Netzengpässe vermeiden

Wir haben es alle gelesen: 2025 wurde wieder viel mehr nachhaltig erzeugte Energie zur Verfügung gestellt. Doch das Problem bleibt weiter, dass Windräder abgeschaltet werden müssen, weil zu viel Strom erzeugt wird. So bleibt die Energiespeicherung die vordringlichste Aufgabe meint luckx – das magazin.

Energiespeicherung

Wir erleben es regelmäßig: Trotz ausreichender Windenergie stehen die Räder still oder es arbeiten weniger Windräder. Die Ursache ist, dass zu viel Strom erzeugt wird, für die es keine Abnehmer gibt. Darüber hinaus wird vielfach zur Mittagszeit Strom angeboten – teilweise zu negativen Strompreisen –, weil es keine Abnahme erfolgt. Die Lösung ist in der Stromspeicherung zu finden. Doch das Zusammenspiel von Batteriespeichern mit Wind- und Solaranlagen stellt Netzbetreiber wie auch Speicherbetreiber vor Herausforderungen. Denn gerade in Zeiten hoher Einspeisung aus Photovoltaik- und Windanlagen können Netzengpässe auftreten.

Würden Speicher in solchen Situationen ebenfalls Strom einspeisen, verschärfen sie die Belastung. Entscheidend ist daher die Frage: Wie lassen sich Speicher so betreiben, dass sie das Netz entlasten und zugleich rentabel arbeiten können? Doch Lösung scheinen vorhanden zu sein. Sie müssen nur genutzt werden.

Konkurrenz zwischen Erneuerbaren vermeiden

Ein im Mai 2025 ans Netz gegangener 103,5-MW-Speicher in Bollingstedt in Schleswig-Holstein zeigt jedoch die damit verbundenen Herausforderungen. Dort kam es bei der Netzeinspeisung in wenigen Stunden des Jahres zur Konkurrenzsituation zwischen Speicher und lokalen Wind- und Solaranlagen. Eine uneingeschränkte Nutzung des Batteriespeichers war daher nicht möglich. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz wurde beschlossen, die Entladeleistung bei hoher erneuerbarer Erzeugung zu begrenzen. Das stabilisierte zwar das Netz, verringerte aber andererseits auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Um dieses Spannungsfeld nicht nur für den Speicher in Bollingstedt, sondern auch grundsätzlich für alle weiteren Speicherprojekte zu lösen, wurde ein Prognosetool entwickelt. Es kombiniert Wetter- und Erzeugungsdaten von Wind und Solar mit historischen Lastwerten und kann so die Netzbelastung realistisch vorhersagen. Damit lässt sich im Voraus bestimmen, wie viel eingespeist werden kann, ohne dadurch Engpässe zu verursachen. Bei hoher Einspeisung durch Erneuerbare reduziert der Speicher automatisch seine Entladeleistung.

Prognose

„Damit der Speicher an den Märkten für Systemdienstleistungen teilnehmen kann – insbesondere an der FCR-Auktion (Frequency Containment Reserve), die zwei Tage vor dem Erbringungszeitpunkt jeweils um 8 Uhr startet – müssen die Prognosen bis zu 42 Stunden im Voraus vorliegen“, erklärt Franz Hartleitner, Energy Data Scientist bei ECO STOR. Die FCR ist eine Primärregelreserve, die Netzfrequenzabweichungen innerhalb von Sekunden automatisch ausgleicht. Die bisherigen Daten zeigen: Das System funktioniert, notwendige Redispatch- oder Abregelungsmaßnahmen am Netzanschlusspunkt haben sich auf ein Minimum reduziert. Ein Redispatch ist ein Eingriff des Netzbetreibers in die Einsatzplanung von Kraftwerken, um Engpässe im Netz zu vermeiden. Bei einer Abregelung müsste die Einspeisung reduziert werden, weil das Netz den Strom nicht aufnehmen kann. Da Wind- und PV-Erzeugung gut prognostizierbar sind und Speicher meist antizyklisch betrieben werden, also dann laden, wenn Erneuerbare einspeisen, kommt es nur in Ausnahmefällen zu Eingriffen.

Dynamische Netzentgelte

Eine zentrale Erkenntnis aus diesem Ansatz ist, dass Betriebsrichtlinien zur Netzdienlichkeit künftig unverzichtbar sein werden. Angesichts der wachsenden Zahl großer Speicherprojekte eröffnet sich hier auch für Netzbetreiber die Möglichkeit, neue Steuerungsinstrumente zu entwickeln, die regionale Besonderheiten berücksichtigen. Das erfordert jedoch einen regulativen Rahmen. Dazu könnten dynamische Netzentgelte gehören, die sich flexibel an der Netzsituation orientieren. Lädt ein Speicher in Zeiten hoher Erzeugung und trägt damit zur Entlastung des Netzes bei, müsste er keine Entgelte zahlen oder könnte sogar eine Vergütung erhalten. Bei neutralem Einfluss wären nur geringe Gebühren fällig, während netzbelastender Betrieb höhere Entgelte nach sich ziehen würde. Ein solches Modell könnte Investoren zusätzliche Sicherheit bieten und gleichzeitig die Netzstabilität fördern.

Speicher können die Lösung sein

Batteriespeicher sind ein Schlüsselbaustein der Energiewende und lassen sich mit ihrem Betrieb sinnvoll in das Netz integrieren. Speicher sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Mit klaren Regeln, vorausschauender Planung und gemeinsamer Verantwortung von Netzbetreibern, Speicherbetreibern und Regulierung können Batterien wirtschaftlich attraktiv und systemdienlich zugleich betrieben werden.