf zuerst an die Ladesäule fahren? Ein Ampelsystem und andere Bedingungen sollen den Zugang regeln. Also, alles noch nicht realitätskonform. Denn heute fehlen für LKWs zehntausende Parkplätze, um die vorgeschriebenen Lenk- und Pausenzeiten einzuhalten. Und ausweichen auf Parkplätze neben der Autobahn stellt die Fahrer vor erheblichen Schwierigkeiten. Parken verboten erfahren ist überall.

Innovative Lösungen in den Technologien gefordert

Auch wenn einige Batteriehersteller davon schwärmen, dass die künftigen Batterien leichter werden und mehr Energie speichern können, müssen LKW heute und künftig viele Tonnen Batteriespeicher mit transportieren. Die fehlen dann bei der Ladekapazität. Und bekanntermaßen sollen die maximalen Transportgewichte auf keinen Fall erhöht werden, weil schon jetzt die deutsche Infrastruktur zu zerbrechen droht. Mehrere tausend Brücken sind marode; Autobahnen müssen auch aus Gründen der Kriegstüchtigkeit verstärkt werden. Und Wasserstoff als auch Methanol werden von der Elektrolobby weiterhin diskreditiert. Es fehlen Batteriespeicher, um die erzeugte Energie vorzuhalten. Dabei werden täglich Millionen Euro für freidrehende Windkraftwerke den Betreibern überwiesen, ohne deren Strom auch nur im geringsten zu nutzen. So haben wir eigentlich genug Strom, um daraus Wasserstoff und schließlich Methanol zu gewinnen. Ja, es stimmt. Für diese Energien wird ein Mehrfaches im Vergleich zum Strom benötigt. Doch diese Energie lassen sich deutlich besser speichern. Eingeschränkt für Wasserstoff. Doch bei Methanol, der wie Benzin gelagert und transportiert werden kann, lässt sich die Versorgung bundesweit sicherstellen. Hier ist nur etwas Willen gefragt. Die Technik existiert auch in großen Formaten.

Politik ist gefordert

So oder ähnlich sieht es auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller: Industrie hat geliefert, Politik ist gefordert. „Die Nutzfahrzeugindustrie steht für innovative Technologie, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze – allein rund 140.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Gleichzeitig kommt ihr eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur klimaneutralen und digitalen Mobilität der Zukunft zu: Knapp 30 Prozent der CO₂-Emissionen auf Europas Straßen werden durch den Schwerlastverkehr verursacht. Das Potenzial ist also enorm. Auf der IAA TRANSPORTATION zeigen die Aussteller in diesem Jahr, dass unsere Industrie geliefert hat: Die Produkte für die klimaneutrale Mobilität stehen bereit und sind einsatzfähig. Wir haben mit Investitionen und Innovationen die gesamte Bandbreite an technologischen Möglichkeiten entwickelt“, betonte sie bei ihrem Eröffnungsstatement. Und weiter: „Was jetzt fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen für den notwendigen Hochlauf. Europaweit mangelt es noch immer an Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur mit den begleitenden Energienetzen. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist riesig. Dabei ist diese Infrastruktur die zwingend notwendige Voraussetzung dafür, dass unsere Produkte auch wirklich auf die Straße kommen“. Weiter machte sie deutlich: „Netzanschlüsse für das Depotladen dauern vielerorts Jahre – die Stromnetze sind nicht ausreichend auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet. Das zeigt: Brüssel setzt ambitionierte Ziele, vernachlässigt aber die dafür notwendigen Rahmenbedingungen. Die Politik steht in der Bringschuld: Wir brauchen einen Infrastruktur-Turbo und eine realistische Bestandsaufnahme in Deutschland und Europa. Das EU-Review der CO₂-Flottenregulierung für die Nutzfahrzeuge muss dringend vorgezogen werden und Raum für notwendige Anpassungen und Flexibilisierungen schaffen. Die Industrie ist bereit: Sie hat innovative und klimafreundliche Lösungen entwickelt und steht für den weiteren Hochlauf bereit. Jetzt kommt es darauf an, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen – allen voran eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit den begleitenden Stromnetzen. Die drohenden Strafzahlungen sind hingegen das falsche Signal – sie gefährden Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung. Zudem gilt: Strafzahlungen für Probleme, die nicht von uns zu verantworten sind, lehnen wir ausdrücklich ab. Unsere Unternehmen brauchen Verlässlichkeit entlang der gesamten Investitionskette, damit die Transformation zum Erfolg für Wirtschaft, Klima und Gesellschaft wird.“

Internationale Rekordbeteiligung

Mit 1.589 Ausstellern aus 46 Ländern verzeichnete die diesjährige IAA einen neuen Höchststand bei der internationalen Beteiligung. Damit ist die Zahl der vertretenen Länder gegenüber der Veranstaltung im Jahr 2024 von 41 auf 46 gestiegen. Besonders stark vertreten unter den ausländischen Ausstellern sind in diesem Jahr Unternehmen aus China, der Türkei und Italien. Die hohe internationale Beteiligung unterstreicht die Bedeutung der Messe als weltweit führende Plattform für die Transport- und Logistikbranche und als zentraler Treffpunkt für Unternehmen, Innovationstreiber und Entscheider aus aller Welt.