Ins rechte Licht gesetzt

Eine alte Verkaufsregel besagt: Licht lockt Leute! Und wo kein Licht ist, kann nichts verkauft werden. So werden gerade in der dunklen Jahreszeit unsere Einkaufsstraßen intensiv beleuchtet um uns Kunden eine sichere und freundliche Einkaufsatmosphäre zu schaffen. Doch das ist nicht überall möglich. Gerade in Gebieten ohne geregelter Stromversorgung gibt’s kein Licht und folgerichtig kann auch nichts verkauft werden. Ob das immer so schlecht ist, ist ein ganz anderes Thema.

Sicherstellung der Stromversorgung

Doch manchmal kann mit sehr einfachen Mittel genau das erreicht werden, was für Wirtschaft und Handel von Bedeutung ist: sichere Stromversorgung. So hat der Inder

Prodip Chatterjee mit anderen Tüftlern ein Soziales Projekt entwickelt, um vermeintlichen Elektroschrott zu einem weiteren Leben zu verhelfen. Der 29-Jährige geht gegen die vorzeitige Verwertung von Elektroschrott vor. Nunam, so der Unternehmensname, kauft ausrangierte Laptop-Akkus von Schrotthändlern im indischen Bundesstaat Karnataka und nutzt deren Batteriezellen für stationäre Energiespeichersysteme. Die daraus hergestellten Powerbanks können Niedrigstromverbraucher wie Smartphones, Ventilatoren oder Lampen mit Strom versorgen und Menschen in ländlichen Gebieten Indiens als Stromquelle dienen. Bisherige Erfahrungswerte von Nunam zeigen, dass ein alter Laptop-Akku eine durchschnittliche Restkapazität von rund zwei Drittel hat. Unterstützung har er sich dabei aus Deutschland mit Audi Stiftung für Umwelt geholt. Sie fördert das gemeinnützige Start-up Nunam des deutsch-indischen Gründers Prodip Chatterjee.

Umweltfreundliche Technik

Am umweltfreundlichsten ist Technik, wenn sie möglichst lange im Einsatz bleibt. Wenn wir sie nach ihrem Ersteinsatz noch für andere Zwecke verwenden können, sparen wir Energie und Rohstoffe und reduzieren die Menge von Elektroschrott. Effektive Kreisläufe sind ein wichtiger Stellhebel, um Ressourcen zu schonen“, sagt Rüdiger Recknagel, Geschäftsführer der Audi Stiftung für Umwelt. Die Stiftung fördert deshalb gezielt Projekte für den umweltschonenden Einsatz von Technik unter dem Handlungsfeld „Greenovation“.

Diese Second Life-Anwendungsfälle sparen Ressourcen in mehrfacher Hinsicht: durch den Einsatz aufbereiteter Materialien werden weniger „Primärrohstoffe“ benötigt, also solche, die eigens für die Produktion gewonnen werden. Dies spart bereits in der Herstellungsphase Rohstoffe und Energie. Zudem verringert ein erneuter Einsatz des Materials die Menge an Schrott, der ansonsten im Restmüll, auf Deponien oder beim Recycling enden würde. Auch die Stromquelle trägt dazu bei, die Umwelt zu schonen: die Powerbanks werden mit Solarenergie geladen und nicht etwa durch Kohlestrom.

Stromversorgung

Nunam-Co-Gründer Prodip Chatterjee sagt: „Wir schaffen Win-Win-Situationen: Alte Batteriezellen, die ansonsten im Restmüll enden, werden zuerst wiederverwendet und dann ordnungsgemäß entsorgt. Schrotthändler verdienen durch den Wiederverkauf an uns und indische Familien und Händler profitieren von erschwinglichen Energiespeichern. Ein fünf Jahre alter Laptop kann als Lichtquelle für indische Obst- und Gemüse-Händler auf einem Markt dienen, einen kleinen Ventilator antreiben oder ein Handy laden“. In Indien leben Millionen Menschen ohne regelmäßigen Zugang zu Strom, die von Lösungen wie dieser profitieren können.

Nunam testet jede im Elektroschrott erworbene Akku-Zelle auf ihren Zustand und ihre Kapazität. Zellen mit mehr als 60 Prozent Restkapazität werden zu neuen Stromspeichern montiert. Diese Prototypen verfügen über eine Kapazität von rund einer Kilowatt-Stunde. Laut einer Nutzeranalyse von Nunam reicht ein solches Modul aus, um beispielsweise Smartphones zu laden oder kleinere Haushaltsgeräte einen Tag lang zu betreiben. Die Zellen, die nicht mehr verwendet werden können, gibt Nunam an ein ansässiges Batterie-Recyclingunternehmen weiter, das sie fachgerecht verwertet. Die Prototypen sind via Sim-Karte mit dem Internet verbunden und übertragen Daten. Dies stellt sicher, dass die Powerbanks nach Lebensende wieder an Nunam zurückgegeben werden. Das Projekt sammelt dadurch wichtige Erkenntnisse über die Wiederverwendbarkeit, Performance und Lebensdauer von neuen Batteriesystemen aus maximal unterschiedlichen Zellen.

Förderung

Die Audi Stiftung für Umwelt finanziert die Pilotphase des Projekts, in der Nunam die neuen Energiespeicher zur Serienreife entwickeln will. Bisher wurden rund 5.000 Batteriezellen aus 1.000 Laptop-Batteriepacks zerlegt und getestet. Daraus sollen mehr als 25 Energiespeichersysteme entstehen. Sie werden in dörflichen Gegenden Indiens für einen Pilotversuch vergeben. Langfristig will Nunam eine Kleinserienfertigung aufbauen und die Erkenntnisse auf andere Quellen übertragen, um weitere Stromquellen zu erschließen. Die TU-Berlin unterstützt das Projekt methodisch. Gemeinsam mit dem Fachgebiet für Elektrische Energiespeichertechnik arbeitet Nunam an einem Modell, um den Verschleiß der benutzten Batterien besser prognostizieren zu können. Die Ergebnisse, Videos, Daten und weitere Learnings aus dem Projekt werden zum Projektende allen Interessierten in einem eigens dafür eingerichteteten Open Source Portal veröffentlicht. Damit soll sichergestellt werden, dass ein möglichst größer Anteil an Interessierten von diesen Erkenntnissen profitieren und sie weiter nutzen kann.