Immer mehr Regionen beklagen zu viel touristische Besucher. Doch ist dieser Ansturm den Gästen anzulasten? Eigentlich nicht. Es ist wohl eher die Gier nach mehr Einnahmen, mehr Gewinn und mehr Infrastrukturinvestionen gewesen, die Gäste anzieht. Doch wie kann die Zukunft aussehen, fragt luckx – das magazin?
Alternative
Um dem Overtourismus einzuschränken, den örtlichen Bewohnern wieder mehr Freiheiten zu ermöglichen, werden Zugangsbeschränkungen eingeführt. Zum Teil mit teuer zu bezahlenden Tickets. Das verdrängt das Problem eigentlich nur auf andere, naheliegende Regionen. So wird das Reisen für viele Mitbürger zu einem teuren Unterfangen. Urlaub in bestimmten Regionen wird nur noch vom Geldbeutel abhängig sein. Die Freiheit des Reisens wird eingeschränkt. Ob das zur Europäischen Gemeinschaft passt ist bedenklich. So bietet sich eine andere Lösung geradezu an. Regenerativer Tourismus kann sich zu einer zukunftsweisenden Alternative im ökologischen Reisemarkt entwickeln als bewusste Gegenbewegung zum Overtourism. Destinationen sollen dabei nicht nur intakt hinterlassen, sondern aktiv gestärkt werden. Dazu gehören die Regeneration von Umwelt und Landschaften, die Unterstützung lokaler Gemeinschaften und die Vermittlung kultureller Erlebnisse. Regenerativer Tourismus könnte somit ökologisches Engagement, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Fairness verbinden.
Spuren hinterlassen
Studien des Deutschen Wirtschaftsinstituts für Freizeit und Tourismus (dwif) zeigen, dass Reisende nicht nur umweltbewusst und abseits der Massen reisen wollen, sondern zunehmend nach Möglichkeiten suchen, einen positiven Einfluss auf die Destination zu haben. Gäste werden somit zu aktiven Teilnehmenden eines regenerativen Wandels: vom Pflanzen eines Baumes über Pflege von Biotopen bis hin zur Wiederbelebung historischer Strukturen. Für Unternehmen und Unterkünfte im Tourismus bedeutet dies, dass nachhaltige Angebote mit hochwertigen, authentischen und sinnvollen Erlebniswerten kombiniert werden müssen. Verantwortungsvolles Wirtschaften muss strategisch verankert, Betriebsabläufe überprüft und umweltschonende Maßnahmen implementiert werden. Entscheidend sind authentische Initiativen, die Gäste aber auch Mitarbeitende einbeziehen und über die transparent informiert wird. So kann regenerativer Tourismus zu einem Paradigmenwechsel werden. Es kann eine Einladung sein, bewusst zu erleben, zu lernen und einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen.
Belebung ländlicher Gebiete
In Ligurien zeigt das Albergo Diffuso Relais del Maro, wie regenerativer Tourismus die kulturelle Identität kleiner Dörfer stärkt. Das Konzept der Alberghi Diffusi integriert Hotelstrukturen in bestehende Ortskerne und sorgt so für die Erhaltung historischer Gebäude. Gäste erleben lokale Architektur, heimische Traditionen und regionale Gastronomie, während sie gleichzeitig die Wiederbelebung des Dorfes aktiv unterstützen. Die Restaurierung leerstehender Häuser mit örtlichen Materialien, die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde und die Förderung von Handwerksbetrieben sind zentrale Bausteine dieses Ansatzes. Regenerative Konzepte stärken auf diese Weise nicht nur Natur, sondern vor allem soziale und kulturelle Strukturen.
Auf der kroatischen Insel Iž wird deutlich, dass der Erhalt des ursprünglichen Charakters einer Region eng mit einer Begrenzung der Besucherzahlen verbunden ist. Das Hotel Korinjak ist das einzige Hotel auf der Insel und operiert ausschließlich saisonal von Frühjahr bis Frühherbst. Die insgesamt 76 Zimmer sollen nicht erweitert werden, was eine Unterbringung sehr großer Gruppen bewusst ausschließt. In den benachbarten Nationalparks Kornati, Paklenica und Telašćica gelten strenge Zugangsregelungen: Markierte Wege müssen eingehalten, empfindliche Gebiete dürfen nur eingeschränkt betreten und Boote nur in bestimmten Zonen ankern. Gäste zahlen darüber hinaus Eintritt oder benötigen Genehmigungen, was die Nutzung kontrolliert und die Umwelt schützt.
Tourismus als Erlebnis
Eco-Tourismus bedeutet, die Umwelt zu schonen; regenerativer Tourismus geht einen Schritt weiter: Er stellt sie aktiv wieder her, bereitet lokale Ökosysteme auf und fördert langfristige Resilienz.
In Peru setzt sich die Hotelgruppe Inkaterra seit mehr als 50 Jahren aktiv für den Schutz der einzigartigen Ökosysteme des Landes ein. Von Beginn ist das „Zurückgeben“ der Kern der Inkaterra-Philosophie und eine Herzensangelegenheit der Inhaberfamilie rund um Öko-Pionier José Koechlin von Stein. Sei es die Renaturierung ehemaliger landwirtschaftlicher Flächen in Machu Picchu Pueblo mit einheimischem Nebelwald, die enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden zur Minimierung des Mülls (ebenfalls Machu Picchu Pueblo), die Errichtung eines privaten Meeresschutzgebiets im Norden Perus oder der aktive Schutz und die Erforschung des Regenwalds am Rande des Tambopata Nationalparks am Madre de Dios River. Gäste erleben auf Führungen, Naturerlebnissen und Exkursionen die Projekte und Forschung hautnah und unterstützen mit ihrem Aufenthalt das Engagement der Hotelgruppe. Wird fortgesetzt.