Ob mit eigenem Auto oder mit Leihwagen: Bei Fahrten im Ausland erwarten uns immer wieder andere Gegebenheiten. So etwas ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Doch nach den ersten Erfahrungen schärft es auch den Blick für die Fahrt im eigenen Land, meint luckx – das magazin.
Gefährliche Situationen
Fast jeder zweite Autofahrer (47 %) sieht mangelnde Kenntnisse der lokalen Verkehrsgewohnheiten als möglichen Auslöser gefährlicher Situationen im Straßenverkehr. So jedenfalls ergeht es Autofahrern, die eine Reise mit dem Auto im Ausland unternehmen. Deshalb ist eine gute Vorbereitung für die erste Fahrt besonders wichtig. Autofahrer informieren sich in der Regel über Geschwindigkeitsbegrenzungen, Mautgebühren oder Parkgebühren in den Ländern, die sie besuchen möchten. Aber nur wenige machen sich Gedanken über Unterschiede in den Verhaltensregeln im Straßenverkehr. So befolgen Menschen aus verschiedenen Ländern oft ungeschriebene Regeln, um vor Gefahren zu warnen, Dank auszudrücken, sich zu entschuldigen oder Vorfahrt zu beanspruchen. Auch wenn die meisten dieser Regeln universell erscheinen mögen, variiert ihre Bedeutung von Land zu Land. Auch in Deutschland gibt es eine eigene Verkehrsetikette, vom gesetzlich festgelegten „Reißverschluss-Einfädeln“ bis hin zu Bußgeldern für beleidigende Gesten wie das Zeigen des Mittelfingers. Für Einheimische mögen diese Gepflogenheiten selbstverständlich sein, aber was passiert, wenn deutsche Autofahrer in den Sommerferien ins Ausland fahren?
Verkehrskultur
Eine Studie ergab, dass 47 % der Autofahrer ein mangelndes Verständnis der lokalen Verkehrskultur als einen Faktor identifizieren, der zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen kann, während 33 % von ihnen angeben, dass dies manchmal zu riskanten Situationen führen kann. Nur 10,9 % sind der Meinung, dass dies keine Gefahr darstellt, und 8,5 % sind sich unsicher. Wie unterscheiden sich also die Verkehrsregeln und die Verkehrskultur in Europa, und was sollte man wissen, bevor man sich auf eine Reise begibt? Deshalb kann dasselbe Signal in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bedeutungen haben. Obwohl Autofahrer in ganz Europa im Straßenverkehr mithilfe von Fernlicht, Warnblinker, Handzeichen und der Hupe kommunizieren, variiert deren Bedeutung je nach Land. Dasselbe Signal kann in einem Land als höfliche Geste gelten, in einem anderen hingegen als aggressive Geste. In Rumänien beispielsweise ist das Blinken fast schon eine eigene Sprache. Während Rumänen Lichter für übliche Warnungen oder als Aufforderung zum Ausweichen nutzen, kann das Blinken auch als Gruß zwischen Kollegen dienen (wenn zwei Lkw- oder Taxifahrer aneinander vorbeifahren) oder sogar Bewunderung ausdrücken, wenn ein seltenes oder außergewöhnliches Auto gesichtet wird. Gleichzeitig kann ein langes, aggressives Blinken als Ersatz für einen Schimpfwort dienen, das an einen Fahrer gerichtet ist, der gerade jemanden unhöflich geschnitten hat.
Signale
Das genaue Gegenteil aggressiver Lichtsignale findet sich im Vereinigten Königreich, wo das Blinken mit Fernlicht fast ausschließlich eine Geste der Höflichkeit und Zusammenarbeit ist. Ein weiteres in ganz Europa verbreitetes Signal ist die Hupe, die im Allgemeinen für unmittelbare Gefahren reserviert ist. In vielen Ländern wird die Hupe benutzt, wenn die Geduld zu Ende geht – eine laute Art, einen anderen Fahrer dazu zu drängen, weiterzufahren. In ländlichen Gebieten Kroatiens, Rumäniens und Frankreichs kann ein kurzer „Piep“ jedoch einfach „Hallo, Nachbar!“ bedeuten. In Spanien hupen die Menschen, wenn sie Freunde oder Familienmitglieder auf der Straße erkennen. In Frankreich oder Portugal ist es völlig normal, bei der Ankunft am Haus eines Freundes zu hupen, anstatt zu klingeln. Im Gegensatz dazu betrachten britische Autofahrer unnötiges Hupen im Allgemeinen als aggressiv und als Verstoß gegen die Fahretikette. Allgemein gesagt neigen nordeuropäische Länder dazu, die Kommunikation im Straßenverkehr als funktional und zurückhaltend zu betrachten, während Autofahrer in südlichen und balkanischen Ländern oft weitaus ausdrucksstärker sind und Lichter, Hupen und Gesten als Teil der alltäglichen Interaktion nutzen.
