In Deutschland sind wir auf Lebensmittelimporte angewiesen. Insbesondere trifft das auf Obst mit einem Selbstversorgungsgrad beträgt lediglich 18 % zu. Auch beim Gemüse kommen wir nur auf 38,6 % wie luckx – das magazin recherchierte.
Selbstversorger
Selbstversorger sind wir weder in Deutschland noch in der EU. Pro Jahr futtern wir Deutsche rund 107 Kilogramm Gemüse und von Obst etwa 69 Kilogramm. Um die Versorgung zu unterstützen, fördert die EU die Wettbewerbsfähigkeit von Erzeugerorganisationen in der Obst- und Gemüsebranche. Trotzdem verlieren diese an Bedeutung. Das geht aus einem neuen Bericht des Europäischen Rechnungshofs hervor. Laut den Prüfern bremsen Unterschiede bei der Förderung in den EU-Ländern, komplizierte EU-Vorschriften und unzureichende Maßnahmen der Europäischen Kommission die Entwicklung der Branche. So stehen Obst- und Gemüsebauern vor wachsenden wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, von steigenden Kosten bis hin zu veränderten Verbraucherwünschen geht aus dem Rechnungshofbericht hervor. Erzeugerorganisationen sollen ihnen helfen, sie zu meistern: So können die Landwirte ihre Produkte gemeinsam vermarkten, zusammen in Ausrüstung und Infrastruktur investieren, die Qualität ihrer Erzeugnisse verbessern und bessere Konditionen mit den Käufern aushandeln. Dennoch hätten die Erzeugerorganisationen Marktanteile verloren, und zwischen 2012 und 2023 ging die Zahl ihrer Mitglieder um 39 % zurück. „Erzeugerorganisationen sollen Landwirten dabei helfen, mit großen Abnehmern auf Augenhöhe zu verhandeln und die Verbraucher mit einer breiten Auswahl an Obst und Gemüse zu versorgen. Dafür müssen die Vorschriften einfacher, die Unterstützung der EU-Länder einheitlicher und die Mitgliedschaft in Erzeugerorganisationen attraktiver werden“, so Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Europäischen Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war.
Förderung
Im Jahr 2023 erhielten Zusammenschlüsse von Obst- und Gemüsebauern den Prüfern zufolge EU-Gelder in Höhe von 1,06 Milliarden Euro. Sie hätten damit ihre Maschinen modernisiert, die Produktion automatisiert, den Energie- und Wasserverbrauch gesenkt, Qualitätszertifikate erworben, Verpackung und Logistik verbessert und anerkannte Qualitätssiegel eingeführt. Da sich die Höhe der Förderung am Marktwert der Produkte orientiere, hätten die Organisationen ein Interesse daran, ihren Umsatz zu steigern und die Erzeugung an der Nachfrage auszurichten. Trotzdem könnten sich die Erzeugerorganisationen gegenüber großen Einzelhändlern nach wie vor nur schwer behaupten. Größere Zusammenschlüsse von Erzeugern könnten größere Mengen und eine breitere Palette an Produkten anbieten und somit bessere Bedingungen aushandeln. In den meisten EU-Ländern seien die Erzeugerorganisationen dafür jedoch zu klein und nicht bekannt genug. Nur in Belgien und den Niederlanden hätten solche Zusammenschlüsse genügend wirtschaftliches Gewicht. Die Prüfer stellten weitere große Unterschiede zwischen den EU-Ländern fest: In einigen gebe es überhaupt keine anerkannten Erzeugerorganisationen. In anderen schwanke ihr Marktanteil erheblich und reiche von 0,8 % in Slowenien bis 86 % in Dänemark. Zum Teil lasse sich dies durch historische und kulturelle Faktoren erklären, zum Teil aber auch durch politische Weichenstellungen in den einzelnen Ländern.
Fördermaßnahmen
Einige Behörden berieten die Organisationen aktiv und förderten viele unterschiedliche Maßnahmen. Andere seien strenger bei den Bedingungen oder stellten weniger Geld bereit. Dies verzerre den Wettbewerb im EU-Binnenmarkt. Es könne die Landwirte außerdem davon abhalten, einer Erzeugerorganisation beizutreten oder EU-Fördermittel zu beantragen. Die Kommission habe die Probleme zwar teilweise erkannt, aber nicht genug getan, um sie zu beheben oder das Vorgehen der EU-Länder besser aufeinander abzustimmen, so die Prüfer.
Dabei ist die Landwirtschaft ein wichtiger Pfeiler der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft. Sie versorgt 450 Millionen Europäerinnen und Europäer mit Lebensmitteln und bietet 30 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Branche 532 Milliarden Euro, das entspricht 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts der EU. 80 Milliarden Euro dieser Einnahmen wurden durch den Verkauf von frischem Obst und Gemüse erzielt, das von rund zwei Millionen landwirtschaftlichen Betrieben angebaut wurde. Der Europäischen Kommission zufolge gab es 2024 in der EU 1.488 anerkannte Erzeugerorganisationen für Obst und Gemüse mit 187 372 Mitgliedern. Im Rahmen der Prüfung wurde bewertet, ob die EU-Unterstützung die Wettbewerbsfähigkeit der Mitglieder von Erzeugerorganisationen des Obst- und Gemüsesektors verbessert und die Attraktivität der Mitgliedschaft in solchen Organisationen erhöht hat. Die Prüfer analysierten operationelle Programme von 57 Erzeugerorganisationen und fünf Dachverbänden und führten Prüfbesuche bei 19 Organisationen in Spanien, Frankreich, Italien und Polen durch. Sie analysierten ferner die EU- und die nationalen Vorschriften dieser Länder sowie die Bewertungsberichte für Belgien, Tschechien, Deutschland und die Niederlande.