Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Deshalb ist besonders Aufklärung und Vorsorge wichtig. Das führt zu mehr Verständnis und Sensibilisierung sowie schlussendlich zur Verringerung der Krankheitsfälle, wie luckx – das magazin recherchierte.
Sterblichkeit gesunken
Die Gesamtsterblichkeit durch Herzkrankheiten in Deutschland ist erneut insgesamt leicht gesunken. Einen deutlichen Rückgang verzeichnet die Sterberate der Koronaren Herzkrankheit (KHK), der Grunderkrankung des Herzinfarkts. Das geht aus den Zahlen des aktuellen Deutschen Herzberichts hervor. Während mit Ausnahme der angeborenen Herzfehler (leichter Anstieg zum Vorjahr 2023) die Sterberaten anderer Herzkrankheiten eher leichtere Abnahmen verzeichnen, sank die Sterberate der KHK innerhalb eines Jahres von 127,3 auf 118,3 Gestorbene pro 100.000 Einwohner (-7,1 Prozent), in absoluten Zahlen: von 119.795 KHK-Sterbefällen (davon Herzinfarkt: 43.839) (2023) auf 113.473 (davon Herzinfarkt: 41.258) (2024). „Dieser markante und zugleich erfreuliche Rückgang der KHK- und Herzinfarktsterblichkeit im aktuell berichteten Jahr unterstreicht – nach einem vorübergehenden Sterblichkeitsanstieg im Zuge COVID-Pandemie – einen seit Jahren sich abzeichnenden Trend“, betont der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Dieser rückläufige Trend der KHK-Sterblichkeit spiegelt unter anderem Fortschritte in der Herzmedizin in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation wieder“, betont Prof. Voigtländer. Dazu zählen interventionelle Verfahren wie die Stent-Therapie bei Herzinfarkt (Notfall-PCI) oder die Bypass-Chirurgie, verbesserte medikamentöse Verfahren und in der invasiven/nicht-invasiven Diagnostik sowie Verbesserungen in der Rettungskette. „Trotzdem müssen wir verstärkt die Prävention in den Vordergrund rücken mit dem Ziel, eine Schädigung der Herzkranzgefäße durch Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren und Lebensstilmaßnahmen zu verhindern und die Erkrankung im Frühstadium zu behandeln, damit es gar nicht erst zu atherosklerotischen Gefäßveränderungen und zum Eingriff wegen Komplikationen wie Herzinfarkt kommen muss.“ In den Fokus präventiver Maßnahmen und einer medikamentösen Therapie rücken insbesondere „Gefäßkiller“ wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Adipositas und Rauchen.
Auch andere Herzkrankheiten zeigen leichte Sterblichkeitsrückgänge zum Vorjahr: bei Herzschwäche sank sie leicht (-2,9 Prozent) von 38,2 (2023) auf 37,1 (2024) Gestorbene pro 100.000 EW, bei Herzrhythmusstörungen um -2,7 Prozent von 30 auf 29,2 pro 100.000 EW. An Herzklappenerkrankungen starben im Jahr 2024 um 0,4 Prozent weniger Menschen als im Vorjahr (2024: 22,7/2023: 22,8).
Herzinfarktsterblichkeit
Obwohl die Sterblichkeit bei akutem Myokardinfarkt zurückgegangen ist, ist die Prognose bei Frauen nach einem akuten Herzinfarkt (ST-Hebungsinfarkt: STEMI), im Herzbericht als Intra-Hospital-Sterblichkeit abgebildet, auch im Jahr 2024 weiterhin deutlich schlechter. So lag diese bei Frauen 2024 bei 14,4 Prozent, hingegen die der Männer bei 10,1 Prozent. Rund 4.400 Männer und rund 2.600 Frauen verstarben 2024 stationär wegen eines STEMI. „Auffällig ist, dass sich dieser Prognose-Gap zuungunsten von Frauen mit rund fünf Prozentpunkten über einen längeren Zeitraum hält und sich etwa schon im Jahr 2019 zeigt“, gibt der Kardiologe und Intensivmediziner Prof. Voigtländer zu bedenken. „Die genauen Ursachen solcher Sterbefälle noch während eines Krankenhausaufenthalts bedürfen der Analyse: Welche Rolle spielen etwa Symptombesonderheiten, therapeutische oder diagnostische Aspekte innerhalb der Klinik?“, so Voigtländer weiter.
