Ab ins Altersheim

„Trau keinem über dreißig“ war früher ein Leitspruch der Jugend. Und heute? Vielfach werden ältere Mitmenschen ins Altersheim abgeschoben. Autofahren? Bloß nicht! Besonders Mercedesfahrer mit Hut sorgen für Chaos auf den Straßen. Wie weit die Diskriminierung geht, hat luckx – das magazin recherchiert.

Ältere im Straßenverkehr

Ältere sind seltener in Unfälle verwickelt, sterben aber doppelt so oft im Straßenverkehr wie Jüngere. So fordert der TÜV-Verband, den Straßenverkehr konsequent auf ältere Verkehrsteilnehmende auszurichten: mit Straßen, die Fehler verzeihen, verpflichtenden Rückmeldefahrten ab 75 Jahren und der Vision Zero als verbindlichem Ziel im Straßenverkehrsgesetz. Die Unfallstatistik zeigt, warum das notwendig ist: In Deutschland sterben Menschen ab 65 doppelt so oft im Straßenverkehr wie 25- bis 64-Jährige. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025 waren 1.115 der 2.832 Verkehrstoten 65 Jahre oder älter, fast vier von zehn. Ihre Altersgruppe macht dagegen nur knapp ein Viertel der Bevölkerung aus. „Unsere Straßen sind für Menschen gebaut, die schnell reagieren, gut sehen und in einer Grünphase über vier Fahrspuren kommen“, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. „Das passt nicht zu einem Land, in dem fast jeder Vierte über 65 ist. Mobilität bedeutet Teilhabe. Deshalb müssen wir den Straßenverkehr so gestalten, dass ältere Menschen sicher unterwegs sind, ob zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto.“

Für die Zukunft planen

Des Weiteren zeigt es sich schon heute, dass der Anteil älterer Mitmenschen weiter zunehmen wird. Aufgrund deren Bevölkerungsanteil heute und besonders in der Zukunft sind deren Bedürfnisse im Straßenverkehr einzuplanen. Zwar sind ältere Mitbürger heute viel fitter als die Vorgängergenerationen. Doch mit 80 Jahren stellt das Überqueren einer mehrspurigen Straße im „Schweinsgalopp“ eine höhere Anforderung. Beispielsweise sichere Querungen mit Mittelinseln, gute Beleuchtung, klare Sichtbeziehungen und Grünphasen, die lang genug sind, damit Ältere ohne Zeitdruck über die Straße kommen. Große, gut lesbare Schilder, eine klare Verkehrsführung und adaptive Ampelschaltungen erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Im Straßenverkehr ist dieses Umdenken zwingend erforderlich. Die Infrastruktur ist ein Teil der Lösung, der Erhalt der Fahrkompetenz der andere.

Rückmeldefahrten?

Ab etwa 75 Jahren lässt bei vielen die Leistungsfähigkeit messbar nach, so der TÜV. Zwar sind ältere Menschen gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil seltener an Unfällen beteiligt als jüngere. Aber wenn Autofahrer dieser Altersgruppe an einem Unfall mit Verletzten beteiligt sind, gelten sie in rund drei von vier Fällen als Hauptverursacher. Und wenn sie selbst verunglücken, sind die Folgen häufig schwerer. Der TÜV-Verband setzt deshalb auf Rückmeldefahrten: Unabhängige Sachverständige beobachten das Fahrverhalten im realen Verkehr und besprechen es anschließend auf Augenhöhe mit den Teilnehmer. „Ältere Menschen sind erfahrene und oft besonders umsichtige Verkehrsteilnehmende“, so Zaneta. „Mit den richtigen Angeboten können sie ihre Fahrkompetenz lange erhalten.“ Bis 75 sollen solche Fahrten freiwillig bleiben und durch Anreize gefördert werden, ab 75 regelmäßig und verpflichtend sein. Anlasslose, verpflichtende Fahreignungstests hält der TÜV-Verband dagegen nicht für zielführend. Das der TÜV-Verband diesen Vorschlag nicht uneigennützig vorträgt, war zu erwarten. Wenn im nächsten Jahr die Fahrprüfungen vereinfacht und reduziert werden, fehlen Einnahmen. Diese sollen dann durch die Älteren wieder kompensiert werden. Ein Schelm, der böses dabei denkt.