Routine

Wir Menschen leben mit und orientieren uns an Gewohnheiten. Sie geben uns den täglichen Halt. Ob das gut oder schlecht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Doch hin und wieder sollten wir zu unserem Wohlergehen unsere Routinen hinterfragen, meint luckx – das magazin.

Konzentration

Konzentration, Gedächtnisleistungen und Entscheidungsfähigkeit bestimmen unser Leben. Meist unbewusst, blitzschnell und automatisiert treffen wir täglich 20.000 bis 35.000 Entscheidungen. Dazu gehören solche Entscheidungen wie etwa der nächste Schritt beim Gehen oder ob man die Straßenseite wechselt. Dabei steuert das Gehirn über 90 Prozent aller Handlungen im Hintergrund (z. B. den Arm heben, beim Autofahren schalten). Auch die Alltagsfragen wie was ziehe ich an, welchen Weg nehme ich, schreibe ich jetzt eine Nachricht oder warte ich? Wenn wir die Schlafenszeit einmal ausschließen sind das etwa 2.000 kleine und große Entscheidungen pro Stunde. Dabei werden wir durch unser Handeln beeinflusst. So können der Kaffee am Morgen, das Arbeit vor dem Bildschirm oder ein Glas Wein am Abend unser Verhalten beeinflussen. Manche dieser Routinen sind harmlos, andere schaden uns mehr, als wir denken. Besonders kritisch wird es, wenn es um das Gehirn geht. Denn bestimmte Verhaltensmuster können unsere geistige Leistungsfähigkeit messbar verschlechtern, wenn wir sie nicht rechtzeitig durchbrechen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gut wir im Alltag Probleme lösen, Entscheidungen treffen und Informationen verarbeiten können. Psychologen sprechen hier von „erfolgreicher Intelligenz“. Und die hängt viel stärker von unseren täglichen Routinen ab, als vielen bewusst ist.

Denken

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Intelligenz ist unveränderlich. Wer das glaubt, verschenkt Chancen, heißt es in einem Beitrag von Psychology Today. Diese Einstellung wird in der Psychologie als „Fixed Mindset“ bezeichnet. Das Gegenteil – das sogenannte „Growth Mindset“ – geht hingegen davon aus, dass sich Intelligenz trainieren lässt wie ein Muskel. In einer Untersuchung von Blackwell und Kollegen wird belegt, dass Schüler, die mit dieser Haltung lernen, innerhalb eines Jahres ihre Matheleistungen verbesserten. Gleichaltrige mit starrer Denkweise stagnierten. „Es ist faszinierend, dass das innere Drehbuch, das wir abspielen, buchstäblich die Richtung unserer Leistung verändern kann“, schrieben die Forscher.

Schlafmangel

Schlaf ist für das Gehirn weit mehr als eine Pause. Während der Nacht verarbeitet es Erlebnisse, verknüpft Erinnerungen und repariert sich selbst. Fehlt diese Zeit, sinkt die Leistungsfähigkeit spürbar. Eine Studie fand heraus, dass schon 24 Stunden ohne Schlaf die Reaktionszeit deutlich verlängern. Auch weniger gravierender Schlafmangel hat Folgen: Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen und Gedächtnis leiden. Schlaf ist integraler Bestandteil des Wohlbefindens vieler Spezies. Unsere Gehirne sind an die Rhythmen einer inneren Uhr gekoppelt, lässt sich als Ergebnis der Studie festhalten.

Alkoholkonsum

Alkohol verändert nicht nur kurzfristig das Denken. Studien belegen, dass bereits regelmäßiger moderater Konsum das Gehirn dauerhaft schädigen kann. Eine Untersuchung von 1781 Verstorbenen ergab: Bei starken Trinkern war die Wahrscheinlichkeit für Gefäßschäden im Gehirn um 133 Prozent erhöht. Auch bei ehemaligen starken Trinkern lag sie noch um 89 Prozent höher als bei Abstinenzlern. Außerdem traten sogenannte Tau-Fibrillen, die eng mit Alzheimer in Verbindung stehen, bei starken Trinkern um 41 Prozent häufiger auf, bei ehemaligen Trinkern um 31 Prozent. Herausgefunden wurde, dass Selbst moderates Trinken die kognitive Leistung langfristig beeinträchtigen kann.

Struktur

Das Gehirn braucht klare Abläufe. Ohne Struktur entsteht ein Gefühl von Leerlauf. Wer Aufgaben ständig verschiebt, arbeitet ineffizienter und fühlt sich gleichzeitig gestresster. Aus einer Studie kam heraus, wenn Studenten eine hohe Neigung zum Aufschieben in Tests neigen, sie in den exekutiven Funktionen schlechter abschnitten. Festhaten lässt sich aus dieser Studie, dass auch die brillantesten Denker Disziplin und Struktur brauchen, um voll zu funktionieren.

Umfeld

Das geistige Umfeld ist ebenso wichtig wie Schlaf oder Ernährung. Negative Menschen, ständige Ablenkung oder ein Übermaß an belanglosen Inhalten wirken wie Junkfood fürs Gehirn. Eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2017 belegt, dass sich die Stimmung von Teenagern mit der Zeit derjenigen ihrer Freundesgruppe angleicht. Besonders negative Gefühle erwiesen sich als ansteckend. So passen sich Menschen an das mentale Grundniveau stillschweigend an, dass sie durch das emotionale „Ernährungsangebot ihrer Freundesgruppe bekommen.

Fazit

Es sind nicht spektakuläre Ereignisse, sondern kleine Routinen, die unsere geistige Fitness prägen. Besonders gefährlich sind sie deshalb, weil wir sie oft kaum wahrnehmen. Ein Mangel an Selbstwahrnehmung verstärkt die Wirkung. Deshalb ist es wichtig, dass wir aufmerksam beobachten müssen, was in unserem Kopf passiert. Sonst laufen diese Muster unbemerkt weiter ohne das wir darauf reagieren. Aber: es reichen schon wenige Veränderungen um den Abwärtstrend zu stoppen. Besonders hilfreich ist es, geregelte Schlafzeiten einzuhalten und Schlafmangel zu vermeiden. Unbedingt sollten wir den

Alkoholkonsum reduzieren. Der erste Schritt ist, den Konsum zu überdenken und gegebenenfalls einzuschränken. Wir müssen uns Strukturen schaffen und dabei Aufgaben klar gliedern, Deadlines setzen und an ihnen festhalten. Wer die eigene Lernfähigkeit anerkennt und gezielt trainiert, kann sein persönliches Wachstum fördern. Schlussendlich sollten wir dringend unser soziales Umfeld auf den Prüfstand stellen. Deshalb sollten wir den Kontakt zu Menschen pflegen, die positiv und stabil auf uns wirken.