Wir können uns anscheinend gar nicht mehr dagegen wehren, von Maschinen bestimmt zu werden. Wenn wir den PC oder das Mobiltelefon benutzen, wird uns schon über die sogenannte KI bestimmt, was wir tun sollen. Auch beim Reisen „sind wir dieser Planung ausgeliefert“, wie luckx – das magazin recherchierte.
Reiseplanung
Schon beim Öffnen der Suchmaschine springt gleich die künstliche Intelligenz ins Auge. Jedenfalls meine einige, das dem so wäre. Dabei ist es nur eine Abfolge von bestimmten Schritten, die bei einer Eingabe der Daten erfolgt. So trifft dies auch denjenigen, der eine Reise plant. Seltener erfolgt die Planung wie zu früheren Zeiten mit einem Katalog auf dem Sofa. Was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, ist 2026 Alltag geworden und verändert nicht nur die Art, wie Reisende Entscheidungen treffen, sondern auch, wie Hotels mit ihren Gästen kommunizieren (müssen), um sichtbar zu bleiben und Vertrauen aufzubauen.
Aus einer Befragung von weltweit 40.000 Konsumenten und mehr als 8.000 Hoteliers wurde ein sprunghafte Anstieg der KI-Nutzung in der deutschen Reiseplanung deutlich. Fast ein Drittel der Befragten in Deutschland (32 Prozent) greift mittlerweile auf KI-gestützte Tools zurück, wenn es um die Planung von Urlaubsreisen geht. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 entspricht das einem Wachstum von 72 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Besonders bemerkenswert ist die Breite dieser Entwicklung. Zwar führen die Generation Z mit 62 Prozent und die Millennials mit 46 Prozent die Nutzungsstatistiken an; doch das stärkste Wachstum verzeichnen die älteren Generationen. Die Babyboomer steigerten ihre KI-Nutzung für Reisebuchungen laut der Studie um 106 Prozent, die Generation X um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Buchungsverhalten
Die Frage nach dem Warum ist vielschichtig. Am Ende steht aber immer dasselbe Bedürfnis nach Orientierung in einer überfordernden Informationsfülle. Laut der Studie empfinden 70 Prozent der KI-Nutzer soziale Medien als frustrierend, weil sie dort von Werbung, Influencer-Inhalten und gesponserten Beiträgen überflutet werden. In diesem Kontext bieten KI-Tools eine willkommene Abkürzung. Zusätzlich integrieren immer mehr Anbieter KI direkt in ihre Plattformen, um ein nahtloses Erlebnis von der Inspiration bis zur Buchung zu gewährleisten. Neben dem KI-Trend lässt sich eine zweite, eng damit verwobene Entwicklung beobachten. Das Buchungsverhalten wird spontaner. Reisende entscheiden häufiger Last Minute, reagieren stärker auf aktuelle Faktoren wie Wetter oder Verfügbarkeit und vergleichen Angebote in Echtzeit. Die Suche nach Reisen beginnt immer öfter über digitale Kanäle wie Suchmaschinen, Buchungsplattformen, soziale Netzwerke und eben KI-Chats. Wer heute auf TikTok einen Ort entdeckt, der ihn anspricht, kann nur Stunden später dort eine Unterkunft gebucht haben. Inspiration, Vergleich und Buchung liegen manchmal nur Minuten auseinander.
Auffindbarkeit für Destillationen und Anbieter
Für Tourismusbetriebe stellt sich in diesem Umfeld die drängende Frage, wie die eigene Website auffindbar bleibt, wenn Reisende ihre Planung zunehmend über KI-Tools abwickeln, die keine klassischen Suchergebnisse mehr liefern, sondern direkte (und oft kaum nachverfolgbare) Empfehlungen aussprechen. Erste KI-Agenten sind bereits in der Lage, vollständige Reisepläne zu erstellen. Wer in diesen Systemen nicht sichtbar ist, existiert für einen wachsenden Teil potenzieller Gäste schlichtweg nicht. Viele Hoteliers haben diese neue Realität bereits erkannt. Laut Adyen-Report glauben 55 Prozent der deutschen Unterkunftsanbieter, dass KI-Suchwerkzeuge die Branche grundlegend verändern werden.
Zwischen den großen Studienzahlen und den konkreten Erfahrungen an der Rezeption liegt allerdings oft eine Diskrepanz. Green Pearls, die Organisation von Ökohotels, hat daher seine Partnerhotels gefragt, was sie in ihrem Alltag tatsächlich an verändertem Buchungsverhalten und dem Einsatz von KI beobachten und wie sie auf etwaige Veränderungen reagieren.
Unverbindlichkeit
Seit der Pandemie registrieren die beiden veganen Südtiroler Schwesterhotels Paradiso Pure.Living und LA VIMEA einen deutlichen Wandel, der durch die wirtschaftliche Unsicherheit in Europa in den vergangenen zwei Jahren noch an Fahrt aufgenommen hat. Der Anteil kurzfristiger Buchungen sei deutlich gestiegen, berichten die Teams der beiden Hotels. Gäste planen weniger langfristig, bevorzugen stattdessen Flexibilität und entscheiden je nach Lage, Wetter und persönlicher Stimmung. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer verkürzt. Beide Hotels sehen darin keine Laune des Zeitgeists, sondern eine Reaktion auf reale Bedingungen wie wirtschaftliche Unsicherheit, veränderte Arbeitssituationen und ein generell gewachsenes Bedürfnis, sich möglichst wenig festzulegen. Für die Häuser bedeutet das, in ihrer Kommunikation und Angebotsgestaltung noch mehr Wahlfreiheit zu signalisieren.
Ähnliche Erfahrung berichten auch andere Hotels. Seit Corona haben sich die Buchungsgewohnheiten fundamental verändert. Gäste buchen ohne lange Vorplanung und am liebsten mit Stornogarantie bis zur Anreise; ein Wunsch, den viele kleinere Betriebe nicht erfüllen können, ohne ihr wirtschaftliches Fundament zu gefährden. Alles laufe digital ab, persönliche Anrufe seien zur Ausnahme geworden. Anfragen würden gleichzeitig an Dutzende Hotels geschickt, ohne persönliche Bindung an ein Haus. Das ist die Schattenseite der neuen Buchungskultur. Vergleichbarkeit und Effizienz aus Gastsicht, aber auch eine Entpersonalisierung, die dem Geist echter Gastfreundschaft zuwiderläuft.