Konsum-Freude

Konsum führt zwangsläufig auch zu Umweltbelastungen. Deshalb versuchen viele sich „nachhaltig“ zu verhalten. Doch was ist wirklich „nachhaltig”? Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz prägte schon 1713 den Begriff der „Nachhaltigkeit“ aus reinen wirtschaftlichen Überlegungen. Denn seine Tätigkeit für die Bergwerke des Erzgebirges war gekennzeichnet als Holzversorger. Denn sowohl im Bergwerk selbst als auch bei der Verhüttung war Holz ein wichtiger Bestandteil. Er stellte fest, dass mehr Holz aus den Wäldern herausgeholt wurde als der Wald produzieren konnte. Doch so ein Wald produziert nicht auf Kommando mehr oder weniger des damals so wichtigen Rohstoff. Also war über Generationen hinaus vorsorge zu treffen. Denn ein Baum braucht rund 80 bis 100 Jahre damit er als Bauholz usw. verwendet werden konnte. Deshalb sind langfristige Vorsorgemaßnahmen zu treffen um weiterhin Wohlstand und Ertrag zu gewährleisten. Denn ohne ausreichende Erträge kein Wohlstand.

Nachhaltigkeit

Doch was tatsächlich die Bezeichnung “nachhaltig” verdient, kann niemand so genau sagen. Vieles, was auf den ersten Blick nachhaltig erscheint, kann sich als Trugschluss entpuppen. Ein überraschendes Beispiel bietet der Konsum von Äpfeln: Wer zu regionalen Äpfeln greift, tut dies oft mit dem guten Gewissen, die Umwelt zu schonen. Was jedoch viele nicht wissen: In den Wintermonaten ist es egal, ob man zu den Bio-Äpfeln aus Neuseeland oder zur regionalen Alternative greift. Durch den hohen Kühl- und Lageraufwand haben die hiesigen Äpfel einen ebenso großen CO2-Fußabdruck wie die Äpfel, die praktisch ohne Lager direkt von der Ernte per Flugzeug von dem anderen Ende der Welt ihren Weg in den Supermarkt finden.

Verantwortungsvoller Konsum

Also Konsum ja. Aber verantwortungsvoll und fair. Das spiegelt auch der Ethical Style Guide zur Ambiente wider. Die weltgrößte Konsumgütermesse findet vom 7. bis 11. Februar 2020 in Frankfurt statt. Dort präsentieren 340 Aussteller aus 49 Ländern ihre Produkte, die nach ökologischen und gesellschaftlich verträglichen Kriterien produziert werden. „Die klassische Konsumfreude weicht derzeit einer wachsenden Freude an gutem Konsum. Das heißt: Menschen wünschen sich ein positives Gefühl bei den Dingen, mit denen sie sich umgeben. Sie werden achtsamer und kritischer beim Einkauf, sind in der Regel gut informiert und fragen nach Herkunft, Herstellung, Materialien und sozialer Verträglichkeit der Produkte. Den Handel stellt das vor neue Herausforderungen. Zwischen recyclingfähigen Lösungen und Fair Trade-Projekten, zwischen guter Kommunikation und Greenwashing: Welche Anbieter und welche Produkte sind tatsächlich nachhaltig und in welchen Aspekten?

Wertvoll für den Handel

Der Ethical Style Guide will sich als wertvolles Instrument für den zeitgeist- und zukunftsorientierten Handel etablieren. Denn das spezielle Ausstellerverzeichnis führt die Messebesucher nicht nur über alle Angebotsbereiche hinweg zu Unternehmen, die nachhaltig und sozial hergestellte Produkte präsentieren, er hilft ihnen auch dabei, die Angebote besser einzuschätzen. Sechs Kategorien bilden dabei die Leitplanken. Diese sind: umweltfreundliches Material, ressourcenschonende Herstellung, faire und soziale Produktion, Re- oder Upcycling Design, Handarbeit und nachhaltige Innovation.

Nachhaltigkeit auf der Ambiente

Über das Angebot der Aussteller hinweg bietet die Ambiente 2020 ihren Besuchern verschiedene Möglichkeiten, sich zum Thema Nachhaltigkeit aus erster Hand zu informieren. So präsentiert sich auch in diesem Jahr wieder die World Fair Trade Organization (WFTO). Die globale Gemeinschaft fördert weltweit die Fairness im Handel durch die Entwicklung alternativer Geschäftsmodelle. Enbenso stellt sich MADE 51 mit einer Sonderschau vor. Die Initiative des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) arbeitet zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft daran, zukunftsfähige Existenzgrundlagen für geflüchtete Kunsthandwerker zu sichern. Die Ambiente 2020 findet vom 7. bis 11. Februar statt und ist leider nur für Fachbesucher geöffnet. Luckx – das magazin wird darüber berichten.