Die Reisesaison hat begonnen. Viele Wohnmobilisten sind schon auf deutschen Straßen unterwegs. Doch in Deutschland fehlen schon seit vielen Jahren ausreichend Stell- und Camping-Plätze, um zu Übernachten als auch einen Platz für Besichtigungen und Stadterkundungen zu haben. So lassen einige die deutsche Grenze hinter sich und suchen Ruhe, Entspannung und Erholung im Ausland, wie luckx – das magazin recherchierte.
Auf in den Süden?
Sonne, Strand und Meer ist nicht nur das Ziel deutscher Pauschalurlauber. Zwar haben die Buchungen von Pauschalreisen wieder stärker zugenommen, was aufgrund der Reisebestimmungen z.B. bei Krisensituationen hilft. Doch auch Individualreisende und Camper zieht es beispielsweise gern ans Mittelmeer. Waren es in der Vergangenheit Spanien, Portugal, Marokko, Algerien und Tunesien, so ist nun das östliche Mittelmeer im Fokus mit Bulgarien, teilweise Türkei, Rumänien und Griechenland. Doch seit Mai herrscht Chaos in Griechenland für Wohnmobilurlauber. Ein im Januar 2025 still und heimlich verschärftes Gesetz mit der Nr. 5170/25 fürs Campen hat nicht nur bei den Griechen für völliges Unverständnis gesorgt. Eine Petition des griechischen Camper Verbandes, Berichte in luckx (siehe: Nie wieder Griechenland? ) und in vielen sozialen Medien hat einen Umdenkungsprozess eingeleitet. Das Gesetz wurde von der Regierung zurückgenommen und neu verfasst unter der Nr. 5209/2025. Doch so gut, wie es sich nun die Tourismusministerin gedacht hat, ist es bei den Griechen ganz und gar nicht angekommen. Denn aus aktuellen Berichten in den vergangenen Tagen werden weiterhin Camper drangsaliert, verhaftet und abgeführt. Zwar wurden – bisher – keine neuen Strafen verteilt. Doch Camper zu verhaften, die auf ausgewiesen Parkplätzen parken, viele Stunden auf der Polizeiwache verbringen zu lassen, hat wenig mit der griechischen Gastfreundschaft zu tun.
Griechen campen weiterhin am Strand
Von dieser Gesetzeslage lassen sich die Griechen in keiner Weise einschüchtern. Die bauen ihre Zelte auf, stellen Wohnwagen am Strand ab und genießen den Sommer in der Natur. Viele internationale Gäste tun es ihnen gleich. Wie aus einem Bericht von Elea Beach an der Westküste der Peloponnes zu erfahren ist, tragen die Camp auch er zur Naturerhaltung bei. Warum? In Griechenland herrscht aktuell wieder Waldbrandsaison. Durch die Camper wird insbesondere der strandnahe Wald geschützt, weil sie darauf achten, dass beispielsweise kein offenes Feuer angezündet wird. Denn bei einem möglichen Waldbrand würden sie sich selbst eines wunderbaren Stellplatzes berauben und den Flamen überlassen.
Camper haben hohe wirtschaftliche Bedeutung
Welche wirtschaftliche Bedeutung besonders die freistehenden Camper haben wird bewusst, wenn die umliegenden Händler, Bäcker usw. befragt werden. Diese versorgen die Camper durch ihre mobilen Verkaufswagen „aus dem Kofferraum“ mit Brötchen, Käse, Obst und vielem mehr. Auch die umliegende Gastronomie, ob Kantina oder Taverna, profitieren von den Campern. Das trifft nicht nur im Winter zu. Auch im Sommer werden die Camper mobil versorgt.
Wer in Griechenland schon einmal zum Campen war, hat erfahren, dass die Campingplätze längsten nur von Mai bis September geöffnet haben. So sind sie mindestens die Hälfte des Jahres geschlossen. Darüber hinaus ist die Qualität der Campingplätze mit mitteleuropäischen überhaupt nicht zu vergleichen. Die Infrastruktur auf den Plätzen ist mangelhaft entwickelt und meist in einem desolaten Zustand. Es gehört schon viel Überwindung dazu, Dusche und Toilette zu benutzen.
Nun hat die griechische Regierung nicht festgelegt, wie Verfahren werden soll, wenn kein Campingplatz vorhanden oder der vorhandene geschlossen ist. Wenn wir auf die Aussagen der in den Medien befragten Griechen vertrauen, wird es spätestens zum Herbst ein neues Gesetz geben, dass dann abermals neue Regelungen festlegt. Zum Wünschen ist es den Griechen. Nicht nur, weil sie dann ihre Freizeit naturnah verbringen können. Sogar wirtschaftlich sind die Camper insbesondere in der Nebensaison von großer Bedeutung. Auch wenn die griechische Wirtschaft in den vergangen Jahren während der Mitsotakis-Regierung zugelegt hat, befindet sie sich immer noch auf dem Stand von vor mehr als 10 Jahren. Das merken die Griechen in der Geldbörse. Da zählt jeder Cent zum Überleben.
Deshalb muss neues Vertrauen für den Camping-Tourismuss geschaffen werden. Denn viele Griechenland-Camper haben schon deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Griechenland für sie kein Urlaubsziel mehr ist. Sie werden im kommenden Herbst und Winter auf Rumänien und Bulgarien ausweichen. Auch dort gibt es schönes Strände und Camper sind dort gern gesehen.
Es kann nur im Interesse der griechischen Wirtschaft und besonders des Tourismus sein, wenn schnellstmöglich den Campern eine Perspektive geboten wird. Es ist noch Zeit. Doch die Zeit drängt auf eine schnelle Entscheidung.