Ebbe und Flut

So mancher Nordseebesucher hat vergeblich das Meer gesucht. Es war einfach weg. Genauer: weggelaufen! Und irgendwann war es wieder da. Ursache für diesen Gezeitenwechsel ist der der um die Erde kreisende Mond. Wie das funktioniert, hat luckx – das magazin noch einmal in alten Schulbüchern gekramt.

Wassermanagement

Die Gezeiten, also Ebbe und Flut, sind das regelmäßige Steigen und Fallen des Meeresspiegels, das hauptsächlich durch die Anziehungskraft des Mondes verursacht wird. Die Flut ist das ansteigende und die Ebbe das sinkende Wasser. Beide dauern jeweils ca. 6 Stunden. Der Unterschied zwischen diesem beiden Wasserstände beträgt an der deutschen Nordseeküste ca. 3 Meter. Die Ursache liegt in der Mondgravitation: Die Anziehungskraft des Mondes zieht das Wasser der Weltmeere an und erzeugt einen Flutberg auf der mondzugewandten Seite. Auf der abgewandten Seite der Erde entsteht durch die Bewegung im System ebenfalls ein Flutberg. Da sich die Erde dreht, erlebt jeder Küstenort zweimal am Tag Hochwasser und zweimal Niedrigwasser. Aber das ist noch nicht alles, was wir dazu wissen sollten. Denn die Sonne wirkt ebenfalls mit. Stehen Sonne, Erde und Mond in einer Linie (bei Voll- oder Neumond), verstärken sich die Kräfte und es entsteht eine besonders hohe Flut (Springtide). Im rechten Winkel (bei Halbmond) schwächen sie sich ab (Nipptide). Dazu kommt dann noch der Klimawandel, der für einen höheren Wasserstand sorgt. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, die Küsten zu schützen und mehr Raum für Ebbe und Flut zu schaffen. Das geschieht an der Unterelbe, wo das natürliche Wassermanagement in den kommenden Jahren ausgebaut, Nebengewässer und natürliche Wasserlandschaften sollen wiederbelebt und damit ein maßgeblicher Beitrag zum Hitze- und Hochwasserschutz geleistet wird. Die Bundesregierung fördert das Vorhaben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) mit rund 12 Millionen Euro. Der Unterlauf der Elbe ist ein einzigartiger natürlicher Lebensraum und die größte von Gezeiten geprägten Flussmündung Deutschlands.

Küstenschutz

Um diese Flussmündung zu schützen – übrigens eine der größten in Europa – sind Überflutungsflächen erforderlich. Doch durch die politischen Entscheidungen in den letzten Jahrzehnten ist diese Flussmündung stark verändert worden. Durch Deiche sind viele Überflutungsflächen verlorengegangen. Nebenarme der Elbe wurden abgetrennt und die Fahrrinne für die Schifffahrt vertieft. Der Natur soll jetzt wieder mehr Raum gegeben werden. Damit wird die Widerstandsfähigkeit dieser Naturräume gegenüber Dürre, Hitze und Hochwasser verbessert, das Wasser wieder in der Landschaft gehalten und damit die Vorsorge vor extremen Folgen des Klimawandels verbessert.

Das rund 2.825 Hektar große Fördergebiet liegt im Elbeästuar, dem von Ebbe und Flut geprägten Mündungsbereich der Elbe, am Westufer der Unterelbe zwischen Wischhafen und dem Asseler Sand. Das Elbeästuar bildet den Übergang zwischen dem Flussökosystem der Elbe und dem Küstenökosystem des Wattenmeers. Ästuare sind von den Gezeiten geprägte Flussmündungsbereiche, in denen Fluss- und Meerwasser aufeinandertreffen. Dort entstehen vielfältige, an diese besonderen Bedingungen angepasste Lebensräume. Ziel des Projekts ist es, die für das Ästuar typischen Lebensräume zu erhalten, zu verbessern und auszuweiten. Kern der Maßnahmen ist die Wiederherstellung einer naturnahen Tidedynamik, sodass Ebbe und Flut Teile des Fördergebietes wieder stärker prägen können. Dazu gehören unter anderem die Wiederanbindung von Prielen und Nebengewässern, die Revitalisierung von Gewässern, die Entwicklung artenreicher Grünland-Wasserlandschaften sowie Pilotprojekte für ein naturnahes Wassermanagement. Damit wird auch ein wichtiger Beitrag zur Wiederherstellung der Natur nach der EU-Wiederherstellungsverordnung geleistet.

Elbeästuar

Das Elbeästuar ist das größte Ästuar Deutschlands und Heimat zahlreicher, an die besonderen Verhältnisse angepasster Tier- und Pflanzenarten, darunter der weltweit nur an der Unterelbe vorkommende Schierlings-Wasserfenchel und die für das Elbeästuar charakteristische, seltene Elbe-Schmiele. Gleichzeitig gehören Ästuare zu den Lebensräumen, die besonders stark durch menschliche Eingriffe verändert wurden. Das Bundesumweltministerium (BMUKN) unterstützt mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz Maßnahmen, die Klimaschutz mit der Schaffung und Stärkung vielfältiger Ökosysteme verbinden. Wälder und Auen, Böden und Moore, Meere und Gewässer wie auch naturnahe Grünflächen in besiedelten Gebieten binden Kohlenstoff aus der Atmosphäre und speichern ihn langfristig. Sie wirken zudem als Puffer gegen Folgen der Klimakrise, indem sie Starkregen und Hochwasser aufnehmen und bei Hitze für Abkühlung sorgen. Zugleich erhalten sie unsere Lebensgrundlagen, bieten wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, speichern Wasser und sind Rückzugsorte für Menschen.