Hätte – könnte – eventuell

Täglich werden die Medien mit Kriegs-, Krisen- und Chaosmeldungen geflutet. Wer hat da noch den Überblick? Wir von luckx – das magazin können auch nur versuchen, zu recherchieren und etwas Licht in das tiefe Tal des Dunkel zu bringen.

Urlaub gefährdet?

Urlauber schauen wie gebannt auf die Kraftstoffversorgung in unserem Land. Bei Benzin und Diesel gibt es eine Vielzahl von Web-Seiten, die uns über den aktuellen Preis informieren. Über Versorgungsengpässe ist daraus nichts zu entnehmen. Bei Kerosin gibt es solche Web-Seiten nicht. Wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil der Bedarf nur von wenigen Marktteilnehmer nachgefragt wird und diese aus wirtschaftlichen Planungsgründen auch langfristige Lieferverträge abgeschlossen haben. In diesen Verträge sind sicherlich Anpassungsklausen vorhanden. Darüber lässt sich aber nur spekulieren. Doch das ist nicht unser Job.

Auch bei uns in der Redaktion stehen Flugreisen an. So haben wir schon aus Eigennutz die aktuelle Situation recherchiert. Denn nichts erscheint uns schlimmer, als irgendwo in einem Flughafengebäude bei hohen Temperaturen zu Sitzen (das hatten wir schon einmal) und nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht. Na ja, es gibt immer Menschen seitens der Fluggesellschaften, die mit ihrem Job überfordert sind. Uns erscheint es sehr einfach, Informationen an betroffene Fluggäste weiterzugeben, klar und ehrlich zu kommunizieren. Das erzeugt Verständnis und zeigt Perspektiven aus, wenn andere wissen, wo das Problem liegt und wie die weitere Vorgehensweise ist.

Geht das Kerosin aus?

Um die Frage nach dem Vorrat und der Versorgung mit Kerosin zu beantworten, bleibt zuerst zu klären, woher das Flugbenzin eigentlich kommt. So stammt das Kerosin für Deutschland hauptsächlich aus heimischen Raffinerien (ca. 4,8 Mio. Tonnen/Jahr) sowie Importen aus den Niederlanden, Norwegen, den USA und Libyen. Der Bedarf von etwa 9 Mio. Tonnen jährlich wird durch eine Mischung aus Eigenproduktion und Importen gedeckt, wobei Raffinerien wie in Schwedt und Köln eine zentrale Rolle spielen. Wenn wir das also zu Grunde legen, spielt wie bei der Versorgung mit Kraftfahrzeugtreibstoff der Krieg der USA im Iran keine Rolle. Anscheinend nutzen interessierte Kreise die aktuelle Situation wie an der Tanke dazu, mit der Angst der Bundesbürger zu spielen. Darüber hinaus soll mal wieder an der Preisspirale gedreht werden. So lassen sich die eigenen Tasche gut füllen und in die Taschen der Reisenden greifen. Ob das fair ist, sollte jeder für sich beantworten.

Bei Flugreisen geringe Nachfrage

Die geschürte Angst bei deutschen Reisenden hat dazu geführt, dass Flugpreise nicht wie üblich gestiegen sind. Denn die Fluggesellschaften möchten und müssen schon ihrem eigentlichen Zweck nachkommen. Da kann es manchmal sinnvoll sein, die Preise vorübergehend niedrig zu halten, um Flugzeuge zu bewegen und Personal sozusagen an Bord zu haben. Denn eine Außerdienststellung von Flugzeugen zieht einen hohen Kostenblock mit hohen Prüfkosten bei der Wiederindienststellung nach sich. Und befähigtes und eingearbeitetes Personal ist kostengünstiger als nach einer Krise wieder von vorne zu beginnen. Die Corona-Krise lässt grüßen.

Es ist nicht zu erwarten, dass der Flugbetrieb vollständig zu erliegen kommt, wie manche Berichte suggerieren möchten. Es könnte aber sein, dass Fluggesellschaft einige Strecken reduzieren, wo sie geringere Margen haben. Doch das machen sie schon seit Jahren. Zum einen, um die Regierungen unter Druck zu setzen. Denn Urlaubsländer im Süden Europas wie Spanien, Italien und Griechenland sind auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Besonders Reisende aus Deutschland waren und sind hier betroffen. Da Deutschland nun eines der weltweit wirtschaftlich stärksten Länder ist, kann man hier gut abkassieren. Denn Reisen steht für Deutsche ganz oben auf der Liste. Und dafür sparen wir Deutsche an anderen Positionen wie Lebensmittel, Bekleidung als auch Möbel.

Könnte es trotz des Optimismus der Bundesregierung zum Kerosinmangel kommen?

Nun zeichnet sich Wirtschaftsministerin Reiche nicht unbedingt durch strategisch hervorragenden Weitblick und zukunftsführende Aussagen aus. Aktuell ist aus ihrem Haus das Kerosin betreffend keine Warnmeldung vorhanden. Doch für Flugreisende reicht es bei grenzüberschreitenden Flügen nicht aus, zu wissen, dass in Deutschland genug Treibstoff vorhanden. Auch im Zielland muss für den Rückflug dieser Stoff vorhanden sein. Da könnte es in Dubai als auch in Asien kritischer werden. Zwar ist es bei Kurzstreckenflügen technisch möglich für Hin- und Rückflug den Treibstoff an Bord zu haben. Aber aus Effizienzgründen wird das nicht gemacht. Auf Langstrecken ist es aufgrund des enormen Gewichts des Treibstoffs unmöglich. Flugzeuge werden vor jedem Flug neu betankt, um Gewicht zu sparen.

In Europa hat sich nun die EU dieser Sach angenommen und versucht eine Regelung zu finden. Genau für solche Situation ist es gut, dass es diese EU gibt. Und was macht die EU?

EU-Maßnahmen

Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten ergreifen Maßnahmen, um die Versorgung zu sichern und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. Die EU hat einen Notfallplan erstellt, der eine bessere Überwachung der Treibstoffvorräte durch eine neu eingerichtete Beobachtungsstelle vorsieht. Zudem soll die volle Auslastung der europäischen Raffinerien sichergestellt werden. Die EU erwägt, Importe von Kerosin aus den USA zu erhöhen, um die Abhängigkeit vom Nahen Osten kurzfristig zu verringern. Die EU forciert den Übergang zu nachhaltigen Flugkraftstoffen, um die Abhängigkeit von fossilem Rohöl langfristig zu beenden. So gilt es seit 2025 eine verbindliche Beimischungsquote für nachhaltiges Kerosin, die mit 2 % beginnt und bis 2050 auf 70 % steigen soll. Wichtig für Reisende ist zu wissen, dass die EU-Kommission den Airlines davor gewarnt hat, wegen des Kerosinmangels nachträglich Zuschläge auf bereits gebuchte Tickets zu erheben.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die EU-Versorgung ist aktuell zwar unter Druck, aber kurzfristig stabil. Die Situation treibt jedoch die Umstellung auf nachhaltige Treibstoffe (SAF) und eine Diversifizierung der Bezugsquellen voran, um die Resilienz gegenüber Krisen im Nahen Osten zu stärken. Insgesamt sollten wir aber nicht in Panik verfallen, sondern uns auf unseren Urlaub und auf unsere Reise freuen. Denn die Vorfreude auf etwas ist ganz besonders wichtig zur Erholung. Und wenn es dann doch zu einer Versorgungskrise kommt, ist es zwar ärgerlich, doch dann ergeben sich auf einmal neue, ungeahnte Perspektiven, weil wir zum kurzfristigen Handeln uns zwingen lassen.