Es geht um Qualität

Nun könnte man meinen, die Winzer sitzen nach erfolgreicher Weinlese nur noch im Weinkeller und schauen zu, dass der Wein gelingt. Und damit es nicht langweilig wird, kommt ab und zu eine Probe ins Glas. Luckx – das magazin hat genauer hingeschaut und wollte wissen, was die Winzer das ganze Jahr so treiben.

Frühjahrsmüdigkeit

Sicherlich, ab und zu muss der Wein verkosten werden. Doch erfolgreiche Winzer zieht es im Frühjahr sofort hinaus in den Weinberg. Da ist von Frühjahrsmüdigkeit nicht zu spüren. Denn in den ersten beiden Monaten des Jahres wird der Grundstein gelegt: Die Rebe wird auf ein bis zwei Ruten zurückgeschnitten. Viele Winzer setzen dabei neue Maßstäbe für die Qualität der später zu erntenden Weine. Das abgeschnittene Holz der Rebe wird oft mit Maschinen verkleinert und in den Boden eingearbeitet. Damit sorgen die Winzer für eine natürliche Humusanreicherung des Bodens. Der Rebschnitt ist bis heute eine sehr aufwendige und intensive Handarbeit, für die jeder größere Betrieb mehrere Wochen einplanen muss.

Auch im Anschluss steht dem Winzer eine arbeitsintensive Zeit bevor: Vor dem Austrieb der Pflanzen werden diese gebogen und durch Binden in Form gebracht, um eine gleichmäßige Versorgung der Triebe mit den nötigen Nährstoffen zu gewährleisten. Durch den Einsatz von Maschinen wird der Boden gelockert und durch die Aussaat von begrünenden Pflanzen wird die natürliche Aktivität des Bodens unterstützt. Moderne Analysemethoden ermöglichen es, Nährstoffmängel des Bodens leicht festzustellen. Durch eine gezielte und auf den Bedarf abgestimmte Düngung und Begrünung der Rebzeilen können die besten Möglichkeiten für die Reben geschaffen und eine Belastung für das Grundwasser vermieden werden. So wenig wie möglich – so viel wie nötig, lautet in den modernen Winzerbetrieben die Devise, wenn es um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geht. Hauptsächlich soll die Rebe durch diese Hilfsmittel gegen tierische Schädlinge und Pilzkrankheiten geschützt werden.

Sommer, Sonne, Weinberg

Mit der Rebblüte beginnt wieder eine hitzige Arbeitsperiode im Weinberg. Qualitätssteigernde Maßnahmen stehen auf dem Programm. Das sogenannte Ausgeizen bezeichnet das Ausbrechen von unerwünschten Trieben, um den Wuchs der vorhandenen Rebentriebe zu stärken. Zwischen Mai und August des Jahres wächst eine riesige Laubwand heran, die es mit dem Arbeitsschritt „Heften“ in Form zu bringen gilt. Mit dem Laubschnitt wird die Laubwand zurückgeschnitten und ebenfalls in Form gehalten. Beim Entlauben werden die Blätter entfernt, um den Trauben mehr Freiheit zu verschaffen. Die bessere Lichteinwirkung und Durchlüftung sorgen am Ende wieder für eine bessere physische Qualität der Trauben. Zudem ist das Entlauben eine Schutzmaßnahme vor der Kirschessigfliege, die schattige und feuchte Zonen bevorzugt.

Vor der eigentlichen Lese der Trauben kann der Winzer zusätzlich zu den bereits ergriffenen Maßnahmen noch einmal die Qualität steigern. Überflüssige und nicht gereifte Trauben werden dabei zwischen Juli und Anfang August herausgeschnitten. Dadurch bleiben weniger Trauben am Stock hängen und diese profitieren entsprechend mehr aus den Extrakten der Wurzel. Die Erntemenge wird damit verringert: Niedrigere Erträge bedeuten in der Regel die besseren und vor allem extraktreicheren Weine.

Herbst

Zum Anfang des Spätsommers wird bereits der Zuckergehalt der Trauben gemessen. Er ist Maßstab für die Reife und er bestimmt wesentlich mit, wann ein Wein gelesen wird. Gemessen wird der Zuckeranteil übrigens in Öchslegraden, einer Einheit die unter anderem Rückschlüsse auf den potentiellen Alkoholgehalt des Weines zulässt.

Die Lesezeit ist sicher der spannendste Moment für den Winzer. Dann entscheidet sich, ob die ganze Mühe zur Pflege des Weinbergs mit einem erfolgreichen Wein belohnt wird. Wann ein Wein reif ist für die Lese, hängt natürlich hauptsächlich von der Rebsorte und der Witterung ab. Letztlich bestimmt der Winzer den Zeitpunkt, an dem die Trauben ihren Weg in den Keller finden. Er schätzt das Wetterrisiko ein, plant, welchen Wein er wann keltern will. Denn einerseits wird ein Wein im Prinzip besser, wenn die Pflanze lange Zeit hat, die Trauben zu versorgen. Andererseits können ein plötzlicher Frost oder eine Regenperiode die Lese beeinträchtigen.

Je höher die angestrebte Weinqualität, desto wichtiger die Frage, ob per Hand oder maschinell geerntet werden soll. Handarbeit ermöglicht eine genaue Selektion: Nur die reifen Trauben werden abgeschnitten. Faule Beeren werden entfernt. Manchmal muss der Leser an mehreren Tagen durch die Weinberge gehen und immer nur die reifen Trauben abschneiden. Das ist teuer. Eine Erntemaschine spart dagegen Zeit und Geld. Das Prinzip: Die Trauben werden durch Vibration abgerüttelt und aufgefangen. Ist der Vollernter korrekt eingestellt und sind die Trauben optimal reif, ist diese Art zu ernten durchaus schonend und bedeutet kaum eine Qualitätsminderung.

Und danach geht’s wieder in den Weinkeller. Doch den Grundstein für einen guten Tropfen legt der Winzer im Weinberg. Wer also das Frühjahr verschläft und den Sommer am Strand verbringt, wird im Herbst nicht zu den erfolgreichen Winzern gehören.