Heute sind die Klassenräume in Niedersachsen nach sechs Wochen Pause wieder gestürmt worden. Okay, nicht so richtig. Wohl eher etwas verhalten aufgesucht worden. Sicherlich würden die meisten Schüler gern noch bei Sonnenschein im Freibad verbleiben, meint luckx – das magazin.
Neue Schuljahr – neue Glück?
Für die Jüngsten geht es dann am Samstag zum ersten Mal in die Schule. Ein neuer Lebensabschnitt, der auch zu Veränderungen führt. Das kann dann auch für Kinder, Eltern und Lehrer der Anlass sein, einmal die Ernährung zu reflektieren. Denn aus dem UNICEF Child Nutrition Report 2025 ist zu entnehmen, dass wir weltweit eine steigende Adipositasrate haben. Jedes fünfte Kind ist übergewichtig. Es besteht also ein struktureller Handlungsbedarf bei der Ernährung schulpflichtiger Kinder. Eine verlässlich organisierte und ausgewogene Kita- und Schulverpflegung kann Teil der notwendigen Lösung sein. Betroffen sind davon Kinder zwischen 5 und 19 Jahren. Rund 188 Millionen dieser Altersgruppe leben mit Adipositas. Das zeigt der UNICEF Report. Diese Entwicklung sollte uns nachdenklich machen. Die Zahlen zeigen, dass Fehlernährung kein Randphänomen ist. Doch Kinder allein tragen nicht die Verantwortung für ihre Ernährung. Entscheidend ist das Umfeld, das Erwachsene, Unternehmen und öffentliche Institutionen gestalten. Helfen kann eine ausgewogene und bezahlbare Kita- und Schulverpflegung Teil der Lösung. Wie eine passende Gemeinschaftsverpflegung zu einer besseren Ernährung von Kindern beiträgt wird jährlich passen zur Messe BIOFACH in Nürnberg diskutiert. Diese Veranstaltung sollte für Träger und Betreiber von Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen Pflichtveranstaltung sein.
Übergewicht
Der Report stellt erstmals fest, dass weltweit mehr schulpflichtige Kinder und Jugendliche an Übergewicht leiden als an Untergewicht. Der Bericht, welcher im September des vergangenen Jahres von UNICEF veröffentlicht wurde und Daten aus mehr als 190 Ländern auswertet, zeigt, wie stark Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen weltweit zugenommen haben. Die Zahlen machen das Ausmaß der Entwicklung deutlich. So lebt rund jedes zehnte Kind zwischen 5 und 19 Jahren inzwischen mit Adipositas – also einer stark ausgeprägten Form von Übergewicht, die mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann. Seit dem Jahr 2000 hat sich die weltweite Adipositasrate in dieser Altersgruppe etwa verdreifacht. Weltweit ist inzwischen etwa jedes fünfte Kind übergewichtig. Fast die Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen lebt bereits mit Adipositas. Die Ursache sieht UNICEF in der intensiven Vermarktung ungesunder Lebensmittel als wesentlich für diese Entwicklung an. Gleichzeitig sind günstige, stark verarbeitete Produkte oft leichter verfügbar als ausgewogene Alternativen.
Rahmenbedingungen schaffen
In der aktuellen Entwicklung ist nicht nur ein individuelles, sondern vor allem ein strukturelles Problem zu sehen. Natürlich bleiben Ernährungskompetenz und persönliche Verantwortung wichtig. Gerade Kinder können jedoch nur begrenzt beeinflussen, welche Lebensmittel ihnen angeboten werden, welche Werbung sie erreicht oder was sich ihre Familien leisten können. Das Problem ist vielschichtig. So sind im Alltag Snacks, Fast Food und stark verarbeitete Produkte vielerorts schneller verfügbarer als frische, ausgewogene Mahlzeiten. Für Familien mit begrenztem Budget sind günstige, energiereiche Lebensmittel häufig leichter zugänglich als hochwertige Alternativen. Kinder begegnen täglich Werbung für Süßwaren, Softdrinks und Fast Food, während Ernährungsaufklärung deutlich weniger präsent ist. Wenn Zeit und Geld knapp sind, werden Fertigprodukte und Lieferangebote häufig zur praktikabelsten Lösung.
Deshalb reicht es nicht, allein bei den Kindern und Familien an Disziplin und bessere Entscheidungen zu appellieren. Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem eine ausgewogene Ernährung im Alltag leichter wird. Kitas, Schulen, Kommunen, Politik und Unternehmen prägen das Ernährungsumfeld mit und müssen das Problem gemeinsam angehen.
