Wenn es ums Geldausgeben geht, bleiben viele Geldbörsen verschlossen. Denn wir Deutsche gelten als eine geizige Gesellschaft. Überall wo es Schnäppchen gibt, sind wir vorn dabei. Doch gilt das auch für die Urlaubsreise, fragt luckx – das magazin?
Reiseentscheidungen
Es lässt sich schon erwarten, dass die Deutschen auch hier die Geldbörse nicht so schnell geöffnet wird. Für fast die Hälfte der Deutschen sind deshalb die Kosten das wichtigste Kriterium bei der Wahl ihres Reiseziels. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) unter 2.035 Personen. Neben dem Preis beeinflussen auch Sicherheit, Erreichbarkeit und die allgemeine wirtschaftliche Lage die Reiseentscheidung. Denn: Immer mehr Reisende buchen laut der Studie kurzfristig.
Die Befragung zeigt, dass Reiseentscheidungen ein vielschichtiger Prozess sind, bei dem finanzielle Möglichkeiten, Sicherheitsaspekte und persönliche Präferenzen ineinandergreifen. 47 Prozent der Befragten betrachten demnach die Kosten als wesentlichen Faktor bei der Reisezielentscheidung. Dahinter folgen Aspekte wie die Sicherheit am Reiseziel (27 %), die Erreichbarkeit des Zielgebiets (25 %) sowie das Klima und frühere positive Erfahrungen mit einer Destination (je 23 %). Beim Blick auf die bevorzugten Urlaubsarten dominiert der Strandurlaub am Meer (50 %). Auch Erholungs- und Entspannungsurlaube (41 %) sowie Städtereisen (40 %) sind sehr beliebt, während Natururlaube (30 %) und Familienurlaube (27 %) eine wichtige, aber etwas kleinere Rolle spielen. „Wir sehen, dass in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit Kostenfragen weiter an Bedeutung gewinnen, während individuelle Erwartungen an Sicherheit und Erholung das Gesamtbild zusätzlich prägen“, sagt Prof. Dr. Alfred Bauer, Leiter des BZT.
Haupturlaubsreise
Für die Haupturlaubsreise zwischen Januar und September 2025 ist das Zielgebiet selbst (50 %) der ausschlaggebende Faktor, gefolgt von der Wahl der Unterkunft (46 %), dem verfügbaren Budget (39 %), dem Reisezeitpunkt (35 %) sowie der gewünschten Art des Urlaubs (34 %). Besonders der Juli (30 %) und August (36 %) gelten erwartungsgemäß als Hauptreisemonate, während Personen ab 60 Jahren häufiger auf den Spätsommer und Herbst ausweichen. Immer stärker zeigt sich auch der Trend zur Kurzfristigkeit: „Rund ein Drittel entscheidet sich erst ein bis drei Monate vor Reiseantritt, während ein Fünftel sogar weniger als einen Monat im Voraus oder noch spontaner bucht“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Schmude, wissenschaftlicher Leiter des BZT.
Ebenso eindeutig wie die Kriterien für die Wahl eines Zielgebiets sind auch die Gründe dagegen. Hohe Kosten (48 %) stehen an erster Stelle und sorgen dafür, dass potenzielle Destinationen von vornherein ausgeschlossen werden. Fast ebenso häufig genannt wird mangelnde Sicherheit im Zielgebiet (46 %). Auch das Gefühl, dass ein Ort überfüllt oder touristisch überlaufen ist, führt dazu, dass Reisende ihre Wahl überdenken und gegebenenfalls alternative Ziele bevorzugen (30 %).
Sparverhalten
Die allgemeine wirtschaftliche Lage hat ebenfalls direkte Auswirkungen auf das Reiseverhalten: 27 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch gestiegene Preise sehr stark belastet, wobei Frauen mit 32 Prozent stärker betroffen sind als Männer (22 %). Wer im Urlaub spart (20 %), tut dies in erster Linie durch eine Verkürzung der Reisezeit (26 %), durch die Wahl einer preisgünstigeren Unterkunft (30 %) oder dadurch, dass vor Ort weniger Geld für Aktivitäten und Restaurantbesuche ausgegeben wird (18 %). Von denen, die am Urlaub sparen, verzichten 37 Prozent ganz auf eine Urlaubsreise.
Obwohl die Pandemie den Reiseverkehr zeitweise stark beeinflusst hat, zeigen die aktuellen Daten, dass die meisten Menschen inzwischen wieder zu ihrem gewohnten Reiseverhalten zurückgekehrt sind. 74 Prozent der Befragten treffen ihre Entscheidungen heute genauso wie vor der Pandemie. Dennoch hat die Pandemie bei rund 20 Prozent der Menschen langfristig zu einer veränderten Gewichtung einzelner Entscheidungskriterien geführt. Diese Gruppe achtet stärker auf Aspekte wie Sicherheit, gesundheitliche Aspekte und Hygiene im Zielgebiet (36 %). Ein gutes Drittel meidet bis heute größere Menschenansammlungen und reist insgesamt seltener (31 %).
Spannend wird es in den nächsten Wochen im Vorfeld der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin. Denn nun kommen viele Destinationen mit eigenen, für sie selbst, positiven Ergebnissen um die Ecke. Zuverlässig werden die Ergebnisse der Reiseanalyse sein. Die auf rund 50 Jahre fortlaufende Befragungsergebnisse blicken kann.