Tourismus-Messe unter Druck

Drei Tage (für einige Teilnehmer etwas mehr) waren rund 100.000 Touristiker in Berlin zu Gast. Sie diskutierten, sie teilten Erfahrungen und sie machten Geschäfte. Das alles im Zeichen von multiplen Krisen und Kriegen. Wie die Branche aufgestellt ist, hat luckx – das magazin erfahren.

Unsichere Zeiten

60 Jahre Tourismusmesse in Berlin. Trotz der angespannten Lage im Nahen Osten und eingeschränkten Flugverbindungen zeigte die weltweitführende Tourismusmesse ITB, wie wichtig Vertrauen, internationale Kooperation und persönliche Begegnungen in der Branche sind. Der Nahost-Konflikts fand fast in jedem Gespräch seinen Widerhall. Denn für den Tourismus ist nichts wichtiger als funktionierende Verkehrswege. Doch Tourismus ist nicht KI, nicht Kioskeinchecken, nicht nur Online-Kontakt. Tourismus ist immer ein persönliches Geschäft. Der persönliche Kontakt, direkte Gespräche und der unmittelbare Austausch ist für die Branche und besonders für die Reisenden und Gäste von extrem hoher Bedeutung. In unserer heutigen technisierten Welt geben persönliche Kontakte Orientierung und Vertrauen. So sind Partnerschaften immer wichtiger.

Daneben bietet der ITB Berlin Kongress eine Vielzahl von Diskussions- und Wissensforen. Leider boten die Ankündigungen nicht immer die erhoffte Qualität. Viele boten eher ein geringes Niveau. Hier muss die Messe künftig auf mehr Qualität setzen. Insgesamt stand der Kongress im Zeichen von Anpassung und Innovation in einer zunehmend unsicheren Welt. Besonders geopolitische Spannungen, Klimarisiken und wirtschaftlichen Unsicherheiten bereiten der gesamten Branche erhebliche Sorgen. Themen wie Resilienz, Krisenvorsorge und datenbasierte Frühwarnsysteme treffen nicht nur Reiseveranstalter, sondern treffen direkt Hotels, Ferienwohnung und Eventveranstalter. Ob Künstliche Intelligenz künftig stärker auf Reisende einwirken wird und zu einen Wandel führt, ist unsicher. KI wird nicht persönliche Reiseerlebnissen ersetzen können; auch wenn das mancher Technikanbieter gern hätte. Sicherlich werden besonders in der gesamten Reisevor- und -nachbereitung künftig verstärkt technische Möglichkeiten genutzt.

Auch strukturelle Veränderungen prägten die Diskussionen: Die Kluft zwischen Premium- und Massenmarkt wächst, Overtourism erfordert neue Formen des Destinationsmanagements, und Vertrauen wird zu einem zentralen Faktor in der Kommunikation mit Reisenden. Zugleich zeigte sich, dass Tourismus auch in Krisenzeiten ein Motor für Stabilisierung und Wiederaufbau sein kann – etwa am Beispiel der Ukraine. Insgesamt wird deutlich: Die Branche setzt zunehmend auf datenbasierte Entscheidungen, technologische Innovationen und nahtlose Reiseerlebnisse, um den Herausforderungen einer fragmentierten Welt zu begegnen. Da kommt der Personalmangel voll durch.

Wirtschaftliche Bedeutung

Wie die Messegesellschaft mitteilt, wurden im Rahmen der Messe Geschäftsabschlüsse und Einkaufsentscheidungen im Volumen von 47 Milliarden Euro getätigt. Dieser Wert bezieht sich ausschließlich auf Geschäfte, die direkt im Zusammenhang mit der Teilnahme an der ITB Berlin zustande kamen, und unterstreicht die Bedeutung der Messe als verlässliche Plattform für relevante Marktentscheidungen und erfolgreiches Geschäft. Davon konnten die Teilnehmer aus den durch Krisen und Krieg betroffenen Gebieten nicht partizipieren.

Doch Berlin und das Messegelände boten sich nicht von der besten Seite. So ist nicht zu verstehen, warum der Streusplitt immer noch vor und auf dem Gelände massenweise herum lag. Auch die Stadt an sich zeichnete sich durch unaufgeräumte Wege und Straßen aus. Tägliches Verkehrschaos macht eine Reise nach Berlin nicht unbedingt zu einem positiven Erlebnis. Wer zu uns aus dem Ausland kommt, bekommt so nicht unbedingt einen positiven Eindruck von Ordnung und Sauberkeit. Da verliert auch des Zertifikat „Made in Germany“ an Wert.