Wir Menschen sind schon eine komische Spezie. Wir machen nicht das, was Forschungsinstitute uns immer Voraussagen möchten. Das betrifft auch unser Reiseverhalten. Wie der Sommer 2026 nun verlaufen ist, hat luckx – das magazin recherchiert.
Buchungsverhalten, Reisetrends und Urlaubsziele
Die Frage stellt sich immer wieder, was von Wirtschaftsprognosen zu halten ist. Seit längerer Zeit wird uns immer wieder erzählt, die Wirtschaftssituation sei katastrophal und Deutschland wird wohl bald auf Hilfe aus Griechenland, Italien und Frankreich angewiesen sein. Okay, das haben wir von luckx – das magazin uns ausgedacht und bewusst überspitzt formuliert. Wir waren und sind weiterhin der Ansicht, dass unsere Bundesrepublik über eine starke und robuste Wirtschaft verfügt. Wir können uns Millionen Arbeitslose und auch eine AFD leisten. Beides wird reduziert bzw. verschwindet aus der Parteienlandschaft. Das war schon immer so, wenn die aktuelle Regierung nicht weiterhin Entscheidungen gegen die Wirtschaft und besonders gegen die Bürger dieses Landes trifft. Dazu gehört auch, dass Prognosen nicht weiterhin gewürfelt werden, sondern sich an den realen Situationen orientiert. Außerdem sind Prognosen kein „Wünsch Dir Was“ à la Trump. Wer sich die Reiseanalyse von FUR der letzten 50 Jahre anschaut, wird eine kontinuierliche Entwicklung feststellen. Und doch gibt es immer wieder einzelne Ereignisse, die sich aus bestimmten Entscheidungen begründen lassen. So konnte dieses zuerst ein Frühbucher-Boom festgestellt werden. Danach gab es dann eine Zeit des Abwartens. Und schließlich führten Trumps Kriege zur Verunsicherung. Daraus resultierte dann ein Überangebot, was wiederum zu starker Last-Minute-Nachfrage führte. So buchten fast 30 % der Reisenden kurzfristig.
Analyse
Reiseveranstalter sind deshalb schon in der Pflicht, das Reiseverhalten engmaschig zu analysieren. So hat auch DERTOUR, Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter, erneut das Buchungs- und Reiseverhalten seiner Gäste analysiert. Betrachtet wurden dabei die Sommermonate Juni bis Ende September 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. So starteten die Buchungen für den Sommerurlaub 2026 zunächst mit einer sehr starken Frühbucherphase. Ende 2025 und Anfang 2026 lagen die Buchungseingänge mehrheitlich über dem Vorjahresniveau. Mit Beginn des Krieges im Iran Ende Februar setzte eine spürbare Verunsicherung und Zurückhaltung ein, die sich klar in der Buchungskurve abzeichnete. Mit Öffnung der Flugdrehkreuze im Nahen Osten zog die Nachfrage Anfang Mai deutlich an. Ab Anfang Juni mündete diese Entwicklung in eine starke Last-Minute-Nachfrage, die deutlich über dem Vorjahresniveau lag. „Geopolitische Entwicklungen und wirtschaftliche Unsicherheiten schufen ein anspruchsvolles Umfeld für den Reisesommer 2026. Viele Reisende verschoben ihre Urlaubsplanung zunächst und buchten später als im Vorjahr. Dadurch gewann Last Minute im Sommer spürbar an Bedeutung. Insgesamt erreichte die Nachfrage zwar nicht das hohe Niveau des Vorjahres, Urlaub blieb jedoch für viele Menschen eine hohe Priorität. Nicht fehlende Reiselust, sondern eine phasenweise Zurückhaltung bei Reiseentscheidungen prägte das Reiseverhalten im Sommer 2026″, erklärt Boris Raoul, CEO DERTOUR Deutschland und Österreich.
Flugengpässe blieben aus
Im Zuge der geopolitischen Spannungen rückten auch mögliche Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den Luftverkehr in den Fokus. Dabei wurde öffentlich intensiv diskutiert, ob die zeitweilige Blockade der Straße von Hormus die Treibstoffversorgung beeinträchtigen und zu Flugengpässen führen könnte. Dieses Szenario bestätigte sich nicht: Abgesehen von zeitweisen Einschränkungen an Drehkreuzen im Nahen Osten stand im Sommer ein umfangreiches Flugangebot zur Verfügung. In einer typischen Sommerferienwoche umfasste es bei DERTOUR 2026 durchschnittlich rund 5.300 Abflüge und damit mehr als im Vorjahr, als es rund 4.700 Abflüge waren. „Das Flugangebot blieb während des gesamten Sommers auf einem hohen Niveau. Die üblichen nachfragebedingten Anpassungen der Fluggesellschaften führten zu keinem Zeitpunkt zu Engpässen“, erklärt Boris Raoul. Die enorme Frühbucherphase führte wahrscheinlich auch zur Schaffung von weiteren Flugkapazitäten. So fielen die Flugpreise entgegen den üblichen Trend von Woche zu Woche, je näher der geplante Reisetermin rückte. Der Anteil von Last-Minute-Reisen stieg an.
