Vision Porsche

Motorheads bekommen strahlende Augen bei Sportwagen. Dazu gehört auch Porsche. Doch am Anfang der Porsche-Geschichte ging es eher um profane Aufgaben, wie luckx – das magazin recherchierte und setzt damit den ersten Teil fort.

Visionär

Zu den ersten Auftraggebern des Konstruktionsbüros gehört die Firma Wanderer aus Chemnitz. Unter anderem entsteht ein Mittelklassewagen, der später als Wanderer W21/22 in Serie geht. Es folgen Entwicklungsaufträge weiterer Hersteller für Fahrwerks- und Lenkungselemente. Am 10. August 1931 meldet Porsche die Drehstabfederung zum Patent an. Es ist ein technologischer Meilenstein, der noch heute im Automobilbau Verwendung findet.

Mit einem Auftrag des Motorradherstellers Zündapp kann Porsche 1932 eines seiner Herzensprojekte verfolgen: die Entwicklung eines Kleinwagens. Mit Fünfzylinder-Sternmotor im Heck und stromlinienförmiger Karosserie erscheint der Typ 12 heute wie der Urahn des Volkswagens, der später als VW Käfer bekannt wird. Den ersten Wagen mit Boxermotor im Heck entwickeln die Konstrukteure dann mit dem Typ 32 für NSU.

Im Frühjahr 1933 gelingt mit einem Auftrag der Auto Union ein Durchbruch: Porsche soll einen innovativen Rennwagen konstruieren. Der legendäre „Silberpfeil“ der Auto Union besitzt einen 16-Zylinder-Motor, der direkt hinter dem Fahrer montiert ist und damit für eine optimale Gewichtsverteilung sorgt. Diese Bauweise ist bis heute im Rennsport erfolgreich – und zieht sich durch die gesamte Porsche-Historie, mit Modellen wie dem 550 Spyder, 914, Boxster oder auch dem Supersportwagen Carrera GT.

Das Projekt Kleinwagen wird 1934 fortgesetzt, als Porsche vom Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie den Auftrag zur Konstruktion und zum Bau eines Volkswagens erhält. Sein Konzept sieht eine moderne windschlüpfige Karosserie mit vier Sitzen und einem Vierzylinder-Boxermotor im Heck vor. Das Antriebsprinzip wird nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur millionenfach im Käfer umgesetzt, sondern auch zum Vorbild für die Sportwagen 356 und 911. Diese technische Konstante prägt die Markenidentität bis heute und begründet die weltweite Ausnahmestellung des Dauerbrenners 911.

Prototypenbau

Mitte der 1930er-Jahre wird so aus dem Konstruktionsbüro zusätzlich ein Entwicklungs- und Versuchsbetrieb. Die ersten Prototypen entstehen in der Garage des Porsche-Anwesens auf dem Stuttgarter Killesberg. Doch bald wird deutlich mehr Platz benötigt. Im Mai 1937 erwirbt die Gesellschaft ein rund drei Hektar großes Areal in Stuttgart-Zuffenhausen und errichtet hier das erste Werk – die Keimzelle der heutigen Porsche AG. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt der Sohn, seine Vision eines Sportwagens zu realisieren: die Basis für den 356. Der Rückhalt aus dem Team Ferdinand Porsches ermöglicht ihm die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens in Stuttgart und den Ausbau des Konstruktionsbüros zum Automobilproduzenten – der Grundstein für das heutige Weltunternehmen. Diese Entwicklung sichert langfristige Stabilität und damit die Pflege familiärer Werte und Traditionen, die nach wie vor den Kern der Unternehmenskultur bilden. Auch die Auseinandersetzung mit kritischen Themen wie der Rolle Ferdinand Porsches in der Zeit des Nationalsozialismus gehört heute für das Unternehmen Porsche zur Aufgabe.

Das 1931 gegründete Konstruktionsbüro gilt auch als Ursprung der Kundenentwicklung, die seit 2001 in der Porsche Engineering Group GmbH mit Sitz im Entwicklungszentrum Weissach zusammengefasst ist. Was einst im kleinen Maßstab begann, findet bei Porsche Engineering heute seine Fortsetzung mit rund 1.700 Mitarbeitern an Standorten in Deutschland, Tschechien, Rumänien, Italien und China. Längst reicht die Expertise über zukunftsweisende Disziplinen der Automobilentwicklung hinaus und umfasst etwa Funktions- und Softwarethemen.