Unvergleichlich

Wer sich mit der Geschichte des Automobilbauers Lamborghini beschäftigt, kommt um die Produktion der auch noch heute gefertigten Traktoren nicht herum. Damals ein revolutionäres Konzept. Genau wie einer der erste Supersportwagen, der Miura. Luckx – das magazin blickt auf dessen 60 jährigen Geschichte.

Supersportwagen

Im Jahr 2026 feiert das Automobili Lamborghini Museum den 60. Geburtstag des Lamborghini Miura mit der Ausstellung „Born Incomparable“, die seit dem 18. März 2026 bis Januar 2027 zu sehen ist. Der Ausstellungsrundgang erzählt die Entstehung, Entwicklung und das Vermächtnis eines der ikonischsten Modelle der Marken- und Automobilgeschichte. Zu diesem Anlass präsentiert das Museum eine besondere Auswahl an Miura-Exponaten, darunter das erste Chassis von 1965 sowie einen Miura P400 S. Im Laufe des Jahres werden außerdem zwei äußerst seltene Fahrzeuge zu sehen sein: der Miura Roadster, ein einzigartiges Projekt des Designstudios Bertone aus dem Jahr 1968, und der Miura SVJ, abgeleitet von einem experimentellen Prototypen, den Lamborghini-Testfahrer Bob Wallace 1970 entwickelt. Darüber hinaus wird Automobili Lamborghini 2026 ein umfangreiches Programm an Jubiläumsaktivitäten ausrichten. „Für Lamborghini markierte der Miura einen Moment außergewöhnlicher Revolution und einen entscheidenden Impuls für die Zukunft des Unternehmens. Diese Geschichte durch eine Ausstellung zu erzählen, die diesem ikonischen Modell gewidmet ist, ist ein wesentlicher Schritt zur Feier seines 60-jährigen Jubiläums“ , erklärt Federico Foschini, Chief Marketing and Sales Officer von Automobili Lamborghini. „Mit dieser Ausstellung möchten wir Besucherinnen, Besuchern und Enthusiasten die Möglichkeit bieten, einige besonders bedeutende Exemplare aus nächster Nähe zu erleben. Zugleich sollen sie die Geschichte des Miura neu entdecken und damit auch seine grundlegende Rolle bei der Prägung der Lamborghini‑DNA“.

Ursprung

Die Ausstellung „Born Incomparable“ umfasst die wichtigsten Meilensteine des Miura in seiner technischen und stilistischen Entwicklung anhand besonders repräsentativer Modelle. Den Auftakt bildet das Miura-Chassis – das ursprüngliche Fahrgestell, das 1965 erstmals auf dem Turiner Autosalon präsentiert wurde. Es wurde damals noch vor dem fertigen Fahrzeug gezeigt, als freigelegte, mattschwarz lackierte Struktur mit dem quer hinter dem Cockpit montierten V12-Motor. Das Chassis zog sofort die Aufmerksamkeit des Publikums und der Fachwelt auf sich. Die sehr leichte Gitterrohrrahmenkonstruktion aus Stahl, geprägt von dünnwandigen Rohren und zahlreichen Gewichtsreduzierungen, wiegt lediglich 120 Kilogramm. Sie verkörpert eine radikale technische Lösung, die die damalige Architektur straßenzugelassener Sportwagen nachhaltig prägen sollte.

Neben dem Chassis präsentiert das Museum einen Miura P400 S – die Weiterentwicklung des 1966 vorgestellten ersten Miura. Dieses Modell brachte mehrere technische und komfortbezogene Verbesserungen gegenüber dem P400 mit sich, darunter eine breitere Spur, überarbeitete Koni-Stoßdämpfer sowie hochwertigere Interieurs. Der 3,9-Liter-V12 leistet 370 PS und feierte den Status des Miura als eines der leistungsstärksten Fahrzeuge seiner Zeit. Zugleich unterstrich er die Rolle des Modells als Wegbereiter der Mittelmotor-Supersportwagen.

Grenzen?

