Verbindung

2.800 Kilometer fließt die Donau von Donaueschingen bis ins Schwarze Meer. 10 Länder verbindet die Fluss miteinander. Als Verkehrsweg ermöglichte und ermöglicht sie Migration, Handel und kulturellen Austausch. Diese Bedeutung will nun die Leipziger Buchmesse anhand von Literatur darstellen, wie luckx – das magazin recherchierte.

Trennlinie zwischen Reichen, Nationen und Ideologien

Die Donau hat schon viel erlebt. Die Hochzeit der Habsburger, Ost- und Westkonflikte und nun eine europäische Verbindung; leider immer noch mit Einschränkungen. So war uns ist ist immer wieder Trennlinie zwischen Reichen, Nationen und Ideologien. Dieser ambivalente Charakter prägt auch die Literatur entlang der Donau. Auf der Leipziger Buchmesse 2026 wird dieser Spannungsbogen als Themenkomplex im Rahmen des Fokusthemas „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ literarisch, historisch und gesellschaftspolitisch behandelt. Autoren aus der Region stellen auf der Donaubühne in Panels und Gesprächen ihre Werke vor und diskutieren die Donau als Grenze, Symbol und Erfahrungsraum.

Mit seiner politischen Biografie „Dissident“ (Tropen, 14. März 2026) thematisiert der slowakische Autor Michal Hvorecký die Donau als Grenze zwischen den Blöcken des Kalten Krieges. Auch Dimitré Dinev, österreichischer Buchpreisträger, greift dieses Motiv in „Zeit der Mutigen“ (Kein und Aber, 2025) auf. Im Podcast „Donau-Flaschenpost“ sagt er: „Die Donau war eine Grenze, die uns von einem Teil der Welt trennte, nach dem wir uns immer gesehnt haben“. In der Sowjetunion trug der Einmarsch in die ČSSR den Codenamen „Donau“ – für den ukrainischen Autor Juri Andruchowytsch wird der Fluss damit zur Chiffre für Westen und Freiheit. Der moldauische Autor Iulian Ciocan erkundet in seinen dystopischen Romanen das Erbe der Sowjetzeit und die neue Bedrohung. Zu Gast sein wird auch Autor Martin Zinggl, der sein Buch „Das ist kein Spaziergang“ (Knesebeck, 2025) vorstellt. Er erzählt darin von seiner 2.400 Kilometer langen Balkanreise ins Unbekannte – zu Fuß entlang des Sultans Trails durch acht Länder von Wien nach Istanbul.

Donau und die Literatur

Der Fluss und seine Literatur werden zum Schauplatz unterschiedlicher Lebensrealitäten, sozialer Gegensätze und Konflikte. Hier verdichten sich die Gegensätze zwischen Ost und West, Arm und Reich. Die Donau erscheint als Trennlinie zwischen politischen Systemen, sozialen Klassen und historischen Erfahrungen. In der idyllischen Flusslandschaft prallen verschiedene Lebenswelten aufeinander, dabei entstehen Missverständnisse, Konflikte und nicht selten Katastrophen. Viele Autoren aus dem Donauraum setzen sich in den Neuerscheinungen mit den Straflagern der kommunistischen Zeit auseinander und bringen diese auf die Bühne. Rumänische Autoren wie András Visky („Die Aussiedlung“, Suhrkamp, 2025, übersetzt von Timea Tankó,) oder Catalin Dorian Florescu („Matei entdeckt die Freiheit“, Rowohlt, 13. März 2026) beschreiben in ihren Werken das „Verschwindenlassen“ von Unliebsamen im Delta und der Steppe des Baragan.

Donau als Brücke

Gleichzeitig fungiert die Donau als Brücke: Sie ist ständig in Bewegung und ermöglicht Begegnung und Austausch. An dem Ort, wo einst Grenzer auf Flüchtlinge schossen, ist sie heute durchlässige Membran zwischen Ost und West. Pendler überschreiten die fließende Grenze – täglich, selbstverständlich und oft unter persönlichem Einsatz. Aber wo ist Heimat? Die Nachfahren von Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben erkunden die Zwischenwelten, die durch das Wandern zwischen Welten, auch Sprachwelten, entstehen. Die Autorinnen Betty Boras, Katharina Sigrid Eismann, Nadine Schneider und Sabine Zaplin fragen anlässlich der Veröffentlichung ihrer aktuellen Werke auf einem Panel: „Welche Heimat?“

So erzählt Boras in ihrem Debüt „Das schönste aller Leben“ (hanserblau, 19. Januar 2026) von einer Flucht aus dem rumänischen Banat nach Deutschland, von Herkunft, Mutterschaft, Schmerz und Schönheitsidealen. Eismann, selbst Nachfahrin der „unruhigen Salpeterer“, nimmt in „Mein innerer Schwarzwald“ (danubebooks, 2025) die Leser donauabwärts mit auf einen Ausflug ins Banat des Jahres 1755. Die Autorin verwebt auf ihre besondere Art die lange vergangenen Ereignisse mit jüngst geschehenen sowie gegenwärtigen Episoden. Schneiders Roman „Das gute Leben“ (S. Fischer, 25. Februar 2026) wiederum ist eine große Mütter-Töchter-Geschichte über vier Generationen – ein Buch von Abschied, Neuanfang und der Arbeit des Lebens. Im Jugendbuch „Die Wasserwandler“ (STROUX edition, 30. Januar 2026) lernen Zaplins Leser ein Leben im späten 18. Jahrhundert kennen, in dem einfache Holzschiffe zum Inbegriff der Hoffnung werden. Denn mit ihrer Hilfe machen sich die Protagonisten über die Donau auf den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft – am anderen Ende des Habsburgerreiches, in Südosteuropa.

Die Leipziger Buchmesse findet vom 19. bis 22. März 2026 statt.