Urlaubsrisiko

Vor ein paar Jahren waren wir von luckx – das magazin auf einer Recherchereise in Griechenland unterwegs. Ganz unvermittelt gerieten wir in einen Waldbrand. Zum Glück war es nur ein kleines Feuer, was die Feuerwehr schon fast im Griff hatte.

Waldbrand im Urlaub

Nun geraten aufgrund der hohen Temperaturen, der damit verbundenen Trockenheit immer mehr Wälder in Brand. Ursachen in Südeuropa und in verschiedenen anderen Teilen der Welt  sind Brandstiftung als auch Unbedachtheit. Tausende Feuerwehrmänner und -frauen sind bis zur Erschöpfung im Einsatz. Es gab schon mehrere Todesopfer unter den Helfern. Auch stürzte ein Hubschrauber bei der Brandbekämpfung ab. Für Griechenland hat das deutsche Außenministerium eine Reisewarnung erlassen. Diese Waldbrände sorgen in beliebten Urlaubsregionen Europas für Evakuierungen und gesperrte Straßen. Neben Griechenland sind besonders betroffen derzeit Frankreich und Spanien, wo zahlreiche Feuer außer Kontrolle geraten sind. Auch das Auswärtige Amt weist aktuell auf die erhöhte Waldbrandgefahr hin und hat seine Reise- und Sicherheitshinweise für beide Länder entsprechend aktualisiert. Doch was bedeutet das für Urlauber? Wann können sie eine Reise kostenlos stornieren? Welche Rechte haben Pauschal- und Individualreisende? Und wie kann jeder dazu beitragen, Waldbrände zu verhindern?

Nachrichtenlage

In verschiedenen Medien werden die aktuellen Waldbrände dramatisiert, wie wir von Kollegen aus betroffenen Regionen erfuhren. Doch die Lage kann sich schnell verändern. Aufkommende Winde sorgen für eine ungeahnte schnelle Ausbreitung der Feuerfront. Deshalb sollten Urlauber die Lage am Urlaubsort regelmäßig beobachten und sich ausschließlich auf offizielle Informationen verlassen. Das Auswärtige Amt veröffentlicht laufend aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise. Gerade für Spanien und Frankreich wird derzeit ausdrücklich vor der erhöhten Waldbrandgefahr gewarnt. Wer bereits vor Ort ist, sollte die Anweisungen der Behörden und Rettungskräfte unbedingt befolgen. Evakuierungsanordnungen haben immer Vorrang vor allen Reiseplänen.

Nicht jeder Waldbrand berechtigt automatisch zum kostenfreien Rücktritt. Entscheidend ist, ob außergewöhnliche und unvermeidbare Umstände die Reise erheblich beeinträchtigen. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Urlaubsort selbst betroffen ist, Evakuierungen angeordnet werden oder Straßen, Hotels oder Flughäfen nicht mehr erreichbar sind. Eine förmliche Reisewarnung des Auswärtigen Amts stellt ein besonders starkes Indiz für eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise dar. Allerdings kann auch ohne Reisewarnung ein kostenfreier Rücktritt möglich sein, wenn außergewöhnliche und unvermeidbare Umstände am Urlaubsort die Durchführung der Reise erheblich beeinträchtigen.

Rechte für Individualreisende

Diese Rechte haben Individualreisende leider nicht. Wer Flug, Hotel oder Ferienwohnung selbst gebucht hat, ist grundsätzlich an die jeweiligen Verträge gebunden. Ob eine kostenfreie Stornierung möglich ist, richtet sich nach den vereinbarten Stornierungsbedingungen oder der Kulanz des Anbieters. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig Kontakt mit der Unterkunft oder der Fluggesellschaft aufzunehmen.

Wer eine Pauschalreise wegen eines Waldbrandes oder einer behördlichen Evakuierung vorzeitig beenden muss, kann unter Umständen eine anteilige Erstattung nicht genutzter Reiseleistungen verlangen. Außerdem kann der Reiseveranstalter verpflichtet sein, die Rückreise zu organisieren. Wichtig ist, sämtliche Einschränkungen zu dokumentieren und den Reiseveranstalter möglichst sofort zu informieren.

Reisepreis mindern

Wenn der Urlaub erheblich beeinträchtigt wird, kann tatsächlich ein Reisemangel vorliegen. Werden beispielsweise Hotelbereiche dauerhaft gesperrt, wichtige Einrichtungen können nicht genutzt werden oder Ausflüge fallen wegen behördlicher Maßnahmen aus, kann eine Reisepreisminderung in Betracht kommen. Einzelne geschlossene Sehenswürdigkeiten oder kurzfristige Einschränkungen gehören dagegen häufig zum allgemeinen Lebensrisiko.

Auch eine Reiserücktrittsversicherung hilft nicht unbedingt bei Waldbränden. Denn das hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab. Naturereignisse sind nicht automatisch versichert. Viele Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherungen leisten nur bei ausdrücklich vereinbarten versicherten Ereignissen, etwa einer schweren Erkrankung oder einem Unfall.

Urlauber müssen sich schon vor Reiseantritt informieren

Neben den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts bieten mittlerweile auch digitale Dienste wertvolle Unterstützung. So zeigt Google in Maps und der Google-Suche inzwischen aktuelle Informationen zu Waldbränden an. Nutzer können betroffene Gebiete erkennen und erhalten Hinweise zu Sperrungen oder Evakuierungen, sofern entsprechende Daten der Behörden vorliegen. Auch die NASA oder die Europäische Kommission bieten Seiten an, auf denen man die Lage von Waldbränden überprüfen kann. Solche Informationen ersetzen zwar nicht die Anweisungen der Einsatzkräfte, können aber helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen.

Was tun bei Waldbränden?

Knapp ein Drittel aller Waldbrände in Deutschland entsteht durch Fahrlässigkeit. Oft sind dabei Camper, Waldbesucher oder Kinder beteiligt. Schon kleine Unachtsamkeiten können verheerende Folgen haben. Deshalb gilt: Im Wald und in Waldnähe niemals offenes Feuer entzünden, keine Zigarettenkippen wegwerfen und keine Glasflaschen liegen lassen, da sie wie Brenngläser wirken können. Fahrzeuge sollten außerdem nicht auf trockenem Gras geparkt werden, weil heiße Fahrzeugteile einen Brand auslösen können. In vielen Regionen gelten während der Sommermonate zusätzliche Feuer- und Rauchverbote. Diese sollten unbedingt beachtet werden.

Wer Rauch oder Flammen bemerkt, sollte sich zunächst selbst in Sicherheit bringen und anschließend sofort den Notruf wählen. In Deutschland erreicht man Feuerwehr und Rettungsdienst über die 112. Diese europaweit einheitliche Notrufnummer gilt auch in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie unter anderem in der Schweiz, Norwegen und Island. Außerhalb Europas können andere Notrufnummern gelten. Deshalb empfiehlt es sich, sich bereits vor Reisebeginn über die wichtigsten Notfallkontakte des Urlaubslandes zu informieren. Bei der Meldung helfen möglichst genaue Angaben zum Standort, zur Ausbreitung des Feuers und dazu, ob Menschen gefährdet sind. Auf eigene Löschversuche sollte man unbedingt verzichten.