Zu den bemerkenswertesten Fahrzeugen, die sowohl in der Ausstellung als auch im dafür eingerichteten Sonderbereich zu sehen sind, zählen zwei außergewöhnliche Modelle: der einzigartige Miura Roadster und der Miura SVJ. Der Miura Roadster, der im Januar 1968 auf dem Brüsseler Autosalon präsentiert wurde, entstand als Einzelstück und wurde als Showcar konzipiert. Er verkörpert eine der radikalsten Interpretationen der Miura-Designsprache. Ohne Dach, Seitenscheiben oder Schließmechanismen verwandelt der Roadster die Berlinetta in eine wahre, sich bewegende Skulptur. Das Design betont die Einheit seiner Linien mit einer niedrigeren, stärker geneigten Windschutzscheibe sowie einem komplett neu gestalteten Heckdeckel, der den Blick auf den V12-Motor freigibt. Das Fahrzeug debütierte in einer eleganten Farbkombination aus Lamè Sky Blue (Blau) für die Karosserie, weißes Lederinterieur und roten Teppich – ein Auftritt, der auf die Aufmerksamkeit des Publikums und der internationalen Presse ausgelegt war. Diese Optik zeichnet den Roadster auch heute noch aus, nachdem er vor einigen Jahren umfassend restauriert wurde.

Miura SVJ

Außerdem bereichert der Miura SVJ die Ausstellung um eine weitere Rarität: Der SVJ zählt zu den seltensten und legendärsten Varianten, die jemals vom ersten Supersportwagen der Automobilgeschichte produziert wurden. Die Bezeichnung SVJ leitet sich vom Miura Jota ab – dem experimentellen Prototyp, den Lamborghini-Testfahrer Bob Wallace 1970 entwickelte, um das maximale Leistungspotenzial des Miura nach Motorsport-Gesichtspunkten auszuloten. Nach der Zerstörung des ursprünglichen Jota baten mehrere Kunden Lamborghini darum, straßenzugelassene Fahrzeuge mit ähnlichen Eigenschaften zu fertigen – so entstand der Miura SVJ. Er wurde in äußerst geringer Stückzahl auf Basis vorhandener SV-Modelle gebaut und mit technischen sowie aerodynamischen Lösungen ausgestattet, die vom Rennprototyp inspiriert waren. Der SVJ gilt damit als eine der extremsten und beliebtesten Varianten des Miura überhaupt.

Zeitgenössische Interpretationen

Neben den historischen Fahrzeugen präsentiert die Ausstellung auch zeitgenössische Interpretationen, die dem Miura und seinem stilistischen Erbe Tribut zollen. Unter ihnen befindet sich der Aventador LP 780-4 Ultimae Roadster Miura Omaggio – ein besonderes Exemplar und gleichzeitig der letzte jemals produzierte Aventador Roadster, der über das Ad-Personam-Programm als Hommage an den Lamborghini Miura Roadster seines Besitzers konfiguriert wurde. Das Fahrzeug greift mehrere Designelemente des Miura Roadster von 1968 auf: von der Karosseriefarbe Azzurro Flake (Blau), die vom ursprünglichen Prototyp inspiriert ist, bis hin zu glänzend schwarzen Details in Carbonfaser, die den offenen und radikalen Charakter des historischen Modells zitieren. Dieses Einzelstück bildet eine symbolische Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und würdigt das stilistische Erbe des Miura im letzten V12-Aventador, bevor die Marke in ihre neue elektrifizierte Ära eintrat.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung das Miura Concept, eine 2006 vorgestellte Designstudie zu Ehren des legendären Miura. Das Projekt, das unter der Leitung von Walter de‘ Silva – damals Leiter der Lamborghini-Designabteilung – entstand, interpretierte die Proportionen und Linien des berühmten 1960er-Jahre-Supersportwagens in einer modernen Formensprache. Auf Basis der Gallardo-Plattform und einer zeitgemäßen technischen Architektur stellt das angepasste Miura Concept ein Designstück dar, das einige der ikonischsten Elemente des Originals – von den fließenden Linien bis zum flachen Profil – neu interpretiert. Als „What‑if“-Projekt konzipiert, war das Modell nicht für die Serienproduktion vorgesehen. Dennoch zählt es bis heute zu den beliebtesten Tributen unter Enthusiasten, da es Tradition und Moderne auf eindrucksvolle Weise verbindet.

Mit dieser Ausstellung ehrt das Automobili Lamborghini Museum ein Fahrzeug, das die Definition des Supersportwagens neu geprägt hat. Auch sechzig Jahre nach seinem Debüt steht der Miura weiterhin für Innovation, Design und visionäre Kraft – eine Ikone, die Generationen von Automobilen und Enthusiasten auf der ganzen Welt inspiriert.