Ein Krankenhaus ist kein fünf-Sterne-Hotel. Doch wenn man sich die aufgerufenen und von den Sozialversicherungen zu bezahlenden „Übernachtungspreise“ anschaut, hält es mit ein Luxus-Hotel mit. Doch im Krankenhaus wird meistens mehr als im Hotel geboten, hat luckx – das magazin recherchiert.
Einrichtungsdefizite
Weder eine Minibar, abdunkelbare Vorhänge als auch Klimaanlage sucht man in deutschen Kliniken vergeblich. Warum das so ist, konnte auch das Pflegepersonal nicht erklären. Dafür reicht es aber auch, eine Klingel zu bedienen und schon ist die persönliche Betreuerin da. Das ist auch wichtig, wenn einmal die am Körper angeschlossene Apparatur etwas unregelmäßiges Anzeigen sollte. So mancher Wunsch wird dabei von den Augen abgelesen. Wo hat man das schon im Luxus-Hotel?
Gut, genug der Späße. Denn die sind bei einer Herzerkrankungen nicht jedermanns oder jederfraus gefragt. Besonders häufig sind Patienten mit Herzrhythmusstörungen in einem Klinikum. Sie zählen zu den Herzerkrankungen mit der höchsten Krankheitslast mit über 509.000 vollstationären Krankenhausaufnahmen und rund 29.800 Gestorbenen im Jahr 2024. Zugleich verursachen sie enorm hohe Gesundheitskosten. Je nach Art der Rhythmusstörung sorgen Unregelmäßigkeiten des Herzschlags für geringe, kaum wahrnehmbare Beschwerden oder sie verursachen erhebliche Symptome wie Luftnot, Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Schwindel und Angstzustände. Herzrhythmusstörungen können harmlos sein oder lebensgefährliche Komplikationen wie Schlaganfall, Herzschwäche oder plötzlichen Herztod verursachen.
Herzrhythmusstörungen
Rhythmusstörungen verzeichnen 2024 einen Anstieg zum Vorjahr von rund 520 auf 532 Klinikeinweisungen pro 100.000 Einwohner (EW), in absoluten Zahlen: von 493.636 auf 509.490. Allein wegen der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wurden 2024 rund 360.800 Patienten vollstationär im Krankenhaus behandelt. Diese Zahlen sind Anlass genug für die Herzstiftung und den deutschen Fachgesellschaften den Fokus auf die Volkskrankheit Vorhofflimmern zu legen. Der Deutsche Herzbericht ist die umfangreichste Leistungserhebung der kardiologischen, kinderkardiologischen und herzchirurgischen Versorgung in Deutschland und zeigt, wie sich Morbidität und Mortalität sowie die verschiedenen Therapieoptionen bei Herzerkrankungen entwickeln.
Übergreifende Versorgung zunehmend wichtiger
Vorhofflimmern ist längst zu einer großen Herausforderung für das Gesundheitswesen geworden – auch in demografischer Hinsicht. „Je älter wir werden, desto häufiger tritt die Erkrankung auf. Das Gros der behandlungsbedürftigen Patienten ist ab dem 65. Lebensjahr zu finden. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen ist etwa jeder Zehnte davon betroffen. In drei Jahrzehnten dürfte sich die Zahl der Vorhofflimmerpatienten noch verdoppeln“, betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Dieser demografische Effekt schlägt sich auch in therapeutischen Trends wie dem stetigen Anstieg der Katheterablationen nieder, lässt sich jedoch auch bei anderen Herzerkrankungen beobachten, beispielsweise bei den Verfahren zum Herzklappenersatz, da Vorhofflimmern sich auch auf die Funktion der Mitralklappen auswirken kann.“
Neben dem fortgeschrittenen Lebensalter begünstigen Bluthochdruck, Diabetes mellitus, entzündliche Erkrankungen (z.B. Rheuma) und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom sowie Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen und angeborene Herzfehler das Vorhofflimmern. Hinzu kommen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht. „Bei der medizinischen Versorgung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen kommt es wie bei der Herzinsuffizienz wegen bestehender Komorbiditäten auf eine interdisziplinäre multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung an – von ambulant bis stationär, zwischen Hausärzten, niedergelassenen Kardiologen sowie den invasiv tätigen Herzmedizinern im Krankenhaus, also den Kardiologen und Herzchirurgen. Denn bei Herzpatienten sind zusätzliche Begleiterkrankungen häufig und können die Therapie erheblich beeinflussen. Am häufigsten treten als Begleiterkrankung Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herzinsuffizienz und Koronare-Herzerkrankungen (KHK) auf.
Diagnostik, Therapie und Prävention
„Wir sehen anhand dieser Zahlen: Alle Möglichkeiten einer frühen Diagnostik, Therapie und vor allem Prävention dieser Erkrankungen, die das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen oder – wie im Fall der Herzschwäche und Herzklappenerkrankungen – durch Vorhofflimmern verursacht werden können, müssen ausgeschöpft werden“, so Prof. Voigtländer. Die kontinuierliche Nachsorge einer Herzerkrankung wie Vorhofflimmern müsse zudem gut zwischen den behandelnden Kollegen koordiniert sein, um frühzeitig auf auffällige Symptome wie zu hohe Pulsfrequenz, verringerte Leistungsfähigkeit, Brustschmerz oder Luftnot als Anzeichen für eine KHK, Herzschwäche oder Herzklappenerkrankungen reagieren zu können“, erklärt Voigtländer. Patienten seien gefordert, indem sie neben der konsequenten Therapie auch selbst regelmäßig den Blutdruck und Puls kontrollieren, hierbei können digitale Helfer wie moderne Smartwatches unterstützen. Auffällige Werte oder Beschwerden sollten mit dem Hausarzt besprochen werden, um einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs vorzubeugen. Wird fortgesetzt.