Er hat überhaupt nicht gebohrt!

Menschen haben unterschiedliche Angstzustände entwickelt: Angst vor Spinnen, vor Hunden, vor Schlangen; auch vor dem Zahnarzt. Sicherlich können wir vielen Dingen aus dem Weg gehen. Doch wie sich die Bedenken vor einer Zahnbehandlung ausräumen lassen, hat luckx – das magazin recherchiert.

Zahnbehandlungsangst vermeiden

Viele Menschen fürchten den Zahnarzt. Doch wer aus Angst Termine immer wieder verschiebt, riskiert mehr als Zahnschmerzen. Eine aktuelle Studie zeigt: Je größer die Zahnbehandlungsangst, desto häufiger bleiben Karies unbehandelt, Zähne fehlen oder es besteht ein höherer Bedarf an parodontaler Behandlung. Zwar kennen viele Mitmenschen ein mulmiges Gefühl vor dem Zahnarzt. Kritisch wird es, wenn die Angst so stark ist, dass Menschen notwendige Untersuchungen und Behandlungen meiden. Eine ausgeprägte Zahnbehandlungsphobie – auch Dentalphobie genannt – gilt als anerkanntes Krankheitsbild. Die gute Nachricht: Angst lässt sich überwinden. Vertrauen, klare Absprachen und das Gefühl, die Kontrolle zu behalten, sind dabei entscheidend.

Wie verbreitet Zahnbehandlungsangst ist, zeigt die Studie. In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen berichten 26 Prozent davon, bei den 65- bis 74-Jährigen sind es 23 Prozent. Stark ausgeprägte Angst bis hin zur Phobie betrifft etwa 9 Prozent der jüngeren Erwachsenen und jüngeren Seniorinnen und Senioren. Viele Betroffene meiden den Zahnarzt ganz.

Angst und Vermeidung

Mit jedem verschobenen Termin verschlimmert sich das Problem. Kleine Schäden bleiben unbehandelt, Beschwerden nehmen zu, der Therapiebedarf steigt – und damit auch die Angst vor dem nächsten Besuch. Je stärker die Zahnbehandlungsangst, desto mehr unbehandelte Karies und fehlende Zähne gibt es. Auch der Bedarf an parodontaler Behandlung steigt, fortgeschrittene Parodontitis tritt häufiger auf. Die Studie belegt zwar keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung, doch die Ergebnisse passen zum bekannten Muster: Angst führt oft zur Vermeidung von Zahnarztbesuchen. Klar ist, wer Termine aus Angst immer wieder verschiebt, verschlimmert die Situation. Der erste Schritt ist entscheidend – und der kann ein Gespräch sein. Die Auslöser der Angst sind vielfältig. Manche Menschen haben schlechte Erfahrungen gemacht, andere fürchten Schmerzen oder haben Angst vor der Betäubungsspritze. Viele empfinden den Kontrollverlust auf dem Behandlungsstuhl als belastend. Hinzu kommen konkrete Reize: Laut Techniker Krankenkasse fürchten 33 Prozent die Vibration des Bohrers, 31 Prozent sein Geräusch. 28 Prozent erschreckt der Anblick der Betäubungsspritze, 24 Prozent der Bohrer selbst. Angst ist keine bewusste Entscheidung – aber sie lässt sich überwinden.

Was hilft?

Der wichtigste Schritt: die Angst nicht verschweigen, am besten schon bei der Terminvereinbarung. So kann sich das Praxisteam darauf einstellen. Klare Absprachen schaffen zusätzlich Sicherheit. Patient und Zahnarzt können ein Stoppsignal vereinbaren, Behandlungsschritte vorab besprechen und Pausen einplanen. Ruhiges Atmen, Muskelentspannung oder vertraute Musik helfen ebenfalls. Entscheidend sind positive Erfahrungen: Die Angst wird ernst genommen, Absprachen werden eingehalten, Pausen sind jederzeit möglich. Der Patient spürt, dass er die Kontrolle behält. Bei starker Angst oder Dentalphobie kann eine psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Besonders bewährt hat sich die Verhaltenstherapie, bei der Betroffene sich schrittweise angstauslösenden Situationen nähern.

Psychisches Wohlbefinden und körperliche Gesundheit hängen eng zusammen. In diesem Zusammenhang wird von biopsychosozialen Medizin gesprochen. Das zeigt sich auch im Zahnarztstuhl: Schon moderate Zahnbehandlungsangst geht mit schlechterer Mundgesundheit einher. Bei starker Angst und Phobie ist der Zusammenhang noch deutlicher. Der Weg zurück in die Praxis muss nicht mit einer Behandlung beginnen. Ein Gespräch, das Kennenlernen der Praxis oder eine erste Untersuchung können ausreichen. Entscheidend ist nicht, die Angst sofort zu besiegen – entscheidend ist der erste Schritt.