Jeder hofft, nicht zum Pflegefall zu werden. Und dann kommt es schneller als gedacht. Dazu kommt noch, dass fast alle das Risiko kennen und was passiert: Nichts. Wie die Deutschen auf so eine Situation vorbereitet sind, versucht luckx – das magazin herauszufinden.
Pflegebedürftigkeit
Die Gefühle der Deutsche im Bezug darauf, selbst einmal zum Pflegefall zu werden, sind schon sehr gemischt. Eigentlich möchte sich niemand damit auseinandersetzen. Warum auch? Meist trifft es ja „die Anderen“. Und wenn dann die Frage nach der Vorbereitung auf eine Pflegesituation kommt, fühlen wir uns auch schlecht abgesichert. Trotz allem ist die Pflegebedürftigkeit als drängendes Thema längst im Alltag der Menschen in Deutschland angekommen: So haben 59 Prozent der Bevölkerung bereits persönliche Erfahrung mit dem Thema Pflege – sei es durch Beobachtung im eigenen Umfeld (36 %) oder weil sie selbst einen Angehörigen gepflegt haben (23 %). Und doch klafft zwischen Risikobewusstsein und tatsächlicher Vorsorge eine erschreckende Lücke. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 2.015 Personen.
Was Menschen im Pflegefall am meisten fürchten, ist nicht in erster Linie der finanzielle Verlust – sondern der Verlust ihrer Selbstständigkeit. 69 Prozent nennen die Abhängigkeit von anderen als ihre größte Sorge, noch vor der persönlichen finanziellen Belastung (47 %) und körperlichen Schmerzen (38 %). Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung – auch im Alter – steht damit klar im Mittelpunkt.
Wissen ohne Handeln
Die Kosten einer Pflegebedürftigkeit sind vielen Menschen durchaus bewusst: 41 Prozent schätzen den monatlichen Eigenanteil realistisch auf 3.000 Euro oder mehr. Gleichzeitig fühlen sich 67 Prozent für den Fall von Pflegebedürftigkeit finanziell schlecht oder sehr schlecht abgesichert – 28 Prozent davon sogar sehr schlecht. Und dennoch: Nur 9 Prozent der Befragten haben eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. 57 Prozent sehen dafür aktuell „keine Notwendigkeit“ und verlassen sich stattdessen mehrheitlich auf die gesetzliche Pflegeversicherung und Sozialleistungen (56 %) – obwohl diese die tatsächliche Kostenlücke bei Weitem nicht schließt. Schon jetzt liegt der Eigenanteil für einen stationären Pflegeplatz im Bundesdurchschnitt über 3.300 Euro monatlich. Allein diese Kosten können sich über die Jahre zwischen 150.000 und 300.000 Euro bewegen, je nachdem, ob die Pflege zuhause oder vollstationär in einem Pflegeheim stattfindet.
Betreutes Wohnen als Zukunftsmodell
Auch das Wunschbild für die eigene Pflegesituation hat sich gewandelt: Fast die Hälfte der Befragten (47 %) wünscht sich betreutes Wohnen mit Unterstützung durch Dritte bei Bedarf – weit vor der Pflege durch Angehörige zuhause (24 %) und dem Pflegeheim (14 %). Pflege und Wohnen im Alter werden damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema, das weit über die Versicherungsbranche hinausreicht.
Die Studie zeigt auch: Persönliche Erfahrung ist der stärkste Auslöser für Vorsorge. Von denjenigen, die eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen haben und Pflege im eigenen Umfeld erlebt haben, geben 45 Prozent an, dass genau diese Erfahrung ihre Entscheidung beeinflusst hat. Knapp die Hälfte der Menschen, die Pflegebedürftigkeit einmal hautnah erlebt haben, kommen ins Handeln. Persönliche Erfahrung kann also ein Auslöser sein – aber sie darf nicht die Voraussetzung für Vorsorge sein. Denn viele andere Befragte haben Pflegebedürftigkeit in ihrem Umfeld erlebt und handeln trotzdem nicht. Genau dort müssen wir früher ansetzen.
Menschen brauchen Beratung
Besonders aufschlussreich ist der Befund zur Beratungssituation: 61 Prozent der Menschen ohne Pflegezusatzversicherung wurden noch nie – weder von ihrer Bank noch von einem Versicherungsvermittler – auf das Thema Pflegevorsorge angesprochen. Weitere 23 Prozent haben gar keinen festen Ansprechpartner für Finanzfragen. Die Deutschen sind beim Thema Pflegevorsorge noch ohne professionelle Beratung – obwohl der Bedarf längst da ist. So benötigen Menschen eine fundierte, individuelle Pflege-Beratung. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur finanziellen Selbstbestimmung der Menschen geschaffen. Darüber hinaus erhalten sie einen Mehrwert für einen der wohl wichtigsten Lebensabschnitte, den wir alle früher oder später erleben werden.
Über die Studie
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden 2.015 Personen im Zeitraum vom 09.-11.09.2026 befragt. Die Erhebung ist repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren (quotiert nach Alter, Geschlecht und Region).