Krötenwanderung

Was für den einen herrliche Musik ist, stört andere in ihrer Nachtruhe: Das Kröten quaken. Doch wenn es das einmal nicht mehr geben sollte, wird allen etwas fehlen. Deshalb haben Naturschützer seit vielen Jahren das Krötenretten auf ihre Fahne geschrieben. So sind Jahr für Jahr in der gesamten Republik Naturschutzgruppen unterwegs und versuchen, den Amphibientod auf unseren Straßen zu verhindern. Es werden Fangzäune aufgestellt, Kröten über die Straße getragen und Ersatzlaichgewässer angelegt. Ohne dieses vielfache Engagement wäre es um unsere Frösche und Kröten deutlich schlechter bestellt.

Steigende Temperaturen

Doch jeder kann mithelfen bei der Krötenrettung. Mit steigenden Temperaturen machen sich die Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Deshalb ist gerade zu dieser Zeit noch mehr Vorsicht beim Autofahren geboten. Im Flachland, vor allem in den Flusstälern, sind sie auf dem Weg. Auf Amphibienwanderstrecken sollte höchstens 30 Stundenkilometer gefahren werden. Das kann vielen Tieren das Leben retten. Denn sie können nicht nur durch direktes Überfahren sterben, sondern auch wenn Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind. So erzeugen hohe Geschwindigkeit einen so hohen Luftdruck, dass die inneren Organe von Fröschen, Kröten und Molchen platzen oder durch den Mund nach außen gestülpt werden. Die Tiere verenden dann qualvoll. Eine umsichtige Fahrweise ist auch wegen der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer nötig. Denn dadurch wird der Einsatz an den Straßen weniger gefährlich, wenn Autofahrer Warnschilder und Tempolimits beachten – zumal die Einsätze in der Dämmerung stattfinden, wenn die meisten Tiere unterwegs sind.

Außerdem: Es gibt wohl kaum eine Naturschutzgruppe, die nicht dringend weitere Helfer sucht, denn Amphibienschutz ist aufwändige Handarbeit. Um mitzutun, sind Vorkenntnisse nicht zwingend nötig. Die Saison erstreckt sich in der Regel über zwei bis drei Monate, mit dem Höhepunkt gegen Mitte März. Es ist schön, wenn jemand an vielen Tagen mit anpacken kann, wer nur einmal oder zweimal Zeit hat, ist aber auch willkommen.

Zunächst müssen Zäune aufgestellt werden – teils übernimmt das die Kommune oder die Straßenbauverwaltung. Stehen die Zäune, müssen diese jeden Tag kontrolliert werden, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen. Befinden sich Amphibien in den Eimern, werden diese in Transporteimer umgefüllt und über die Straße getragen. In der Regel werden dabei auch Anzahl, Arten und Geschlechter notiert. Wie die Hilfe funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist schnell gelernt.

Heimat erhalten

Wer weiß, dass im Heimatort oder in der Nachbarschaft Krötenzäune betreut werden, kann sich einfach an die jeweilige Naturschutzgruppe wenden. Ist dies nicht bekannt, lohnt es sich, auf den lokalen NABU-Websites nachzuschauen. Fast tausend Schutzzäune samt Kontaktadressen sind zudem in der Schutzzaundatenbank des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie versammelt.

Bereits seit 2002 dokumentiert der NABU das jeweilige bundesweite Wandergeschehen tagesaktuell im Internet. Mit 150 teilnehmenden Gruppen war diese Aktion auf Anhieb enorm erfolgreich, inzwischen sind es rund 400. Natürlich lassen sich auch 2021 die Laichwanderungen wieder auf der NABU-Homepage verfolgen. Beteiligen können sich alle Gruppen und Aktiven unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit.