Nun wird uns Deutschen immer gern nachgesagt, wir wären Erbsenzähler und sehr penibel. Doch wenn wir uns in Europa umschauen, finden wir viele andere Nationen, die dieses Gen auch für sich beanspruchen, wie luckx – das magazin recherchierte.
Transparenz
Nun lässt sich der Europäischen Union viel vorwerfen. Dazu gehört sicherlich auch Geldverschwendung und Vertuschung. Doch eigentlich weiß es der Verwaltungsapparat in Brüssel ganz genau und will es manchmal aber nicht genau mitteilen: Rechenschaftspflicht und der Transparenz. Diese beiden Begriffe gehören zum europäischen Fundament der Demokratie und sind zentrale Werte. Für den Europäischen Rechnungshof waren sie daher schon immer bildlich gesprochen in Stein gemeißelt. Von nun an sind sie es auch tatsächlich. Konkret handelt es sich um Steine aus der Akropolis in Athen, die in Luxemburg ausgestellt sind.
Schon seit 1977 und somit seit fast einem halben Jahrhundert trägt diese Einrichtung als Hüter der EU-Finanzen zur Rechenschaftslegung der EU bei, und zwar durch die unabhängige externe Prüfung der Rechnungsführung und der Leistung der EU. Das ist eine beachtliche Errungenschaft, die aber gering erscheint im Vergleich zu den Anfängen der Rechenschaftspflicht auf unserem Kontinent. Vor mehr als zweitausend Jahren im antiken Griechenland, das häufig als Wiege der europäischen Demokratie bezeichnet wird, wurde erkannt, dass die Rechnungsprüfung ein wichtiges Gegengewicht zur Regierung darstellt. Im vierten Jahrhundert v. Chr. befasste sich der Philosoph Aristoteles in seiner Schrift Politik mit Regierungskunst und -wissenschaft und stellte fest:
Nicht nur Leihgabe
Da einige Ämter, wenn auch nicht alle, erhebliche Beträge öffentlicher Gelder verwalten, ist es unumgänglich, dass es eine eigene Behörde gibt, die, ohne irgendeine weitere Aufgabe wahrzunehmen, die Verwaltung (dieser Mittel) überprüft und vor der die Beamten Rechenschaft ablegen müssen. Manche nennen diese Beamten Rechenschaftsbeamte, andere Rechnungsprüfer, wieder andere Untersuchungsbeamte und einige öffentliche Ankläger. Vom Akropolis-Museum in Athen erhielt der Europäische Rechnungshof nun als Leihgabe die Buchführung der Akropolis von vor mehr als 2.000 Jahren. Bei den Ausstellungsstücken handelt es sich um einzigartige Kopien der Finanzkonten für den Bau der Athena-Statue aus Gold und Elfenbein, die im Zentrum des Parthenon stand. Die Steinplatten (Stelen) enthalten die vollständige Buchführung über die Einnahmen und Ausgaben der Beamten, die der Athener Staat mit der Bauaufsicht beauftragt hatte. Die auf den Stelen verbuchten ungewöhnlich hohen Geldbeträge könnten bedeutet haben, dass das zur Errichtung des Standbilds der Athena Parthenos verwendete Gold als staatliche Reserve für Notfälle verwendet werden konnte.
Es bleibt die Hoffnung, dass diese in Stein gemeißelte Buchführung künftig die EU-Abgeordneten auf ihre Pflichten hinweist und uns solche Verschwendungssucht wie die der früheren rechtsradikalen EU-Abgeordneten Marine Le Pen erspart bleibt.