Immer wieder Schlafmangel

Wohl eines unser größten zivilisatorischen Herausforderungen ist, ausreichend Schlaf zu bekommen. Immer wieder wird bekannt, dass bestimmte Typen von Mensch mit wenig Schlaf auskommen. Doch diese Einzelerscheinungen lassen sich nicht auf alle übertragen, wie luckx – das magazin recherchierte.

Schlafmangel erhöht Übergewicht

Auch wenn uns der eine oder andere weiß machen will, er kommt mit wenig Schlaf aus, so gilt das nicht für alle. Hier geht es nicht darum, dass es solche Menschen gibt. Es gilt eben nicht für alle. Sonst hätten wir nicht das große gesellschaftliche Gesundheitsproblem Schlafmangel. So ist der Schlaf essentiell für die Regeneration von Körper und Geist. Wenn diese Regeneration nicht erfolgt, versuchen wir durch Ausweichaktivitäten diesen Schlafmangel zu kompensieren. Vielfach geschieht das durchs Essen. So ist der ausreichende Schlaf auch dafür verantwortlich, dass wir unser Gewicht halten können.

Eine Analyse von 33 Studien aus dem Jahr 2021 mit fast 58.000 Kindern und Jugendlichen zeigt, dass auch bei den Jüngsten durch zu wenig Schlaf das Risiko für Übergewicht und Adipositas erhöht wird. Je kürzer der Schlaf, desto größer das Risiko – das gilt für Kleinkinder ab einem Jahr ebenso wie für Schulkinder. So leiden unter Ein- und Durchschlafproblemen mittlerweile jeder Dritte, auch Kinder und Jugendliche.

Übergewicht

Als übergewichtig gilt man, wenn der BMI höher als 25, als adipös, wenn er über 30 liegt. In Deutschland gelten zwei Drittel der Männer (67%) und etwas mehr als die Hälfte der Frauen (53%) als übergewichtig, knapp ein Viertel der Gesamtbevölkerung ist sogar stark adipös, Tendenz steigend. Pauschal kann behauptet werden, dass die Menschen mit zunehmendem Alter kleiner und schwerer werden. Das kann mehrere Gründe haben: Geringerer Kalorienverbrauch kombiniert mit reduziertem Energiebedarf, hormonelle Umstellungen, Schwinden der Skelettmuskulatur und die Tatsache, dass Krafttraining leider nicht mehr so anschlägt wie in jüngeren Jahren. Vor diesem Hintergrund ist vor allem die steigende Anzahl der immer dicker werdenden Kinder und Jugendlichen besorgniserregend. Laut Unicef waren im Jahr 2025 weltweit das erste Mal mehr Kinder fettleibig als untergewichtig. Verantwortlich für diese Entwicklung zählen neben einem ungünstigen Ernährungsverhalten und zu wenig Bewegung unter anderem auch Schlafmangel.

Schlafmangel und Übergewicht

Der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Übergewicht ist schon länger bekannt. Mittlerweile konnte bewiesen werden, dass bereits nach sechs Wochen ohne genug Schlaf das Risiko für eine Gewichtszunahme erhöht ist. Als mögliche Mechanismen werden eine verringerte Glukosetoleranz und Insulinsensitivität, erhöhte abendliche Kortisolkonzentrationen, ein Anstieg des „Hungerhormons“ Ghrelin und die verminderte Produktion des „Sättigungshormons“ Leptin diskutiert. Durch zu wenig Schlaf sinkt der Leptinspiegel im Blut. Das Hormon, das im Fettgewebe produziert wird, ist an der Steuerung des Sättigungsgefühls beteiligt. Bei zu niedrigem Leptinspiegel wird an den Körper das – in dieser Situation falsche – Signal „Hunger“ gesendet. Die Betroffenen essen, obwohl gar kein Energiebedarf existiert. Gleichzeitig wird bei Müdigkeit das Hormon Ghrelin verstärkt gebildet, das appetitanregend wirkt. Zudem konnte bei übermüdeten Menschen festgestellt werden, dass der Schlafmangel in den Muskelzellen zu einem Rückgang der Glykolyse führt. Statt auf Glukose griffen die Muskelzellen vermehrt auf Proteine für ihre Energieversorgung zurück. Die dennoch weiterhin über das Blut gelieferte Glucose, die für die Muskeln gedacht ist, aber durch die Fehlsteuerung der Glykolyse nicht verwertet wird, wird alternativ zum Aufbau von Fettreserven in den Fettzellen genutzt. Nicht nur, um leistungsfähig zu sein, sondern auch, um Übergewicht zu vermeiden, sollten Schlafprobleme daher ernst genommen und etwas dagegen unternommen werden.