Reisen kann emotional sein

Wohin die Reise in diesem Jahr gehen wird, haben viele für sich schon entschieden. Denn ein großer Teil der deutschen Bevölkerung hat seine Reise schon gebucht. Wie das Buchungsverhalten für 2026 schon war und was die Branche noch erwarten lässt, wird in den nächsten die Tourismusmesse ITB in Berlin zeigen, weiß luckx – das magazin.

Reisen statt Urlauben

Reisen statt Urlauben. Gibt es dabei einen Unterschied? Anscheinend wohl schon. So suchen mehr und mehr Deutsche den Ausbruch aus dem hyperoptimierten Alltag und lassen sich 2026 von Gefühlen statt purer Räson auf Reisen schicken. Das besagt ein aktueller Report. So soll Reisen mehr als nur ein Ortswechsel sein. Der wahre Wert liegt darin, emotional berührt zu werden. Denn die Zukunft des Reisens liegt nicht darin, was man sieht, sondern wie tief man fühlt. So stimmten 95 Prozent der befragten Deutschen im Rahmen des Reports zu, dass sie aus Reisen emotionale Kraft schöpfen. Für rund 20 Prozent sind die mit Reisen verbundenen Emotionen dabei sogar so zentral, dass sie diese als Anfangs-Kriterium bei der Online-Recherche für eine anstehende Reise sehen. Ein möglicher Paradigmenwechsel, der bedeutet, dass wir künftig nicht zu Orten, sondern Gefühlen reisen könnten.

Reiseerlebnisse werden ganz anders?

Darauf stellt sich auch die Reiseindustrie ein. So soll sich die Essenz des Reisens verändern. Auf der Suche nach dem tieferen Sinn und echter Verbundenheit lassen sich Menschen zunehmend von Emotionen leiten. Der Experiential Travel Trends Report zeigt, dass diese neuen Erwartungen nur verstanden werden, wenn sie aktiv mitgestaltet werden. Dazu wird die Reisebranche andere Anreize schaffen müssen. So könnte ein Treue- und Buchungsprogramm aus jedem Aufenthalt in einem der angeschlossenen Unterkünfte ein Erlebnis machen kann: Durch die Verbindung menschlicher Erkenntnisse mit dem strategischen Einsatz von Technologie wie KI könnten über alle Kategorien hinweg einzigartige, hoch personalisierte Erlebnisse entstehen. Sie könnten genau das widerspiegeln, was Gäste fühlen möchten, wie folgende Kategorien zeigen könnten.

Endorphin Economy

Reisen wird zur Suche nach dem einen, mitreißenden Moment: kollektive Energie, gemeinsamer Jubel, Gänsehaut. 76 Prozent der Deutschen verbinden Live-Erlebnisse mit einem intensiven Glücksgefühl – ein Gefühl, für das sie gern reisen: über 52 Prozent würden für Konzerte reisen, gefolgt von Festivals (40,3 Prozent) und Sportevents (37,9 Prozent). Was zählt, ist weniger Status als Einzigartigkeit: „Once-in-a-lifetime“-Momente sind der wichtigste Treiber.

Hyper Playgrounds

Hyper Playgrounds stehen für die Flucht aus einem überoptimierten Alltag – hinein in immersive Erlebniswelten, die Freude und Neugier wecken. 18 Prozent der befragten Deutschen suchen gezielt nach Hotels mit mutigem oder spielerischem Design; 55 Prozent zeigen grundsätzlich Interesse, setzen jedoch weiterhin Komfort und Qualität an erste Stelle. Besonders gefragt sind „hands-on“-Formate: 30,6 Prozent der Deutschen interessieren sich auch auf Reisen für interaktive Museen, 24,7 Prozent für gamifizierte Erlebnisse wie Escape Rooms.

Portable Lifestyles

Reisen heißt heute: gewohnter Lifestyle to go. International geben 95 Prozent an, dass ihnen die Beibehaltung ihres Lebensstils auf Reisen wichtig ist. Auch Reisende aus Deutschland achten unterwegs gezielt auf ihre Routinen – 35 Prozent auf vertraute Mahlzeiten, 34 Prozent auf ihre Schlafgewohnheiten sowie jeweils 28 Prozent auf Fitness- und Beauty-Rituale. Die Kombination aus Work & Travel bleibt attraktiv: 49 Prozent der Deutschen empfinden sie als sehr oder extrem reizvoll, 60 Prozent möchten selbst auf Dienstreisen Routinen beibehalten.

