Lernprobleme

Die Ergebnisse der letzten PISA-Studie stellen für 15-jährige Schülerinnen und Schüler ein schlechtes Bild aus. Gern wird in diesem Zusammenhang vor einer wachsenden Bildungskrise in Deutschlands Schulen gewarnt. Luckx – das magazin schaute genauer hin.

Mindeststandards

Laut aktuellen Studien verfehlen immer mehr Kinder die Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen – teilweise kann inzwischen fast jeder dritte Jugendliche grundlegende Aufgaben nicht sicher lösen. Viele Kinder kommen bereits mit deutlichen Defiziten in die Schule und das System schafft es immer seltener, diese auszugleichen. Zwar scheitern viele Kinder heute nicht an Intelligenz. Sie scheitern daran, dass ihnen grundlegende Fähigkeiten wie Konzentration, Sprache, Ausdauer und Frustrationstoleranz immer früher fehlen. So entstehen die Schwierigkeiten bereits früher. Nicht nur schlechte Noten oder schwache Testergebnisse gehören in den Mittelpunkt der Diskussion, wenn über Bildungsprobleme gesprochen wird. Denn bevor ein Kind lesen, schreiben oder rechnen lernen kann, braucht es Fähigkeiten, die Lernen überhaupt erst möglich machen. Dazu gehören Konzentration, Ausdauer, Sprachverständnis, Selbststeuerung und die Fähigkeit, bei einer Aufgabe zu bleiben, auch wenn sie nicht sofort gelingt. Genau diese Grundlagen geraten bei immer mehr Kindern unter Druck. Wer nicht zuhören, starten oder dranbleiben kann, wird selbst mit guten Lernmaterialien Schwierigkeiten haben. Mehr Stoff allein löst dieses Problem nicht. Denn Lernen ist nicht nur Kopfsache. Ein Kind muss zuerst erreichbar sein: im Kopf, im Körper und im Nervensystem. Bildung darf deshalb nicht erst beim Ergebnis ansetzen. Sie muss früher beginnen – bei Fokus, Sprache, Selbststeuerung, innerer Stabilität und der Fähigkeit, Herausforderungen auszuhalten.

Grenzen werden früher erreicht

Kinder wachsen heute in einer deutlich komplexeren Umgebung auf als noch vor einigen Jahren. Reize sind nahezu permanent verfügbar, Informationen wechseln im Sekundentakt und Aufmerksamkeit wird ständig gefordert. Viele Kinder kommen dadurch nicht mehr richtig zur Ruhe. Der Kopf ist voll, bevor Lernen überhaupt beginnt. Gleichzeitig stehen viele Familien unter Belastung. Eltern möchten ihre Kinder bestmöglich unterstützen, bewegen sich jedoch oft selbst zwischen Beruf, Alltag und zahlreichen Anforderungen. Auch Lehrkräfte müssen heute weit mehr auffangen als nur Lernstoff. Die Anforderungen an Kinder, Eltern und Schulen wachsen damit gleichermaßen. Die Folgen zeigen sich häufig schon früh: Manche Kinder verlieren schnell die Konzentration, andere geben bei Fehlern rasch auf oder finden nur schwer zur Ruhe. Viele wirken dann unmotiviert, obwohl sie innerlich schlicht überfordert sind. Dadurch werden die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen zunehmend erschwert.

Druck löst das Problem nicht unbedingt

In der Bildungsdebatte wird häufig über zusätzliche Unterrichtsstunden, mehr Tests oder höhere Leistungsanforderungen diskutiert. Doch solche Maßnahmen greifen oft zu kurz, wenn die Grundlage für das Lernen fehlt. Ein voller Kopf lernt nicht leichter. Wer innerlich blockiert ist, braucht nicht nur mehr Aufgaben, sondern zuerst wieder Zugang. Wer bei jedem Fehler sofort aussteigt, braucht nicht zuerst mehr Druck, sondern wieder Erfolgserlebnisse. Kinder müssen erfahren, dass sie Herausforderungen bewältigen können. Erst dadurch entstehen Motivation, Selbstvertrauen und die Bereitschaft, dranzubleiben. Konzentration ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie muss aufgebaut und geübt werden. Das gilt ebenso für Ausdauer, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, was Kinder lernen sollen, sondern wie sie wieder in einen Zustand kommen, in dem Lernen überhaupt möglich wird.

Stress, Überforderung, Unruhe

Lernen ist immer ein Zusammenspiel von Körper, Gehirn und Emotionen. Wer gestresst, überfordert oder innerlich unruhig ist, kann Informationen deutlich schlechter aufnehmen. Umgekehrt fällt Lernen leichter, wenn Kinder Sicherheit erleben, kleine Erfolgserlebnisse sammeln und ihre Aufmerksamkeit gezielt steuern können. Deshalb rücken Ansätze in den Fokus, die nicht beim nächsten Arbeitsblatt beginnen, sondern beim Kind selbst. Der Blick ist auf das Zusammenspiel von Gehirn, Körper und Nervensystem zu richten. Durch spielerische Bewegungsaufgaben, Wahrnehmungsübungen, Gleichgewicht, Rhythmus und kleine Erfolgserlebnisse sollen Kinder wieder leichter Zugang zu Fokus, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen finden. Kinder scheitern, weil ihnen die Grundlagen fürs Lernen immer früher wegbrechen: Konzentration, Sprache, Ausdauer, Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, bei einer Sache zu bleiben, sind nicht entwickelt.

Grundlagen ausbilden

Bildungsmangel ist in Deutschland ist real. Gleichzeitig zeigt er, dass die Lösung nicht allein in mehr Stoff, mehr Tests oder mehr Druck liegen kann. Wenn Kinder ihre Aufmerksamkeit steuern, Frustrationen besser aushalten und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, entstehen die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen überhaupt erst. Nicht mehr Druck, sondern mehr Grundlage. Nicht nur mehr Stoff, sondern mehr Zugang. Denn Bildung beginnt nicht erst im Klassenzimmer. Sie beginnt dort, wo Kinder erleben: Ich kann etwas schaffen, auch wenn es nicht sofort klappt. Genau dieses Erleben brauchen Kinder heute wieder stärker.