Wäre es doch wie früher!

So denke Urlauber heute, wenn sie an den Urlaub im vergangenen Jahr denken. Zwar war damals nicht alles Gold was glänzte: Das Essen war nicht das Beste, alle Liegen waren meist belegt und sehr teuer war es auch. Ach mein Gott, was ist das im Vergleich zu heute. Das Virus bestimmt unser tägliches Leben und insbesondere unseren Urlaub. Wer es dagegen in diesem Sommer bis nach Griechenland geschafft hatte – und das war sehr schwer, durfte sich auf einen Urlaub fast wie früher freuen. So wenig Touristen hat das Land wohl das letzte Mal in den 1970ern gesehen. Nein, Griechenland ist nicht besser als andere durch die bisherige Pandemie gekommen. Niedrige Fall- und Todeszahlen legen dies zwar nahe, aber der Shutdown hat vor allem den Tourismus getroffen, der immerhin ein Fünftel der hellenischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Und ja, die Griechen haben den Neustart ein wenig verdaddelt, als sie unmittelbar vor dem 1. Juli mit einem Einreiseformular um die Ecke kamen, das jeder Tourist mindesten 24 Stunden vorher online auszufüllen hatte. Die ersten Willigen kamen so gar nicht aus Deutschland raus, weil sie die Info über das Passenger Locator Form zu spät erreicht hatte und sich Airlines weigerten, diese Passagiere zu befördern.

Stornierte Flüge

Überhaupt die Fluggesellschaften. Auch diese spielten den Griechen wie anderen Mittelmeerländern übel mit. Obwohl der 1. Juli als Tag der Öffnung schon länger im Gespräch war, cancelten sie Flüge sogar noch nach eben jenem Datum. Während Eurowings im Juni und Juli den Flugbetrieb von Stuttgart nach Athen gleich ganz einstellte, strich die größte griechische Airline Aegean Flüge von Berlin aus, die dann doch wieder stattfanden. Am schlimmsten aber trieb es Easyjet. Die britischen Billigheimer dünnten mitten im anlaufenden Sommer ihren Flugplan aus, kündigten Streichungen an, ließen die Passagiere dann aber bis knapp zwei Wochen vor Abflug zappeln. So mancher buchte drei und mehr Hinflüge und zahlte dann Preise, die vor Corona für Transatlantik-Tickets aufgerufen wurden.

QR-Code entscheidet über Corona-Test

In der griechischen Hauptstadt oder auf einer der Inseln angekommen sein hieß aber noch nicht, dass der Urlaub nun beginnen würde. Denn niemand wußte genau, wie denn nun die Einreise mit dem Passenger Locator Form genau ablaufen würde. Tatsache ist, dass am Athener Flughafen Testboxen aufgebaut worden waren, die beispielsweise bei Flügen aus Süddeutschland auch gut genutzt wurden. Wer aus dem Norden kam, erlebte dagegen nicht selten, dass per Augenschein Beamte darüber entschieden, dass man ohne Corona-Test durch die Ausgangstür durfte.

Wer das einmal geschafft hatte, konnte sich dann allerdings auf Urlaub freuen, wie man ihn von früher kannte. Denn natürlich ist das Mittelmeerland weit weg von jenen Besucherströmen, die bis zum vergangenen Sommer sich über Strände und antike Sehenswürdigkeiten ergossen. Knapp vier Millionen Deutsche kamen 2019 allein mit dem Flugzeug. Auch wenn Marketing Greece, die Organisation zur Förderung des Tourismus in Griechenland, bisher noch keinen Überblick über aktuelle Zahlen hat, so dürften es dieses Jahr dramatisch weniger sein. Und das merkt der Tourist an jeder Ecke. Denn dort, wo sich vor allem Urlauber und nicht Griechen bei ihren Alltagsbeschäftigungen aufhalten, herrscht gähnende Leere. Egal ob in den Städten, an den Stränden, den Ausgrabungen und antiken Denkmalen. Sogar auf dem Meer ist man fast allein. CV Yachts, ein Vercharterer von Katamaranen und Segelbooten, sonst über den Sommer ausgebucht, hatte im Juli von Lavrion aus nur drei der zehn Boote im Einsatz. Paradiesische Zustände für Segler, die spektakuläre Buchten in den Kykliaden beispielsweise teils für sich allein hatten. So ankern am Kap Sounion, an der südlichsten Spitze Attikas und im Schatten des zweieinhalb tausend Jahre alten Poseidon-Tempels, nicht einmal ein Dutzend Boote am Tag, wo es sonst schon mal 100 sind.

Exklusiv

Auch an den Stränden muss sich niemand drängeln. Schirme im Abstand von zwei Metern und immer nur zwei Liegen beanspruchen zwar mehr Platz als sonst, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass insgesamt deutlich weniger Sonnenhungrige ihre Zeit hier verbringen. Noch deutlicher wird das in den Restaurant-Meilen. Verwaist und teils offensichtlich schon seit Monaten nicht mehr in Betrieb, hat man in den Gaststätten, die geöffnet sind, nicht selten üppiges Platzangebot.

Abgesehen von der Leere jedoch weist wenig darauf hin, dass sich das Land im Krisenmodus befindet. Verkaufspersonal, Taxifahrer oder Kellner tragen Mundschutz, auch in Supermärkten und in Gaststätten wird er verlangt; vielfach aber nicht eingehalten. Doch wenn sich die Hellenen begrüßen, spielt social distancing keine Rolle mehr. Bussi hier, Bussie da. Das Leben scheint seinen gewohnten, seinen alten Gang zu gehen. So wird der Besucher wohl nie wieder Griechenland erleben.

Endloser Sommer

Rund 31,5 Millionen Touristen besuchten 2019 Griechenland. Diese Zahlen wird man wohl sobald nicht mehr erreichen. Das bedeutet aber nicht, dass die Griechen einfach nur abwarten. Gerade, weil die Tourismusindustrie so wichtig für das Land ist, werden nächste Schritte geplant, zu einer neuen Normalität zurückkehren zu können. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht, die Destination als eine neue Marke zu etablieren. “Endless Greek Summer” soll das Land vor allem als See- und Sonnen-Ziel bekanntmachen. Die Chancen, Griechenland so ursprünglich wie möglich zu erleben, sind derzeit die besten.