Gute Nachrichten

In der heutigen Zeit der multiplen Krisen sind gute Nachrichten selten. Doch besonders in der Medizin gibt es viele Fortschritte, die unsere Lebenssituation verbessern. So zeigt der Herzbericht, dass es weniger Herztote gibt, wie luckx – das magazin recherchierte.

Herzbericht

Trotzdem: Der Handlungsdruck wächst. So ist die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten in Deutschland innerhalb eines Jahres insgesamt leicht gesunken – am deutlichsten ausgeprägt bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK), der Grunderkrankung des Herzinfarkts. Das geht aus den Zahlen des Deutschen Herzberichts hervor. Im Jahr 2023 starben insgesamt 211.152 Menschen an den Folgen einer Herzkrankheit (2022: 216.944). Die Sterberate lag damit bei 215,7 an Herzkrankheiten Gestorbenen pro 100.000 Einwohner (EW) (2022: 224,2). Die Herzerkrankung mit den meisten Todesfällen sind weiterhin Durchblutungsstörungen durch Herzkranzgefäßverengungen (=KHK) mit 119.795 Sterbefällen (2022: 125.984) und einer Sterberate von 125,3 an KHK-Gestorbenen pro 100.000 EW (2022: 133,3) – davon starben am akuten Herzinfarkt 43.839 Menschen (46 Gestorbene/100.000 EW) (2022: 46.608 Gestorbene/49 pro 100.000 EW). Das sind natürlich erfreuliche Ergebnisse. Die internationale Einordnung ergibt leider ein weniger erfreuliches Bild. „Dass die KHK- und Herzinfarktsterblichkeit im aktuell berichteten Jahr erneut merklich abnimmt, bestätigt einen erfreulichen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet. Dennoch ist die Sterberate der KHK im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarländern wie Frankreich oder Dänemark nach wie vor viel zu hoch“, betont der Kardiologe Prof. Dr. Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Herzkrankheiten

Die KHK-Sterblichkeitskurve flachte bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie tendenziell ab, „es könnte sich daher ein Plateau abzeichnen“, so Schunkert. Auch andere Herzkrankheiten zeigen leichte Sterblichkeitsrückgänge zum Vorjahr: bei Herzschwäche sank sie marginal (-0,2 Prozent) von 37,7 auf 37,6 Gestorbene pro 100.000 EW und bei Herzrhythmusstörungen um 3,2 Prozent von 30,5 (2022) auf 29,5 pro 100.000 EW. An Herzklappenerkrankungen starben im Jahr 2023 hingegen mit 2,6 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr (2023: 22,4/2022: 21,9). Der rückläufige Trend vor allem der KHK-Sterblichkeit spiegelt unter anderem Verbesserungen der präventiven, rehabilitativen und therapeutischen Maßnahmen wider. Dazu zählen interventionelle Verfahren wie die Stent-Therapie bei Herzinfarkt (Notfall-PCI) oder die Bypass-Chirurgie, verbesserte medikamentöse Verfahren und Verbesserungen in der Rettungskette. „Um eine weitere deutlichere Abnahme zu erreichen, müssen wir die Ursachen der KHK stärker in den Fokus nehmen“, fordert Kardiologe Prof. Schunkert. So sind in Deutschland die Infarkt-Risikofaktoren enorm verbreitet, die unbehandelt in Herzkrankheiten wie KHK und Herzschwäche münden: zu hohes LDL-Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht. Millionen Menschen sind davon betroffen.

Risikofaktoren

„Damit wir diese Risikofaktoren in den Griff bekommen, müssen wir gefährdete Menschen frühzeitiger identifizieren und behandeln.“ Neben den für die Versorgung dieser Risikopatienten verantwortlichen herzmedizinischen Institutionen brauche es eine landesweite Initiative der Deutschen Herzstiftung, der Nationalen Herz-Allianz (NHA), der Gesundheitspolitik und vieler weiterer Gesundheitsorganisationen mit dem Ziel, Verbesserungen in Prävention und Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen „voranzutreiben und so die Sterblichkeit durch die Volkskrankheit KHK weiter zu senken“. Aus diesem Grund hat die Herzstiftung 2025 eine Million Euro für innovative Forschungsvorhaben zu Diagnostik, Therapie und Krankheitsmechanismen der KHK bereitgestellt und klärt die Bevölkerung auf.

Früherkennung

Vor dem Hintergrund der älter werdenden Bevölkerung sind in Summe die vollstationären Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten 2023 leicht angestiegen. In absoluten Zahlen von 1.574.352 Krankenhausaufnahmen im Jahr 2022 auf 1.635.903 im Jahr 2023. „Alle Herzkrankheiten bewegen sich mit insgesamt über 1,6 Millionen Krankenhausfällen oder 1.695 Krankenhausaufnahmen pro 100.000 Einwohner auf einem hohen Niveau“, betont Prof. Schunkert. Allein die KHK, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz machen rund 1,5 Millionen Klinikeinweisungen pro Jahr aus. Für die KHK und Herzrhythmusstörungen sind bereits ab einem Alter von 40 Jahren steigende Hospitalisationsraten zu erkennen. „Umso wichtiger ist es, Männer und Frauen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits im Rahmen der ambulanten Versorgung mit Hilfe frühzeitiger Gesundheits-Check-Ups beim Hausarzt zu identifizieren und Risikofaktoren mit Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls Medikamenten zu behandeln. Das geschieht am besten bereits ab 35 Jahren“, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung. Denn bei den meisten Herzerkrankungen gilt: Vorbeugen ist effektiver als behandeln. Wird fortgesetzt.