Die im Frühjahr einsetzende Zurückhaltung bei Reiseentscheidungen spiegelte sich in einem veränderten Buchungsverhalten wider. Last Minute gewann im Sommer deutlich an Bedeutung: Der Anteil der Reisen mit einem Buchungsvorlauf von höchstens 50 Tagen vor Abreise stieg um 2,5 %-Punkte auf 28,5 %. Rund 60 % dieser Last-Minute-Buchungen wurden sogar erst innerhalb der letzten 28 Tage vor Reisebeginn getätigt. Gleichzeitig blieb die langfristige Urlaubsplanung wichtig: Frühbuchungen mit mehr als 150 Tagen Vorlauf stellten mit einem Anteil von 39 % (-1 %-Punkt) erneut die größte Buchungskategorie dar. Der Anteil der mittelfristigen Buchungen mit einem Vorlauf von 51 bis 150 Tagen sank leicht von 34 % auf 32,5 % (-1,5 %-Punkte).
Wer buchte wie
Besonders ausgeprägt war die Spontaneität bei Einzelreisenden: Fast jede zweite Reise dieser Gruppe (49 %) wurde höchstens 50 Tage vor der Abreise gebucht. Der Anteil stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 %-Punkte. Mehr als zwei Drittel der Last-Minute-Urlaube der Solo-Reisenden wurden sogar erst in den letzten vier Wochen vor Reisebeginn (68 %) gebucht. Auch bei Familien gewann Last Minute an Bedeutung. Der Anteil kurzfristig gebuchter Sommerreisen stieg um 3 %-Punkte auf 28,5 %. Damit buchten Familien sogar häufiger Last Minute als andere Reisekonstellationen wie Paare (23,5 %). Dabei erfolgten rund 61 % der Last-Minute-Buchungen von Familien sogar erst innerhalb der letzten 28 Tage vor Reisebeginn. Auch beim Alter zeigten sich deutliche Unterschiede im Buchungsverhalten: Der Last-Minute-Anteil sank mit zunehmendem Alter kontinuierlich, von 36 % bei den 18- bis 34-Jährigen über 30 % bei den 35- bis 49-Jährigen und 25 % bei den 50- bis 64-Jährigen auf 21 % bei Reisenden ab 65 Jahren.
Urlaubsklassiker, Impulse, Naturerlebnisse und Set-Jetting
Die Top 5 der beliebtesten Reiseziele des Sommers 2026 bleiben unverändert: Die Türkei verteidigt ihre Spitzenposition und bleibt das weltweit meistgebuchte Reiseziel der deutschen DERTOUR-Gäste. Dahinter folgen wie im Vorjahr Spanien, Griechenland, Deutschland und Ägypten. „Gefragt sind vor allem Destinationen, die hohe Qualität, gute Erreichbarkeit und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis verbinden. Besonders die Türkei und Ägypten profitieren zusätzlich von ihrem starken All-inclusive-Angebot und modernen Hotelanlagen, die insbesondere bei Familien, aber auch bei vielen anderen Zielgruppen beliebt sind“, sagt Sven Schikarsky. Während die Türkei ihr hohes Niveau hält und Ägypten leicht zulegt, verzeichnen Spanien und Deutschland Rückgänge. Griechenland bewegt sich weitgehend auf Vorjahresniveau. Das stabile Ranking zeigt: Bewährte Urlaubsklassiker bleiben für viele Reisende die erste Wahl.
Auch abseits der Top 5 setzen einige Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke Akzente. Österreich behauptet sich dank einer starken Last-Minute-Nachfrage auf Vorjahresniveau, Polen und Großbritannien legen zu. Polen punktet mit preisattraktiven Ostseeangeboten und neuen Hotels mit modernen Wellnessbereichen. Großbritannien profitiert vom anhaltenden Trend zu Natur- und Erlebnisreisen sowie vom sogenannten Set-Jetting.
Kein Trend zu Coolcation
Die ungewöhnlich hohen Temperaturen des Sommers 2026 haben das Reiseverhalten der DERTOUR-Gäste nicht spürbar verändert. „Coolcation bleibt ein viel diskutiertes Thema. Zwar entwickelten sich einzelne nordische Reiseziele besser als der Gesamtmarkt, insgesamt erkennen wir in unseren Buchungsdaten jedoch keinen breiten Trend hin zu kühleren Destinationen. Der klassische Badeurlaub in warmen Regionen blieb das dominierende Urlaubsmotiv“, sagt Sven Schikarsky.
Luxussegment zeigt bemerkenswerte Stabilität
Während die Gästezahlen insgesamt hinter dem Vorjahr lagen, blieb die Nachfrage nach Luxusreisen nahezu konstant. Damit entwickelte sich das Segment deutlich stabiler als der Gesamtmarkt. „Auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld bleiben Luxusreisende ihrem Anspruch an Qualität, Komfort und besondere Erlebnisse treu“, sagt Sven Schikarsky. Diese Entwicklung deckt sich mit den Ergebnissen der DERTOUR Travel Trend Reports: Viele Reisende legen Wert auf weniger, dafür aber hochwertigere und besonders prägende Erlebnisse.