Krankheitstage

Der Bundeskanzler hatte es ja schon erkannt: Die Deutschen sind zu oft krank. Sein Bewertungsmaßstab waren die Krankheitstage. Ob das mit Faulheit, erhaschen von mehr Urlaubstagen oder anderen Ursachen zusammenhängt, weiß jeder Kranke selbst genau. Oder können andere Dinge wie Arbeitsverdichtung die Ursache sein, fragt luckx – das magazin?

Steigende Fehlzeiten

Dass die krankheitsbedingten Fehlzeiten zunehmen, ist seit langem bekannt. Bekannt ist auch, dass der Arbeitskräftemangel nicht abnimmt und die Überstunden zunehmen. Dieses Szenario könnte insbesondere psychische Erkrankungen fördern. Denn psychische Erkrankungen steigen stetig, wie aus den Ergebnissen einer Studie der Krankenkasse BIG und vivamind – Gesellschaft für Präventionsmedizin und Psychologie mbH hervorgeht. Wir wissen doch alle, dass krankheitsbedingte Ausfälle nicht nur persönliche Belastungen für Beschäftigte verursachen, sondern auch erhebliche Kosten für Unternehmen. Das sollte auch zur beratungsresistenten Bundesregierung durchgedrungen sein. So könnte gezielte Prävention krankheitsbedingte Fehlzeiten deutlich reduzieren: Bis zu 46 Krankheitstage pro Person innerhalb von drei Jahren lassen sich vermeiden, zeigt die Studie.

Gesundheits-Check-up-Daten und Fehlzeiten

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit für das Jahr 2024 auf insgesamt 134 Milliarden Euro bzw. den Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 227 Milliarden Euro. Um den Ursachen näher zu kommen, wurden in der Studie erstmals Gesundheits-Check-up-Daten mit späteren Fehlzeiten verknüpft. Die Ergebnisse zeigen klar: Schlafqualität, Selbstregulation, Bewegung und Körpergewicht beeinflussen Ausfalltage besonders stark. Grundlage sind Daten von 5.947 Versicherten aus dem Gesundheitsmanagement-Programm BIGbalance (2020–2025); für 396 Teilnehmende lagen objektiv erfasste Fehlzeiten vor.

Schlafqualität

Kombiniert wurden medizinische Daten, Verhalten und psychische Faktoren in einem strukturierten Check-up mit individuellem Feedback. Teilnehmer verbessern langfristig Erholungsfähigkeit und Vitalität. Aus der Studie lässt sich erkennen, dass Eine Verbesserung der Schlafqualität um rund 25 % geht mit etwa 30 Fehltagen weniger innerhalb von drei Jahren einher. Außerdem kann eine hohe Selbstregulationskompetenz die Krankheitstage um bis zu 46 Tage innerhalb von drei Jahren reduzieren. Außerdem erhöht jeder zusätzliche BMI-Punkt die Fehlzeiten im Schnitt um 2,5 Tage. Auffällig ist, dass Rauchen die Fehlzeiten messbar steigert. Bereits regelmäßiger Ausdauer- oder Kraftsport kann bis zu 25 Fehltage im Drei-Jahres-Zeitraum vermeiden.

Prävention zahlt sich aus

Diese Studie belegt: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein ‚weicher Faktor‘, sondern ein messbarer Hebel für Produktivität und Stabilität in Unternehmen. Statt erst auf Erkrankungen zu reagieren, lassen sich krankheitsbedingte Ausfälle durch frühzeitige und systematische Prävention deutlich senken. Bisher ein unterschätzter Einfluß ist, dass psychische Ressourcen und Lebensstilfaktoren einen deutlich größeren Einfluss auf Fehlzeiten haben als bislang angenommen. Angesichts steigender Ausfälle – besonders durch psychische Erkrankungen – gewinnt Prävention wirtschaftlich an Bedeutung.

So lässt sich als wichtiges Ergebnis zusammenfassen, dass die Investitionen in Schlaf, Bewegung, Ernährung und psychische Selbststeuerung Fehlzeiten messbar reduzieren können. Prävention schützt damit nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern stärkt auch Produktivität und Stabilität von Unternehmen.