Der Caravan war ein Kombi

Opels Namensgebung für ihre Fahrzeug war schon besonders. Ob Olympia, Rekord, Admiral oder Kadett. Aber vielleicht ist das generell bei Automobilherstellern so. Jedenfalls passt viel hinein in die Kombiversion wie luckx – das magazin selbst erfahren hat.

Auto mit Platz wie im Bus

Vor vielen Jahren war unser Redakteur Patrick Skiberg selbst stolzer Besitzer eines Opel Rekord D Caravans. Ob zum Camping in Skandinavien oder mal ein Wochenende in München. Der Platz reichte für eine Liegefläche für zwei Personen aus. Auch bei Minus 20 Grad. Das galt übrigens nicht nur für den Rekord. Auch der Opel Kadett Caravan war so ein Lademeister. Zwar mit etwas geringeren Ausmaßen. Aber für einen Studentenumzug hat er immer gereicht. Diese Praktikabilität hat in der Opel-Kompaktklasse Tradition. Los ging’s mit dem Kadett A Caravan. Opel stellt mit ihm 1963 seinen ersten Kompaktklasse-Kombi vor und wird schnell Marktführer in diesem Karosseriesegment. Fortan gehört ein Auto praktisch wie ein Van – also ein „Car a van“ – zu jeder neuen Kadett- und der heutigen Astra-Generation. Und da sich Kombis mit den Jahrzehnten immer mehr von typischen Handwerker- zu Lifestyle-Gefährten mit Praxis-Charakter gewandelt haben, trägt seit 2010 jeder „lange“ Astra den Namenszusatz Sports Tourer.

Drei Autos in einem

Der Opel Kadett Caravan revolutioniert 1963 die Kompaktklasse. Der zum Start als „Caravan 1000“ eingeführte Kombi ist erstmals wahlweise für den Personen- als auch für den Lastentransport konstruiert. Großer Kofferraum und dank einer dritten Sitzreihe viel Platz für bis zu sechs Personen (vier Erwachsene und zwei Kinder), ein neuer, drehfreudiger Motor und geringe Unterhaltskosten sind das Erfolgsrezept des 3,92 Meter langen und 1,48 Meter breiten Kadett A Caravan. In den Worten der damaligen Opel-Verantwortlichen: „Die Karosserie ist auf einen großvolumigen Laderaum abgestellt, der durch eine an der Rückwand nach oben zu öffnende Ladeklappe zugänglich ist. Dieser bequeme Zugang gestattet leichtes Be- und Entladen. Die rückwärtige Sitzbank kann umgelegt werden, wodurch der Laderaum auf 1,5 Meter verlängert wird.“ Für einen Campingeinsatz war er dann doch zu eng. Doch der Kofferraum ist mehr als ein vollwertiges Gepäckabteil; selbst ein Kühlschrank lässt sich im Pkw transportieren. Zugleich sind beide Features seinerzeit nicht selbstverständlich. Sowohl die Klappe, die für den leichteren Zugriff zum Heck nach oben aufschwingt und beispielsweise bei schlechtem Wetter als Regenschutz dient, als auch die umklappbare Rückbank stellen Neuheiten dar und zeigen, wie Opel schon damals Praktikabilität mit Komfort in Einklang bringt. Die Platzverhältnisse im Innenraum verblüffen bisherige Kleinwagen-Fahrer – der Kadett Caravan überzeugt so als ideales Familien-, Urlaubs- und Arbeitsgefährt in einem.

Linienführung

Die Linienführung das Kadett Caravan ist dabei sachlich-modern gehalten: Die Gürtellinie liegt tief, die großen Glasflächen – laut damaligem Werbeprospekt in Summe rund zwei Quadratmeter – sorgen für gute Übersichtlichkeit. Eine über die gesamte Seitenlinie laufende Zierleiste betont die gestreckte Form. Die vorderen Kotflügel laufen in die Scheinwerfer aus. Und schon in den 1960er Jahren findet sich als Design-Merkmal in der Mitte der Motorhaube die zum Kühlergrill hin verlaufende, optisch angedeutete typische Bügelfalte. Weiteres ebenso praktisches wie das Wohlbefinden der Passagiere steigernde Plus des Kadett Caravan: Der Tankverschluss liegt außen. „Opel Kadett kurz gesagt: O.K.“, loben die Werbetexter, die sich auch einen Seitenhieb auf den damaligen Hauptkonkurrenten aus Wolfsburg nicht verkneifen können. „Nie haben Sie Benzingeruch im Kofferraum“, heißt es mit einem Augenzwinkern in Richtung Käfer. Und mit seinem modernen, wassergekühlten Frontmotor bietet der Kadett einen weiteren konstruktiven Vorteil gegenüber dem VW. Der 993 cm³ große Vierzylinder leistet 40 PS. Mit diesem Rezept entwickelt sich der erste Kadett Caravan zum Verkaufsschlager. Er wird bis 1965 gebaut und legt die Basis für den weiteren Erfolg aller folgenden Kompaktklasse-Bestseller aus Rüsselsheim.

Zeitenwechsel

Zeitenwechsel: Der neue Opel Astra Sports Tourer stellt 2026 die jüngste Entwicklungsstufe des Kompaktklasse-Bestsellers „made in Germany“ dar – entworfen, entwickelt und gebaut am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. Im Vordergrund des nunmehr 4,64 Meter langen und 1,86 Meter breiten (mit eingeklappten Außenspiegeln) Laderiesen stehen natürlich wieder Praktikabilität und Flexibilität. So glänzt der Astra Sports Tourer als echter Alleskönner für Alltag, Beruf und Freizeit, der sportliches Styling mit „Nehmer-Qualitäten“ verbindet. Das zeigt der vielfältig nutzbare Kofferraum. So passen im Kombi je nach Variante bei umgelegten Sitzen bis zu 1.634 Liter an Gepäck ins Heckabteil. Da finden nicht nur zahlreiche Koffer und Arbeitsutensilien, sondern auch voluminösere Gegenstände wie Transportboxen bequem Platz, angenehm einfach zu beladen über die rund 60 Zentimeter niedrige Ladekante. Und sollen Skier oder ein Surfbrett mit an Bord, kann die Rücksitzlehne flexibel im Verhältnis 40:20:40 umgeklappt werden, die Ladelänge am Boden erweitert sich so auf bis zu 1,85 Meter.