Autofahrer und sonstige Interessierte hatten schon auf luckx – das magazin gelesen, wann der halbjährliche Reifenwechsel erfolgen sollte. Die Faustregel „von Oktober bis Ostern“ hilft dabei. Doch gesetzlich vorgeschrieben ist sie allerdings nicht. Was weiter zu beachten ist, dabei sollen die nächsten Zeilen helfen.
O-bis-O-Regel
Diese praktische Orientierung hilft beim Wechsel auf Winterreifen. Von Oktober bis Ostern sollten sich diese auf dem Fahrzeug befinden. Aber rechtlich bindend ist diese Regel jedoch nicht. In Deutschland gilt vielmehr die sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet: Winterreifen sind immer dann vorgeschrieben, wenn Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte herrschen. Wer bei solchen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen unterwegs ist, riskiert Bußgelder, Punkte in Flensburg und unter Umständen auch Probleme beim Versicherungsschutz.
Auch die deutsche Gerichte habe dazu schon eindeutige Entscheidungen getroffen. So entschied das Amtsgericht Mannheim, dass es in puncto Versicherungsschutz auf den Einzelfall ankommt: Ein Autofahrer war Ende Oktober mit Sommerreifen auf einer Brücke mit einem anderen Fahrzeug kollidiert. Zwar herrschten Temperaturen bis minus sieben Grad und zwei Tage zuvor hatte es geschneit, doch zum Unfallzeitpunkt konnten keine winterlichen Straßenverhältnisse festgestellt werden. Deshalb musste der Mann auch nicht mit Glätte rechnen. Seine Versicherung musste den Schaden regulieren (Az.: 3 C 308/14). Anders kann es ausgehen, wenn man mit Sommerreifen in ein Skigebiet im Hochgebirge fährt. Passiert dann ein Unfall, liegt grobe Fahrlässigkeit vor, die eine Haftung der Versicherung ausschließen kann (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Az.: 3 U 186/02).
Alpine-Symbol
Seit Oktober 2024 reichen Reifen mit der früher verbreiteten M+S (Matsch und Schnee)-Kennzeichnung allein nicht mehr aus. Als wintertauglich gelten nur Reifen mit dem Alpine-Symbol – einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Dieses Zeichen bestätigt, dass der Reifen festgelegte Anforderungen an die Wintertauglichkeit erfüllt. Das gilt sowohl für klassische Winterreifen als auch für Ganzjahresreifen. Bei Ganzjahresreifen bliebt zu prüfen, ob das Alpine-Symbol vorhanden ist. In Deutschland haben wird keine festen Termine, wann Winterreifen aufzuziehen sind. Als Empfehlung gilt, sobald die Temperaturen dauerhaft unter etwa sieben Grad Celsius liegen, sollte gewechselt werden. Denn Sommerreifen verlieren bei Kälte an Haftung, weil ihre Gummimischung verhärtet. Umgekehrt verschleißen Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen schneller und verlängern den Bremsweg. Wer rechtzeitig wechselt, profitiert deshalb nicht nur von mehr Sicherheit, sondern schont auch seine Reifen.
Nur mit Profil und Luftdruck
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe laut Straßenverkehrsordnung beträgt zwar lediglich 1,6 Millimeter. Für eine gute Haftung bei Nässe und Schnee sollte es jedoch deutlich mehr sein. Winterreifen sollten möglichst nicht unter vier Millimeter Profil abgefahren werden. Auch Sommerreifen bieten mit mehr Profil spürbare Sicherheitsreserven, insbesondere bei starkem Regen, wenn das Risiko von Aquaplaning steigt.
Nicht nur die Profiltiefe, auch der Reifendruck sollte regelmäßig kontrolliert werden. Ist er zu niedrig, steigt der Rollwiderstand und damit der Kraftstoffverbrauch. Den Reifendruck sollten Autofahrer regelmäßig prüfen. Früher hieß es, bei jedem vierten Tanken. Da heute weniger gefahren wird, sollte spätesten alle zwei Monate der Reifendruck kontrolliert werden. Insbesondere vor längeren Fahrten und bei voller Beladung ist die Druckkontrolle erforderlich. Die Angaben finden sich meist an der Innenseite der Fahrertür, an der B-Säule, im Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung. Wichtig: Der empfohlene Reifendruck sollte nicht eigenmächtig überschritten werden. Wer den saisonalen Reifenwechsel zum Anlass nimmt, den Reifendruck zu kontrollieren, kann damit also nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch unnötigen Kraftstoffverbrauch vermeiden – angesichts der aktuellen Preise eine lohnenswerte Kontrolle. Ach ja, wer einen Kfz-Anhänger sein eigen nett, sollte vor jeder Fahrt den Reifendruck kontrollieren. Bei der Abfahrt sieht der Reifen noch rund aus. Doch der Anhänger ist meist unbeladen, wenn die Reise losgeht. Und wenn das gute Stück unterwegs beladen wird, ist kein Prüfgerät zur Hand. Und wenn der Reifen platt ist, fängt die Sucherei nach einem Prüfgerät an. Wer nun meint, bis zur nächsten Tankstelle reicht es schon, täuscht sich. Bis dahin kann der Reifen erheblichen Schaden genommen haben oder er ist schon von der Felge gerutscht.
Selber Reifen wechseln
Selber Reifenwechseln ist keine Raketenwissenschaft. Wer über das nötige Werkzeug verfügt und Erfahrung hat, kann den Reifenwechsel grundsätzlich selbst erledigen. Wichtig sind ein sicherer Stand des Fahrzeugs, das korrekte Anzugsdrehmoment der Radschrauben und eine anschließende Kontrolle des Reifendrucks. Nach etwa 50 bis 100 gefahrenen Kilometern sollten die Radschrauben erneut überprüft und gegebenenfalls nachgezogen werden. Wer unsicher ist oder keine geeignete Ausrüstung besitzt, ist in einer Fachwerkstatt besser aufgehoben.