Social Wellness

Gemeinsam statt allein: 70,3 Prozent der Deutschen suchen zumindest manchmal aktiv persönliche Nähe und tiefere In-Person-Verbindungen – auch auf Reisen. Wellness wird dabei zunehmend gemeinschaftlich erlebt: 52 Prozent nennen „Spaß & Genuss“ als Hauptmotiv, fast ein Drittel war bereits Teil von Run-Clubs oder gemeinsamen Sauna-Gängen.

Memory Lanes

Die Sehnsucht nach Nostalgie wächst: Knapp 80 Prozent der Deutschen wünschen sich eine Zeit zurück, die als echter und weniger digital schien. Statt flüchtiger Inhalte rücken greifbare Erlebnisse, geschichtsträchtige Orte und authentische Atmosphäre in den Fokus. Passend dazu dokumentieren deutsche Reisende gern analog: 37 Prozent nutzen Film-/Einwegkameras, 41 Prozent sammeln physische Erinnerungsstücke wie Postkarten oder Tickets.

Earth Syncing

Earth Syncing steht für die bewusste Rückverbindung mit Natur, Rhythmus und Saisonalität. In einer zunehmend beschleunigten Welt suchen Reisende nach Erdung – nach Momenten der Entschleunigung, nach Authentizität und nach Erlebnissen, die im Einklang mit Umwelt und Jahreszeiten stehen. Natur ist dabei nicht nur Kulisse, sondern aktiver Teil des Reiseerlebnisses. Dieses Bedürfnis spiegelt sich auch im Reiseverhalten deutscher Reisender wider: rund 71 Prozent möchten auf Reisen mehr Zeit draußen verbringen, knapp 58 Prozent suchen gezielt nach lokaler oder saisonaler Küche. Saisonale Naturphänomene gewinnen zusätzlich an Bedeutung – 21,8 Prozent haben bereits Reisen geplant, um Sternenhimmel, Nordlichter oder Meteorschauer zu erleben, weitere 40 Prozent zeigen starkes Interesse.

Unfiltered Journeys

Authentizität schlägt Inszenierung – auch bei Reisen. Statt Instagram-Hotspots und algorithmisch perfektionierter Routen rückt das Ungeplante in den Fokus: echte Begegnungen, lokale Perspektiven und Erfahrungen, die nicht vorgefertigt, sondern selbst vor Ort entdeckt werden. Technologie wird dabei nicht abgelehnt, aber bewusst eingesetzt: als Unterstützung, nicht als Regisseur. Der Wunsch nach Authentizität zeigt sich klar im deutschen Markt. 63,5 Prozent verlassen sich auf Empfehlungen von Locals oder Hotelteams, rund 51 Prozent meiden überhypte Orte oder Erlebnisse zumindest gelegentlich. Gleichzeitig bleibt KI in der Reiseplanung zurückhaltend positioniert: 33,7 Prozent nutzen sie zur Inspiration, aber nur 29,5 Prozent vertrauen KI-Empfehlungen weitgehend oder vollständig. Der menschliche Austausch bleibt zentral.

Points Maxxing

Loyalty entwickelt sich weiter – weg vom reinen Punkte-Sammeln hin zu einem Symbol für Zugehörigkeit und Zugang. Für viele Reisende liegt der wahre Wert von Treueprogrammen heute nicht im monetären Vorteil, sondern in Erlebnissen, die sonst nicht zugänglich wären. International schätzen 72 Prozent der Befragten Loyalty-Programme vor allem wegen des Zugangs zu einzigartigen Experiences. In Deutschland zeigt sich dieses Bedürfnis selektiver: 46,5 Prozent sehen den größten Mehrwert von Loyalty im Zugang zu Unique Experiences, nutzen Punkte jedoch pragmatisch, bevorzugt für Upgrades oder kostenfreie Aufenthalte. Knapp 40 Prozent geben an, derzeit kein Reise-Loyalty-Programm zu nutzen.

Grundlage des ‚Experiential Travel Trends 2026 Report‘ ist eine repräsentative Studie mit rund 4.500 Reisenden aus neun Ländern des französischen Hotelkonzerns Accor, darunter auch Deutschland. Zusammengefasst in acht globale Reisetrends für das Jahr, stehen eine wachsende Sehnsucht nach Freiheit, Authentizität und emotionaler Intensität im Fokus.