Verständigung
Obwohl dieselben Gesten oder Signale im Straßenverkehr länderübergreifend unterschiedlich interpretiert werden, gibt es auch universelle Regeln. Beispielsweise werden in Litauen, Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Rumänien, Kroatien und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern die Warnblinker verwendet, um im Straßenverkehr Dankbarkeit auszudrücken. Das Hupen dient nicht immer nur dazu, vor Gefahren zu warnen oder Frustration auszudrücken. Ein geschmückter Autokonvoi, der mit langem, lautem Hupen durch eine Stadt fährt, bedeutet nur eines – eine Hochzeit! Dies ist allgemein akzeptiert und wird in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Serbien, Ungarn, Polen, Rumänien, Litauen und Lettland nicht als aggressiv angesehen. In Serbien gilt es sogar als Unglück, in einen solchen Hochzeitszug hineinzufahren. In Italien, Spanien, Portugal und Rumänien wird die Hupe oft genutzt, um nach großen Sportveranstaltungen oder bei öffentlichen Demonstrationen Freude und Unterstützung auszudrücken.
Ausgiebig genutzt wird das Blinken mit dem Fernlicht. Es ist die universellste und am weitesten verbreitete ‚stille‘ Warnung vor Polizeikontrollen, Radarkameras, Unfällen oder Hindernissen auf der Straße. Es wird in fast ganz Europa ausgiebig genutzt. In Italien ist eine solche Warnung vor der Polizei jedoch gesetzlich streng verboten.
Verkehrsregeln im Ausland, die auch teuer werden können
Die Umfrage zeigt, dass Autofahrer die Verkehrsregeln ihres Heimatlandes meist gut beherrschen – über 60 % der Befragten gaben an, die ungeschriebenen Regeln des lokalen Straßenverkehrs zu kennen. Das Vertrauen in dieses Wissen schwankt jedoch bei Auslandsreisen. Während häufige Verwirrung eher selten ist, geben rund zwei Drittel der Autofahrer an, zumindest gelegentlich auf ungewohnte Verkehrsgepflogenheiten zu stoßen. Dies bestätigt nur, dass jeder, der im Urlaub stressfrei reisen und unangenehme Situationen im Straßenverkehr vermeiden möchte, sich nicht nur über die Autobahngebühren, sondern auch über die Fahrgewohnheiten der Autofahrer des jeweiligen Landes informieren sollte. Autofahrer in verschiedenen Ländern kommunizieren im Straßenverkehr nicht nur unterschiedlich, sondern legen auch die Verkehrsregeln unterschiedlich aus.
Bußgelder können auf das Verkehrsverhalten Einfluss nehmen. Aufgrund niedriger Bußgelder und Toleranzen bei Radarkontrollen gibt es in Belgien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Litauen und Lettland eine ungeschriebene ‚Norm‘, etwas über der Geschwindigkeitsbegrenzung zu fahren. In Skandinavien hingegen zieht bereits ein geringfügiger Geschwindigkeitsverstoß ein saftiges Bußgeld nach sich, sodass viele Autofahrer nach ihrer Rückkehr von einer Reise später einen Brief von den Behörden erhalten.
Lokale Fahrtraditionen
Die lokale Fahrkultur wird nicht nur von Regeln oder Verkehrszeichen geprägt, sondern auch von Überzeugungen und kleinen Ritualen. In Italien, Tschechien und Kroatien glauben manche Autofahrer immer noch, dass eine schwarze Katze, die die Straße überquert, Unglück bringt, während in Rumänien, Serbien und Portugal religiöse Symbole wie Rosenkränze, Kreuze oder Ikonen häufig zum Schutz im Auto aufbewahrt werden. Anderswo sind lokale Gewohnheiten einfach Teil der alltäglichen Fahrkultur. Litauens Ahornblatt-Aufkleber bittet andere um Geduld mit Fahranfängern, britische Autofahrer sind dafür bekannt, ihren Autos Namen zu geben, und tschechische sowie slowakische Mitfahrer spielen immer noch das „gelbe Auto“-Spiel. In Italien vermeiden Autofahrer es möglicherweise, dienstags und freitags zu fahren oder ein neues Auto abzuholen, während in Spanien und Großbritannien manche Autofahrer den Atem anhalten, wenn sie durch einen Tunnel oder an einem Friedhof vorbeifahren, um Unglück zu vermeiden. Sich vor einer Autofahrt ein paar lokale Bräuche anzueignen, mag nicht so wichtig erscheinen wie das Überprüfen der Geschwindigkeitsbegrenzungen oder der Kauf einer Autobahnvignette, kann die Reise jedoch einfacher und stressfreier machen.
Die Studie basiert auf einer Umfrage, die auf dem Ladebildschirm des carVertical-Berichts angezeigt wird und von Juni bis Juli 2026 mit über 4.000 Befragten in mehr als 25 Ländern durchgeführt wurde. Da sich die Umfrage ausschließlich an carVertical-Nutzer richtete, repräsentiert die Stichprobe Personen, die sich aktiv für Gebrauchtwagen interessieren.