Die „Door-to-balloon“-Zeit, die die Dauer von der Krankenhausaufnahme bis zur Wiedereröffnung eines verschlossenen Infarktgefäßes angibt, ist bei beiden Geschlechtern gleich. „Die Unterschiede in der Infarktsterblichkeit beruhen somit wohl auf anderen Ursachen, wie etwa unterschiedlicher Multimorbidität“, schlussfolgern die Autoren des Herzberichts, und: „Möglicherweise wird auch der Herzinfarkt bei Frauen erst später erkannt als bei Männern.“
Herzkrankheiten im Alter
Beim Betrachten der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Kontext von Altersgruppen fällt auf, dass der Anteil der kardiovaskulären Erkrankungen an allen Todesursachen in den Altersgruppen der ab 70-Jährigen weiterhin ansteigt, während der Anteil der Krebserkrankungen an allen Todesursachen ab diesem Altersabschnitt abnimmt. Angesichts der hohen Bevölkerungsanteile der ab 65-Jährigen vom im Bundesdurchschnitt rund 23 Prozent (in Saarland und den ostdeutschen Bundesländern über 24 Prozent), dürfte dieser Anteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen an allen Todesursachen noch deutlicher zunehmen. „Auch der Großteil der behandlungsbedürftigen Herzpatienten kommt aus den Altersgruppen ab 65 Jahren. Bei den 75- bis unter 85-Jährigen ist die Hospitalisationsrate seit 2012 um 13,3 Prozent gestiegen. Die herzmedizinische Versorgung stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen und erfordert eine interdisziplinäre multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung – von ambulant bis stationär, zwischen Hausärzten, niedergelassenen Kardiologen sowie den invasiv tätigen Herzmedizinern im Krankenhaus, also den Kardiologen und Herzchirurgen. „Diese Entwicklung zeigt außerdem, wie sehr ein effizientes Gegensteuern durch frühzeitige Prävention und Diagnostik – etwa im Rahmen von Vorsorge-Check-ups ab 35 Jahren und Screenings – sowie durch effiziente Therapie an Relevanz gewinnt, um das Entstehen von Herzerkrankungen frühzeitig auf breiter Basis zu bremsen“, erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende.
KHK und Rhythmusstörungen
Erworbene Herzerkrankungen können, wenn auch weniger häufig als in den Altersgruppen über 65 Jahren, auch bei jüngeren Menschen noch deutlich unter 65 Jahren auftreten. Das gilt vor allem für die KHK und Herzrhythmusstörungen, bei denen bereits ab einem Alter von 40 Jahren steigende Hospitalisationsraten zu erkennen sind. Bei Frauen etwas später beziehungsweise weniger steil. Bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen kommt es darauf an, Männer und Frauen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits im Rahmen der ambulanten Versorgung etwa mit Hilfe von Gesundheits-Check-Ups beim Hausarzt zu identifizieren und Risikofaktoren konsequent mit Hilfe von Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls Medikamenten einzustellen. Im Fall von Vorhofflimmern können ein unbehandelter Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes sowie Nikotin- und Alkoholkonsum ein frühzeitigeres Auftreten der Rhythmusstörung fördern. Das gilt auch für die Entstehung von Herzkranzgefäßverengungen wie die KHK, hier vor allem durch Rauchen, Fettstoffwechselstörungen oder Bluthochdruck. In der Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen kam es im Jahr 2024 zu 480 Krankenhausaufnahmen pro 100.000 EW wegen Herzrhythmusstörungen, wegen KHK zu 667 pro 100.000 EW. „Nur indem wir Risikokonstellationen früh erkennen und medizinisch eingreifen können, bevor ein spürbarer Schaden an Herz und Gefäßen etwa durch unbehandeltes Vorhofflimmern oder einen unentdeckten Herzklappenveränderung eintritt, lässt sich die Zahl vermeidbarer Krankenhausbehandlungen verringern“, so Voigtländer. Nur durch eine Verringerung der Krankenhausbehandlungen lässt sich auch dem Kostendruck im Gesundheitswesen etwas entgegensetzen. Wird fortgesetzt.