Prinzip Porsche

Wie in jedem Unternehmen gab und gibt es auch bei Porsche immer wieder Krisensituationen. Deutlich wird so etwas am Absatzmangel. Wenn ein Produkt nicht nachgefragt wird, müssen eben Änderungen her. Wie der Ingenieur Ferdinand Porsche schon zu Beginn tat, zeigt luckx – das magazin auf.

Treue zur Herkunft

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert begründet der Ingenieur Ferdinand Porsche eine technologische und unternehmerische Philosophie, die bis heute fortgeführt wird. Die Treue zur Herkunft bildet das Fundament für den Erfolg des Unternehmens. Die Geschichte von Porsche beginnt elektrisch. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert konstruiert Ferdinand Porsche seine ersten Elektro- und Hybridfahrzeuge. Auch aktuell ist diese Geschichte lebendiger denn je. Technologisch wie unternehmerisch setzt Ferdinand Porsche früh Maßstäbe, bereitet die Wege für Konstruktionen und Prinzipien, die prägend für die Entwicklung des Unternehmens sind. Was mit ihm beginnt, setzt sein Sohn Ferry später fort: 1948 präsentiert dieser mit dem 356 „Nr. 1“ Roadster das erste Fahrzeug, das nach der Familie benannt ist. Seit dem ersten 356 ist der Sportwagenhersteller untrennbar dem Namen Porsche verbunden – eine Beständigkeit, die zu einer zentralen Säule des Erfolgs wurde.

Antriebstechnologie

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigt sich der junge Ingenieur mit innovativen Antriebstechnologien. Einem internationalen Publikum bekannt wird sein Name im Jahr 1900 auf der Pariser Weltausstellung: Er präsentiert dort mit dem System Lohner-Porsche ein innovatives Elektrofahrzeug, angetrieben von Radnabenmotoren. Mit der Idee, Elektro- und Verbrennungsantrieb zu kombinieren, geht der Konstrukteur noch einen Schritt weiter. Noch im selben Jahr entsteht mit dem Lohner-Porsche Semper Vivus („immer lebendig“) das weltweit erste funktionsfähige Vollhybridfahrzeug. Dieses Konzept entwickelt er stetig weiter: Der Lohner-Porsche soll als Serienmodell erstmals die Alltagstauglichkeit hybrider Antriebstechnik beweisen. Durchsetzen kann sich die Technologie aber erst mehr als 100 Jahre später. Im Jahr 2010 greift der Sportwagenhersteller unter dem Stichwort „Intelligent Performance“ mit drei verschiedenen Hybridfahrzeugen dieses Erbe des Unternehmensgründers wieder auf.

Grundlagen

Ferdinand Porsche ist von Anbeginn überzeugt, dass Innovation und Effizienzsteigerung durch Wettbewerb beschleunigt werden. Leistungsdefizite gleicht er unter anderem durch möglichst geringe Luftwiderstände und ein möglichst niedriges Gewicht aus. Ein prominentes Beispiel für die Leichtbauweise ist der Austro-Daimler ADS-R „Sascha“, die Rennversion des von Porsche und seinem Förderer Alexander („Sascha“) Joseph Graf Kolowrat-Krakowsky geplanten Kleinwagens. Vier Prototypen feiern 1922 ihre Premiere bei der Targa Florio, dem waghalsigen Straßenrennen auf Sizilien. Zwei von ihnen erringen auf Anhieb einen Doppelsieg in ihrer Klasse. Wenig später wechselt der Ingenieur zur Daimler-Motoren-Gesellschaft nach Stuttgart – ein großer beruflicher wie privater Schritt. Auch während seiner Zeit bei Daimler lässt er es sich nicht nehmen, zur Targa Florio nach Sizilien zu reisen. Der unter seiner Regie konstruierte Mercedes-Kompressorwagen SSK belegt 1924 einen respektablen dritten Platz in der Kategorie „Hubraum 1501 bis 2000 ccm“.

Die leistungsstarke Kompressortechnik war eine Erfindung Paul Daimlers. Porsche entwickelte sie erfolgreich weiter. Hier zeigt sich eine weitere charakteristische Eigenschaft des Konstrukteurs: Meist erfindet er wegweisende Technologien nicht selbst, besitzt aber die Weitsicht, die richtigen Innovationen zu entdecken und sie mit einem hochkompetenten Team zu verfeinern. Eine direkte Analogie lässt sich ein halbes Jahrhundert später zum Einsatz der Turbotechnik bei Porsche bilden: Die Technologie wird nicht im Unternehmen erfunden (das erste Patent dafür stammt aus dem Jahr 1905), aber in den 1970er-Jahren unter Leitung des Porsche-Enkels Ferdinand Piëch zur Einsatzreife gebracht. Zuerst für den Motorsport mit dem 917, dann für die Serie mit dem 911 (930) Turbo – getreu dem Prinzip „von der Rennstrecke auf die Straße“. Dieser Technologietransfer ist von Anfang an ein Leitmotiv im Denken des Unternehmensgründers – und bis heute eine zentrale Säule der Markenphilosophie. Der Turbo markiert seit 1974 traditionell die Spitze der jeweiligen 911-Generation.

Eine Familie schreibt Geschichte

Die einst geplante Serienversion des ADS-R „Sascha“ verkörpert die Vision eines kleinen, leichten Wagens für das Volk. Schon in den 1920er-Jahren will Porsche Mobilität für jedermann ermöglichen: ein erschwingliches Fahrzeug mit Platz für die ganze Familie. Diese Idee treibt ihn über Jahrzehnte hinweg an und er versucht schließlich zusammen mit seinem Schwiegersohn Anton Piëch und dem Pforzheimer Adolf Rosenberger, sie im Rahmen eines eigenen Konstruktionsbüros zu realisieren. Dieses wird am 25. April 1931 in Stuttgart im Handelsregister eingetragen – mitten in einer schweren Wirtschaftskrise. Nachhaltige Erfolge sind nur mit einer eingeschworenen Mannschaft zu bewältigen. Mit der Gründung des Konstruktionsbüros schart Porsche bewährte Techniker und Ingenieure um sich. Nahezu alle sind ihm aus seinen früheren Wirkungsstätten gefolgt. Sie bleiben dem Unternehmer und dem Unternehmen oft lebenslang verbunden. So etwa Karl Rabe, dem Porsche 1913 bei Austro-Daimler begegnet ist. In Stuttgart wirkt Rabe zunächst als Chefkonstrukteur, später als Prokurist und schließlich als Geschäftsführer. Bis zu seinem Tod 1968 bleibt er enger Berater von Ferry Porsche. Auch der Motorenspezialist Josef Kales kommt ursprünglich von Austro-Daimler, ebenso wie Franz Xaver Reimspieß, der dort mit 15 Jahren als Laufbursche angefangen hat. Karosseriekonstrukteur Erwin Komenda ist Porsche von Steyr gefolgt. Bis zu seinem Tod 1966 bleibt er Chefkonstrukteur der Karosserieabteilung. Die Einbindung der Familie spielt für das Unternehmen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Ferdinand Porsche integriert seinen Sohn Ferry frühzeitig in die gemeinsame Arbeit. Der Junior ist von der Schaffenskraft des Vaters begeistert: „Er sah immer neue Horizonte“, sagt er später, „und kreierte immer wieder Automobile, die ihrer Zeit voraus waren.“ Wird fortgesetzt.