Kita- und Schulverpflegung
So können Gemeinschaftsverpflegung einen konkreten Beitrag zu Gesundheit, Bildung und Chancengleichheit von Kindern leisten. Diese kann ihre Ernährung strukturell verbessern. Denn Kitas und Schulen sind einer der wenigen Orte, an denen wir als Gesellschaft das Ernährungsumfeld direkt gestalten können – jeden Tag, für Millionen Kinder. Gute Gemeinschaftsverpflegung ist hier ein Hebel auf mehreren Ebenen.
Gesunde Gewohnheiten
Kinder essen über viele Jahre hinweg regelmäßig in Kitas und Schulen. Ein abwechslungsreicher Speiseplan kann deshalb früh beeinflussen, was sie kennen und gerne essen. Wirkung entsteht dabei nicht durch eine einzelne Mahlzeit, sondern durch Kontinuität und feste Routinen.
Mehr Chancengleichheit
Gute Kita- und Schulverpflegung erreicht Kinder unabhängig von den finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten ihrer Familien. Ein bezahlbares und leicht zugängliches Angebot kann Ernährungsunterschiede abmildern und sogar die soziale Teilhabe von Kindern aus einkommensschwachen Familien verbessern.
Bessere Konzentration
Wer hungrig ist oder sich dauerhaft einseitig ernährt, hat es im Schulalltag schwerer. Eine regelmäßige, ausgewogene Mahlzeit schafft zwar nicht automatisch bessere Noten, sie unterstützt aber das Wohlbefinden, die Aufmerksamkeit und die aktive Teilnahme am Unterricht.
Prävention
Ausgewogene Kita- und Schulverpflegung verhindert Adipositas nicht allein, prägt aber täglich mit, was Kinder essen und als selbstverständlich kennenlernen. Deshalb ist sie auch eine wichtige Präventionsmaßnahme: Jeder vermiedene Fall von Adipositas im Kindesalter reduziert das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter. Das spart später hohe Kosten im Gesundheitssystem – und verbessert die Lebensqualität.
Mehr als warme Mahlzeit
Wenn wir die Ernährung unserer Kinder systematisch verbessern möchten, muss Kita- und Schulessen mehr als eine warme und sättigende Mahlzeit sein. Es muss so gestaltet sein, dass ausgewogene Ernährung im Alltag verlässlich, bezahlbar und für Kinder attraktiv wird. Dafür braucht es klare Qualitätsstandards, die sich praktisch umsetzen, überprüfen und auf unterschiedliche Einrichtungen übertragen lassen.
„Gute“ Kita- und Schulverpflegung sollte eine ausgewogene Lebensmittelauswahl sein. Mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte sowie weniger Zucker, Salz und gesättigte Fette machen die Mahlzeiten ausgewogener. Die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung geben dafür eine klare Orientierung. Bei Frische und Qualität zeichnen sich durch möglichst viele frisch zubereitete Bestandteile und klare Vorgaben bezüglich vorverarbeiteter Produkte aus. Gute Verpflegung entsteht durch hochwertige Zutaten, durchdachte Rezepturen, verlässliche Abläufe und einen bewussten Umgang mit stark verarbeiteten Produkten. Ein ernährungsfachlich guter Speiseplan wirkt nur, wenn Kinder die Mahlzeiten annehmen. Geschmack, Aussehen, Temperatur, Portionsgröße und Essensatmosphäre gehören deshalb zur Qualität dazu. Doch der wesentliche Teil ist die Ernährungsbildung im Alltag. Dabei können Schulgärten, Kochprojekte, Verkostungen und Projekttage Wissen praktisch erlebbar machen. Was im Unterricht vermittelt wird, sollte sich auch auf dem Teller wiederfinden. Wichtig ist, dass alle Kinder Zugang zu bezahlbaren und bezuschussten Mahlzeiten haben, einfache Bestell- und Abrechnungssysteme vorhanden sind sowie eine unbürokratische Unterstützung ermöglichen. Kinder mit Förderbedarf dürfen nicht ausgegrenzt werden. Des Weiteren zeigen Daten zu Gemüse- und Vollkornanteilen, Lebensmittelabfällen, Teilnahmequoten und Zufriedenheit, wo Verbesserungen erreicht werden können. Voraussetzung sind einheitliche Erhebungsmethoden und realistische Zielwerte.
Das alles funktioniert aber nur in der Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern, Kindern und Anbieter der Gemeinschaftsverpflegung. Darauf sollten wir zum Wohle unserer Kinder drängen und auch dann nicht aufgeben, wenn die ersten Schritte nicht erfolgreich sind.