Wir von luckx – das magazin haben es im letzten Jahr erlebt: Nachdem wir in der Nacht von Ostersamstag zu Ostersonntag das Licht nach Hause ins Wohnmobil getragen haben, wurde am Sonntag das Lamm am Spieß gedreht. In vielen Gärten und besonders vor Restaurants drehte sich der Spieß und verbreitete anziehende Düfte.
Ostern in Griechenland
Dieses Jahr sitzen wir leider zuhause am heimischen Schreibtisch und finden endlich die Zeit für die Ostergeschichte. Es läuft auch beim Schreiben das Mund im Wasser zusammen, wenn die Erinnerung an das Bild eines ganzen Lamms, das sich langsam am Spieß über Holzkohle dreht, wieder erscheint. Für die Griechen bedeutet der drehende Spieß und der damit verbundene Geruch auf der ganzen Welt das Ostersonntag ist. Nun gut, für fleischlose Kost ist diese Anblick nicht erhebend. Doch dazu später mehr.
Es handelt sich hierbei nicht nur um eine kulinarische Tradition. Denn im betreffenden Fleisch steckt eine tiefe religiöse Symbolik. So nannte der Evangelist Johannes Jesus in Johannes 1,29 und 1,36 das Lamm Gottes. In der Erzählung musste Abraham im Rahmen der jüdischen Religion ein Tier, beispielsweise ein Lamm oder einen Widder, opfern. Die Menschen boten Gott damit Sühne für ihre Sünden an. Allerdings müssen Christen keine Opfer mehr bringen, da Christus für ihre Sünden am Kreuz gestorben und somit zum Opferlamm geworden ist. Nun ist Pascha, oder Ostern, der Tag, an dem wir an Jesu gedenken, der für Christen sich als Opfer kreuzigen ließ. So wird Lammfleisch zum Gedenken an diese selbstlose Tat gegessen. So begrüßen sich die Griechen am Ostersonntag mit den Worten „O Χριστός ανεστή“; „Christus ist auferstanden“ und antworten: „Wahrlich, er ist auferstanden.“
Symbolik
Die Symbolik des Lammes geht auf das Alte Testament und das jüdische Pessachfest zurück. Es wird mit dem Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten in Verbindung gebracht. Vor ihrem großen Auszug aus Ägypten forderte Gott die Juden durch Mose auf, sich in kleinen Gruppen zu versammeln; jede Familie sollte ein Lamm opfern. Die Familien sollten ihre Türpfosten mit dem Blut des Tieres markieren, damit sie nicht von einem Engel Gottes ausgerottet würden, der in jener Nacht die Erstgeborenen jeder Familie mit Pest belegen würde, wenn das Haus nicht mit Lammblut markiert wäre. In jener Nacht brachte jede jüdische Familie ein Lamm als Opfergabe für Gott dar, zum Heil aller Menschen. Sie aßen das Lamm unversehrt zusammen mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern. Anschließend bestrichen sie ihre Türen mit dem Blut des Lamms. Später übernahmen die Christen das Symbol des Opferlamms, da Johannes der Täufer Jesus Christus mit dem „Lamm Gottes“ verglich, das mit seinem Opfer die Welt von ihren Sünden befreien würde.
Familienfest
Heute verbringen die Griechen den Ostersonntagmorgen damit, das Lamm langsam zu braten, und anschließend versammelt sich die ganze Familie zum gemeinsamen Essen. Die gesamte Zubereitung und das Drehen des Bratens am Spieß sind ein gemeinschaftliches Erlebnis, das die Menschen am heiligen Tag verbindet.
Doch wo viel Freude, gibt es auch Kritik. So haben in den letzten Jahren Protestierende begonnen, die Tradition zu kritisieren und sie als barbarisch zu bezeichnen. So werden jährlich landesweit Hunderttausende Lämmer geschlachtet. Oftmals, insbesondere in Dörfern, findet die Schlachtung im Freien statt, häufig vor den Augen von Kindern. Dabei werden nicht immer tierschutzgerechte Verfahren eingehalten.
Das hatte den verstorbenen griechischen Komponisten Mikis Theodorakis dazu aufgefordert, diesen „barbarische Brauch“, zu Ostern ein Lamm am Spieß zu braten, nicht länger Teil des griechischen Osterfestes zu betrachten. Der große griechische Komponist wandte sich gegen Tierquälerei und schrieb: „Ostern naht wieder. Die Tage des Massakers an unschuldigen Tieren rücken näher, um eines barbarischen Festes willen, das längst hätte verschwinden sollen.“ In den letzten Jahren haben Tierschutzgruppen in Athen und anderen griechischen Städten gegen die jährliche Ostertradition protestiert. Doch wie immer in Griechenland, lässt sich diese Tradition nicht bis in das letzte Dorf verbieten. So wurden auch in diesem Jahr wieder Lämmer am Spieß gedreht.