Es ist doch nichts leichter, als alles schlecht zu reden. Die Straßen sind katastrophal, das Gesundheitssystem ist miserabel und und unsere Wirtschaft liegt am Boden. Doch wenn wir einmal genauer hinschauen und uns im Urlaub nicht nur im umzäunten Hotel aufhalten, weitet sich unser Verständnis für unser Land meint luckx – das magazin.
Blick nach vorn
Hier geht es jetzt nicht darum, durch die rosarote Brille alles im positivem Licht darzustellen. Doch wir haben in Deutschland verlernt, auch einmal mit der aktuellen Situation zu leben und am weiteren Vorankommen zu arbeiten. Deshalb schadet es nicht, sich in anderen Ländern umzuschauen. Ja, unsere Straßen müssen saniert werden. In unserem Gesundheitssystem geht mehr und unsere Wirtschaft könnte mehr schaffen. Dazu benötigen wir Arbeitskräfte. Haben wir die in ausreichender Anzahl und mit passender Qualifizierung? Das wäre die Aufgabe des Arbeitsministers. Hier hat er in den vergangenen Jahren kläglich versagt. Weder sein Besuch in der Ukraine, in Mexiko und sonst wo auf der Welt hat für mehr Arbeitskräfte gesorgt. Doch es waren schöne Reisen. Ohne Frage. Seine Aufgabe war es, Menschen in Arbeit zu bringen und nicht für höhere Belastungen unseres Sozialsystems zu sorgen. Leider Fehlanzeige bei über einer Million offener Stellen und fast drei Millionen Unbeschäftigten.
Doch der Blick über den Tellerrand oder den Horizont zeigt uns auch, dass es um Deutschland nicht so schlecht bestellt ist, wie es geht immer dargestellt wird. Da fängt ein Wirtschafts- oder sonstiger Experte etwas an zu plappern und schon wird es von vielen Medien gern kopiert – ohne genauer zu recherchieren oder nachzufragen. Sicherlich, die eine oder andere Situation ist schlechter geworden. Trotzdem ist unsere Wirtschaft immer noch Nummer drei in der Welt, unser Gesundheitssystem zu teuer, aber im Vergleich mit andere Länder sehr gut finanziert und leistungsfähig. Das die kommende Regierung die vernachlässigte Infrastruktur aufpäppelt, ist der richtige Weg. Dazu gehört es auch, nun endlich die seit Jahren geplanten Stromleitungen von Nord nach Süd zu bauen. Das ist Klimaschutz, der gern übersehen wird.
Georessourcen
Was bisher unbekannt oder übersehen wurde, ist, dass es wohl doch ausreichend Lithium in Deutschland verfügbar wäre. Wenn diese Georessource erschlossen werden könnte, wäre das nicht nur gut für die Elektromobilität, sondern würde unsere Unabhängigkeit gegenüber den bisherigen Lieferländern stärken. Denn in allen Ländern ist bekannt, dass Deutschland von für seinen Mobilitätswandel insbesondere auf Lithium angewiesen ist. Dieser Rohstoff ist ein wichtiger Bestandteil von Akkus, wie sie etwa in der Elektromobilität, für Smartphones oder Laptops benötigt werden. Bisher wird das Metall vor allem in Australien, Argentinien, Chile und China gefördert. Insbesondere diese geopolitischen Abhängigkeiten sind der Grund dafür, dass Deutschland nach Wegen sucht, Lithium im Inland zu gewinnen. Das Forschungsprojekt »Li+Fluids« unter Beteiligung der Fraunhofer IEG hat das Potential von Lithium aus Tiefenwässern in Norddeutschland untersucht. Die Studie geht von circa 0,39 bis 26,51 Millionen Tonnen Lithium aus. Zum Vergleich: Die Deutsche Rohstoffagentur schätzt den deutschen Lithium-Bedarf auf bis zu 0,17 Millionen Tonnen im Jahr 2030.
Lithium Vorkommen in Deutschland
In den hydrothermalen Fluiden des Norddeutschen Tieflands haben Forscher bereits früher Lithiumgehalte von bis zu 600 Milligramm pro Liter Tiefenwasser nachgewiesen – insbesondere in Wässern aus den Rotliegend Sandsteinen, dem Zechstein Karbonat und dem Buntsandstein. Die Region lebte lange von der Erdgas-Industrie. Ehemalige und aktive Bohrlöcher – die den einfachen Zugang zu tiefen Schichten ermöglichen – gibt es noch immer etliche. Neben dem Norddeutschen Becken hat das Projekt »Li+Fluid« auch das Thüringer Becken untersucht und Steckbriefe mit Daten zur potenziellen Lithiumgewinnung aus hydrothermalen Fluiden erstellt. Das Ergebnis: Die untersuchten Gesteinsformationen verfügen über ein Potential von circa 0,39 bis 26,51 Millionen Tonnen Lithium gelöst im Tiefenwasser – ausreichend für den deutschen Bedarf mehrerer Jahrzehnte. Katharina Alms, Projektleiterin auf Seiten des Fraunhofer IEGs: „Um die Wirtschaftlichkeit der Lithium-Gewinnung zu steigern, haben wir auch die Kombination mit Geothermieanlagen untersucht: Aus dem geförderten heißen Tiefenwässern könnte in einem Nebenprozess das im Fluid gelöste Lithium abgeschieden werden.“ Das heiße Wasser könnten die Betreiber dann für die Beheizung von Gebäuden, für Produktionsprozesse oder die Stromgewinnung einsetzen. Anschließend flösse das nun deutlich kühlere und abgereicherte Fluid wieder in den Untergrund.
Voraussetzungen
Allerdings müssen für den gemeinsamen wirtschaftlichen Betrieb von Geothermieanlage und Lithiumabscheidung einige Kriterien erfüllt sein, wie etwa eine ausreichend große Fließrate des Untergrundes. So wie im niedersächsischen Munster: Dort ertüchtigen die Stadtwerke derzeit eine alte Erdgasbohrung. Spätestens 2026 will der Energieanbieter die ersten von 4.000 Haushalten mit Fernwärme aus der Anlage versorgen. Gleichzeitig streben die Stadtwerke eine Förderung von bis zu 500 Tonnen Lithium im Jahr über die Anlage an. Katharina Alms: „Wir gehen davon aus, dass ähnliche Konstellationen wie in Munster noch an weiteren Standorten im Norddeutschen Tiefland zu finden sind. Um diese zu identifizieren, benötigen wir jedoch zusätzliche Forschungsprojekte.“
Gefördert wurde die Studie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unter der Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit 1.733.000 Euro. 922.900 Euro davon gingen an die Projektpartner Fraunhofer IEG und Fraunhofer UMSICHT. Die Laufzeit umfasst vier Jahre – von 2021 bis 2024.